Einkaufslexikon
Cash-to-Cash Cycle: Definition, Berechnung und Optimierung im Einkauf
November 19, 2025
Der Cash-to-Cash Cycle ist eine zentrale Kennzahl im Working Capital Management, die die Zeit zwischen Geldausgabe für Rohstoffe und Geldeingang durch Verkäufe misst. Diese Metrik zeigt auf, wie effizient ein Unternehmen sein gebundenes Kapital verwaltet und beeinflusst maßgeblich die Liquidität. Erfahren Sie im Folgenden, wie der Cash-to-Cash Cycle berechnet wird, welche Optimierungsansätze existieren und wie Einkaufsabteilungen zur Verbesserung beitragen können.
Key Facts
- Berechnung: Days Inventory Outstanding + Days Sales Outstanding - Days Payable Outstanding
- Kürzere Zyklen bedeuten weniger gebundenes Kapital und bessere Liquidität
- Typische Werte variieren stark nach Branche (30-120 Tage)
- Einkauf kann durch Zahlungskonditionen und Lieferantenmanagement optimieren
- Direkter Einfluss auf Cashflow und Finanzierungskosten des Unternehmens
Inhalt
Definition und Bedeutung von Cash-to-Cash Cycle (Kennzahl)
Der Cash-to-Cash Cycle quantifiziert die Zeitspanne zwischen dem Geldabfluss für Materialeinkäufe und dem Geldeingang durch Kundenverkäufe.
Grundlegende Komponenten
Die Kennzahl setzt sich aus drei wesentlichen Elementen zusammen:
- Days Inventory Outstanding (DIO): Lagerhaltungsdauer
- Days Sales Outstanding (DSO): Forderungslaufzeit
- Days Payable Outstanding (DPO): Verbindlichkeitslaufzeit
Cash-to-Cash Cycle vs. Operating Cycle
Während der Operating Cycle nur DIO und DSO umfasst, berücksichtigt der Cash-to-Cash Cycle zusätzlich die Zahlungsaufschübe an Lieferanten. Dies macht ihn zur präziseren Kennzahl für das tatsächliche Working Capital Management.
Bedeutung im Einkauf
Einkaufsabteilungen beeinflussen den Cash-to-Cash Cycle direkt durch Verhandlung von Zahlungszielen, Lieferantenbewertung und Bestandsoptimierung. Eine strategische Beschaffung kann die Kapitalbindung erheblich reduzieren.
Messung, Datenbasis und Berechnung
Die Berechnung des Cash-to-Cash Cycle erfordert präzise Finanzdaten und eine systematische Herangehensweise zur Datenerfassung.
Berechnungsformel
Cash-to-Cash Cycle = DIO + DSO - DPO. Dabei werden alle Komponenten in Tagen ausgedrückt:
- DIO = (Durchschnittlicher Lagerbestand / Umsatzkosten) × 365
- DSO = (Durchschnittliche Forderungen / Umsatz) × 365
- DPO = (Durchschnittliche Verbindlichkeiten / Umsatzkosten) × 365
Datenquellen und -qualität
Verlässliche Berechnungen basieren auf aktuellen Bilanz- und GuV-Daten. ERP-Systeme liefern die notwendigen Informationen zu Lagerbeständen, Forderungen und Verbindlichkeiten. Die Three-Way-Match-Rate beeinflusst die Datenqualität erheblich.
Reporting und Monitoring
Regelmäßige Überwachung erfolgt meist monatlich oder quartalsweise. Dashboard-Lösungen ermöglichen Echtzeitanalysen und Trendverfolgung. Die Integration mit Spend-under-Management-Systemen verbessert die Aussagekraft.

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Interpretation & Zielwerte für Cash-to-Cash Cycle
Die Bewertung des Cash-to-Cash Cycle erfordert branchenspezifische Benchmarks und eine differenzierte Betrachtung der Einflussfaktoren.
Branchenspezifische Zielwerte
Fertigungsunternehmen erreichen typischerweise 60-90 Tage, während Handelsunternehmen oft 30-60 Tage anstreben. Negative Werte sind in schnelldrehenden Branchen möglich. Die Inventory Turns beeinflussen maßgeblich die Zielwerte.
Performance-Indikatoren
Verbesserungen von 5-10 Tagen jährlich gelten als ambitioniert aber erreichbar. Quartalsweise Schwankungen unter 15% zeigen stabile Prozesse. Die On-Time-Delivery sollte trotz Optimierung über 95% bleiben.
Monitoring und Steuerung
Trendanalysen über 12-24 Monate identifizieren strukturelle Verbesserungen. Segmentierte Betrachtung nach Produktgruppen ermöglicht gezielte Maßnahmen. Integration mit Servicegrad-Kennzahlen verhindert einseitige Optimierung.
Risiken, Abhängigkeiten und Gegenmaßnahmen
Die Optimierung des Cash-to-Cash Cycle birgt verschiedene Risiken, die durch geeignete Maßnahmen minimiert werden können.
Liquiditätsrisiken
Aggressive Optimierung kann zu Liquiditätsengpässen führen. Übermäßige Lagerreduzierung gefährdet die Termintreue und Lieferfähigkeit. Risikomanagement erfordert ausgewogene Pufferbestände und diversifizierte Finanzierungsquellen.
Lieferantenbeziehungen
Verlängerte Zahlungsziele können Lieferantenbeziehungen belasten und die Lieferabruf-Treue reduzieren. Kleinere Lieferanten sind besonders gefährdet. Transparente Kommunikation und faire Konditionen erhalten langfristige Partnerschaften.
Operative Abhängigkeiten
Starke Fokussierung auf Cycle-Optimierung kann operative Flexibilität einschränken. Saisonale Schwankungen und Marktvolatilität erfordern anpassungsfähige Strategien. Die Reklamationsquote kann durch Qualitätskompromisse steigen.
Praxisbeispiel
Ein Maschinenbauunternehmen reduzierte seinen Cash-to-Cash Cycle von 85 auf 65 Tage durch strategische Maßnahmen. Die Einkaufsabteilung verhandelte Zahlungsziele von 30 auf 45 Tage und implementierte ein Lieferantenbewertungssystem. Gleichzeitig optimierte das Unternehmen die Lagerhaltung durch bessere Bedarfsprognosen.
- DPO-Verlängerung um 15 Tage durch Zahlungszielverhandlungen
- DIO-Reduzierung um 8 Tage durch Bestandsoptimierung
- DSO-Verbesserung um 3 Tage durch effizienteres Forderungsmanagement
Aktuelle Entwicklungen und Auswirkungen
Digitalisierung und veränderte Marktbedingungen prägen die Evolution des Cash-to-Cash Cycle Managements in modernen Unternehmen.
Digitale Transformation
KI-gestützte Systeme optimieren automatisch Zahlungsströme und Lagerbestände. Predictive Analytics verbessern die Forecast Accuracy und reduzieren Kapitalbindung. Machine Learning identifiziert Optimierungspotenziale in Echtzeit.
Supply Chain Finance
Innovative Finanzierungslösungen wie Reverse Factoring verlängern Zahlungsziele ohne Lieferantenbelastung. Dynamic Discounting ermöglicht flexible Skontonutzung. Die Skontoquote wird dadurch strategisch steuerbar.
Nachhaltigkeit und ESG
ESG-Kriterien beeinflussen zunehmend Lieferantenauswahl und Zahlungskonditionen. Nachhaltige Beschaffung kann längere Cash-to-Cash Cycles rechtfertigen. Supplier Ratings integrieren verstärkt Nachhaltigkeitsaspekte neben finanziellen Kennzahlen.
Fazit
Der Cash-to-Cash Cycle ist eine zentrale Steuerungsgröße für effizientes Working Capital Management. Einkaufsabteilungen spielen durch Zahlungszielverhandlungen und Lieferantenmanagement eine Schlüsselrolle bei der Optimierung. Erfolgreiche Unternehmen balancieren Cycle-Verbesserungen mit operativer Stabilität und nachhaltigen Lieferantenbeziehungen. Die Digitalisierung eröffnet neue Optimierungsmöglichkeiten durch KI-gestützte Analysen und innovative Finanzierungslösungen.
FAQ
Was ist ein guter Cash-to-Cash Cycle Wert?
Ein guter Wert hängt stark von der Branche ab. Fertigungsunternehmen erreichen typischerweise 60-90 Tage, während Handelsunternehmen 30-60 Tage anstreben. Negative Werte sind bei schnelldrehenden Geschäftsmodellen möglich und zeigen sehr effizientes Working Capital Management.
Wie kann der Einkauf den Cash-to-Cash Cycle verbessern?
Der Einkauf optimiert den Cycle durch Verhandlung längerer Zahlungsziele, strategische Lieferantenauswahl und Bestandsmanagement. Skontooptimierung, Supply Chain Finance-Lösungen und verbesserte Bedarfsprognosen tragen ebenfalls zur Verbesserung bei.
Welche Risiken birgt eine aggressive Cycle-Optimierung?
Übermäßige Optimierung kann zu Liquiditätsengpässen, verschlechterten Lieferantenbeziehungen und reduzierten Sicherheitsbeständen führen. Dies gefährdet die Lieferfähigkeit und kann langfristig höhere Kosten verursachen als die eingesparten Finanzierungskosten.
Wie oft sollte der Cash-to-Cash Cycle gemessen werden?
Monatliche Messungen ermöglichen zeitnahe Steuerungsmaßnahmen, während quartalsweise Analysen für strategische Entscheidungen ausreichen. Kontinuierliches Monitoring durch Dashboard-Lösungen bietet die beste Transparenz für operative und strategische Entscheidungen.



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