Einkaufslexikon
Automatisierungsgrad Rechnung: Kennzahl für digitale Rechnungsverarbeitung
November 19, 2025
Der Automatisierungsgrad Rechnung misst den Anteil automatisch verarbeiteter Rechnungen im Verhältnis zur Gesamtzahl eingehender Rechnungen. Diese Kennzahl zeigt auf, wie effizient die digitale Rechnungsbearbeitung in der Beschaffung funktioniert und wo noch manueller Aufwand erforderlich ist. Erfahren Sie im Folgenden, was den Automatisierungsgrad ausmacht, welche Methoden zur Steigerung existieren und welche Risiken zu beachten sind.
Key Facts
- Misst den Prozentsatz vollständig automatisiert verarbeiteter Rechnungen ohne manuellen Eingriff
- Typische Werte liegen zwischen 30-80% je nach Reifegrad der Digitalisierung
- Direkte Auswirkung auf Prozesskosten und Durchlaufzeiten in der Kreditorenbuchhaltung
- Abhängig von Datenqualität, Systemintegration und standardisierten Prozessen
- Zentrale Kennzahl für die Bewertung von Procure-to-Pay-Transformationen
Inhalt
Definition: Automatisierungsgrad von Rechnungen in der Beschaffung
Der Automatisierungsgrad Rechnung beschreibt das Verhältnis zwischen automatisch verarbeiteten und manuell bearbeiteten Rechnungen in einem definierten Zeitraum.
Kernelemente der automatisierten Rechnungsverarbeitung
Eine vollständig automatisierte Rechnung durchläuft folgende Schritte ohne manuellen Eingriff:
- Digitaler Rechnungseingang und automatische Erkennung
- Datenextraktion mittels OCR oder strukturierter Formate
- Automatischer Abgleich mit Bestelldaten und Wareneingängen
- Freigabe und Buchung ohne manuelle Prüfung
Automatisierungsgrad vs. Touchless Rate
Während der Automatisierungsgrad den gesamten Verarbeitungsprozess betrachtet, fokussiert sich die Touchless Rate speziell auf Rechnungen, die ohne jegliche manuelle Berührung verarbeitet werden. Die Three-Way-Match-Rate ergänzt diese Betrachtung um die erfolgreiche Abstimmung zwischen Rechnung, Bestellung und Wareneingang.
Bedeutung im Einkauf
Ein hoher Automatisierungsgrad reduziert Prozesskosten erheblich und verkürzt die Bearbeitungszeiten. Gleichzeitig minimiert er Fehlerquellen und ermöglicht eine bessere Ausnutzung von Skontokonditionen durch schnellere Zahlungsabwicklung.
Methoden und Vorgehensweisen
Die Steigerung des Automatisierungsgrads erfordert systematische Ansätze zur Prozessoptimierung und Technologieintegration.
Datenqualität und Standardisierung
Grundvoraussetzung für hohe Automatisierungsgrade ist die Standardisierung von Stammdaten und Prozessen. Einheitliche Lieferantennummern, Artikelcodes und Kostenstellen ermöglichen eine zuverlässige automatische Zuordnung. Die Katalogquote spielt dabei eine wichtige Rolle, da strukturierte Bestelldaten die Rechnungsautomatisierung erheblich erleichtern.
Technologische Implementierung
Moderne OCR-Technologien und Machine Learning-Algorithmen verbessern die Erkennungsgenauigkeit kontinuierlich. Die Integration zwischen ERP-System, E-Procurement-Plattform und Rechnungsverarbeitungssoftware muss nahtlos funktionieren, um Medienbrüche zu vermeiden.
Prozessoptimierung und Change Management
Erfolgreiche Automatisierung erfordert die Anpassung bestehender Workflows und die Schulung der Mitarbeiter. Exception-Handling-Prozesse müssen definiert werden, um Rechnungen mit Abweichungen effizient zu bearbeiten. Die Fehlerquote bei Rechnungen sollte kontinuierlich überwacht werden.

Tacto Intelligence
Vereint tiefes Einkaufswissen mit den leistungsstärksten KI-Agenten für einen starken Einkauf.
Kennzahlen zur Steuerung des Automatisierungsgrads
Die Messung und Steuerung des Automatisierungsgrads erfordert ein Set aufeinander abgestimmter Kennzahlen zur ganzheitlichen Bewertung.
Primäre Automatisierungskennzahlen
Der Automatisierungsgrad wird als Prozentsatz berechnet: (Anzahl automatisch verarbeiteter Rechnungen / Gesamtanzahl Rechnungen) × 100. Ergänzend sollten die Touchless Rate und die durchschnittliche Bearbeitungszeit gemessen werden, um die Effizienzsteigerung zu quantifizieren.
Qualitäts- und Fehlerkennzahlen
Die Fehlerquote bei Rechnungen und die Anzahl manueller Korrekturen zeigen die Qualität der Automatisierung auf. Eine niedrige Three-Way-Match-Rate kann auf Probleme in der automatisierten Zuordnung hinweisen.
Wirtschaftlichkeitskennzahlen
Kosteneinsparungen pro Rechnung, Reduzierung der Bearbeitungszeiten und verbesserte Skontoquoten durch schnellere Zahlungen messen den wirtschaftlichen Erfolg. Die Days Payable Outstanding können durch höhere Automatisierung optimiert werden.
Risiken, Abhängigkeiten und Gegenmaßnahmen
Hohe Automatisierungsgrade bringen spezifische Risiken mit sich, die durch geeignete Kontrollmechanismen minimiert werden müssen.
Systemausfälle und technische Abhängigkeiten
Die starke Abhängigkeit von IT-Systemen kann bei Ausfällen zu erheblichen Verzögerungen führen. Redundante Systeme und manuelle Fallback-Prozesse sind essentiell. Die Reklamationsquote kann durch unerkannte Systemfehler ansteigen, wenn automatisierte Kontrollen versagen.
Compliance und Kontrollverlust
Automatisierte Prozesse können Compliance-Verstöße übersehen, wenn die Regelwerke nicht korrekt implementiert sind. Regelmäßige Stichprobenkontrollen und die Überwachung der Preisabweichungen zur Bestellung sind notwendig, um Fehler frühzeitig zu erkennen.
Datenqualität und Fehlerpropagation
Schlechte Stammdatenqualität kann sich in automatisierten Systemen schnell multiplizieren. Fehlerhafte Zuordnungen oder falsche Kostenstellen werden ohne manuelle Prüfung nicht erkannt. Ein robustes Datenmanagement und kontinuierliche Qualitätskontrollen sind unerlässlich für nachhaltigen Erfolg.
Praxisbeispiel
Ein mittelständisches Produktionsunternehmen steigerte seinen Automatisierungsgrad von 35% auf 78% innerhalb von 18 Monaten. Durch die Implementierung einer KI-basierten Rechnungsverarbeitungslösung und die Standardisierung der Lieferantenstammdaten konnten 85% der Katalogbestellungen vollautomatisch abgewickelt werden. Die manuelle Bearbeitungszeit pro Rechnung sank von durchschnittlich 12 auf 2 Minuten.
- Kosteneinsparung von 180.000 Euro jährlich durch reduzierte Personalkosten
- Verbesserung der Skontoquote von 45% auf 72% durch schnellere Bearbeitung
- Reduzierung der Fehlerquote um 60% durch eliminierte manuelle Eingabefehler
Trends & Entwicklungen rund um den Automatisierungsgrad
Die Rechnungsautomatisierung entwickelt sich rasant weiter, getrieben von technologischen Innovationen und regulatorischen Anforderungen.
Künstliche Intelligenz und Machine Learning
KI-basierte Lösungen verbessern die Datenextraktion und -interpretation erheblich. Selbstlernende Systeme erkennen Muster in Rechnungsformaten und passen sich automatisch an neue Lieferanten an. Dies führt zu deutlich höheren Automatisierungsgraden, insbesondere bei unstrukturierten Rechnungsformaten.
E-Invoicing und strukturierte Datenformate
Die zunehmende Verbreitung von E-Invoicing-Standards wie ZUGFeRD und XRechnung ermöglicht eine vollständig digitale Rechnungsverarbeitung. Strukturierte Datenformate reduzieren Interpretationsfehler und erhöhen die Automatisierungsrate auf nahezu 100% für konforme Rechnungen.
Integration in Procure-to-Pay-Plattformen
Moderne P2P-Lösungen integrieren Rechnungsautomatisierung nahtlos in den gesamten Beschaffungsprozess. Die Verknüpfung mit Purchase Order Cycle Times und Contract Compliance ermöglicht eine ganzheitliche Prozessoptimierung.
Fazit
Der Automatisierungsgrad Rechnung ist eine zentrale Kennzahl für die Effizienz der Rechnungsverarbeitung im Einkauf. Hohe Automatisierungsgrade reduzieren Kosten, verkürzen Durchlaufzeiten und verbessern die Datenqualität erheblich. Erfolgreiche Implementierung erfordert jedoch systematische Herangehensweise, robuste Kontrollmechanismen und kontinuierliche Optimierung. Die Balance zwischen Effizienz und Kontrolle bestimmt den nachhaltigen Erfolg automatisierter Rechnungsprozesse.
FAQ
Was ist ein guter Automatisierungsgrad für Rechnungen?
Ein Automatisierungsgrad von 60-80% gilt als sehr gut für etablierte Unternehmen. Weltklasse-Organisationen erreichen über 85%. Der optimale Wert hängt von der Komplexität der Beschaffung, der Lieferantenstruktur und dem Digitalisierungsgrad ab. Wichtiger als absolute Werte ist die kontinuierliche Verbesserung.
Wie wird der Automatisierungsgrad berechnet?
Die Berechnung erfolgt als Quotient: (Anzahl vollständig automatisch verarbeiteter Rechnungen / Gesamtanzahl eingehender Rechnungen) × 100. Dabei zählen nur Rechnungen als automatisiert, die ohne jeglichen manuellen Eingriff von der Erfassung bis zur Buchung verarbeitet wurden.
Welche Faktoren beeinflussen den Automatisierungsgrad?
Entscheidende Faktoren sind die Qualität der Stammdaten, die Standardisierung von Prozessen, die technische Integration der Systeme und die Disziplin bei der Bestellabwicklung. Auch die Bereitschaft der Lieferanten zur Nutzung strukturierter Rechnungsformate spielt eine wichtige Rolle.
Welche Risiken birgt eine hohe Automatisierung?
Hauptrisiken sind der Verlust manueller Kontrollen, die Abhängigkeit von IT-Systemen und die Gefahr unerkannter Systemfehler. Compliance-Verstöße können übersehen werden, wenn Regelwerke nicht korrekt implementiert sind. Regelmäßige Stichprobenkontrollen und robuste Exception-Handling-Prozesse sind daher unerlässlich.



.avif)


.png)




.png)
.png)