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Einkaufslexikon

Backorder Rate: Kennzahl für Lieferfähigkeit und Bestandsmanagement

November 19, 2025

Die Backorder Rate ist eine zentrale Kennzahl im Beschaffungsmanagement, die den Anteil nicht sofort lieferbarer Bestellungen misst. Sie zeigt auf, wie häufig Artikel aufgrund von Lagerengpässen oder Lieferverzögerungen nicht verfügbar sind. Erfahren Sie im Folgenden, wie diese Kennzahl berechnet wird, welche Trends sie prägen und wie Sie Risiken minimieren können.

Key Facts

  • Misst den Prozentsatz der Bestellungen, die nicht sofort erfüllt werden können
  • Berechnung: (Anzahl Backorders / Gesamtanzahl Bestellungen) × 100
  • Typische Zielwerte liegen zwischen 2-5% je nach Branche
  • Direkter Indikator für Kundenzufriedenheit und Lieferfähigkeit
  • Beeinflusst Working Capital und Cashflow erheblich

Inhalt

Definition und Bedeutung von Backorder Rate (Kennzahl)

Die Backorder Rate quantifiziert die Häufigkeit von Lieferengpässen und ist ein kritischer Indikator für die Effektivität des Bestandsmanagements.

Grundlagen und Berechnung

Die Backorder Rate wird als Verhältnis zwischen nicht erfüllbaren Bestellungen und der Gesamtzahl aller Bestellungen berechnet. Sie erfasst sowohl vollständige als auch teilweise nicht lieferbare Aufträge.

  • Formel: (Backorders / Gesamtbestellungen) × 100
  • Zeitraumbezogene Messung (täglich, wöchentlich, monatlich)
  • Differenzierung nach Produktkategorien möglich

Backorder Rate vs. Fill Rate

Während die Fill Rate den Anteil sofort erfüllbarer Bestellungen misst, zeigt die Backorder Rate das Gegenteil auf. Beide Kennzahlen ergänzen sich und sollten gemeinsam mit der On-Time Delivery betrachtet werden.

Bedeutung im Einkauf

Eine hohe Backorder Rate signalisiert Schwächen in der Bedarfsplanung und kann zu Kundenunzufriedenheit führen. Sie beeinflusst direkt die Lead Time und erfordert präzise Abstimmung zwischen Einkauf und Lieferanten.

Messung, Datenbasis und Berechnung

Die systematische Erfassung der Backorder Rate erfordert präzise Datenquellen und standardisierte Berechnungsmethoden.

Datenerfassung und Systeme

ERP-Systeme liefern die Grundlage für die Backorder-Messung durch automatische Erfassung von Bestellstatus und Lieferterminen. Die Integration mit Lieferantensystemen ermöglicht Echtzeitüberwachung.

  • Automatische Statusaktualisierung bei Bestelleingängen
  • Kategorisierung nach Dringlichkeit und Produktgruppen
  • Historische Trendanalyse für Prognosen

Berechnungsvarianten

Je nach Geschäftsmodell können verschiedene Berechnungsansätze angewendet werden. Die Three-Way Match Rate unterstützt dabei die Datenqualität.

Reporting und Dashboards

Regelmäßige Berichte ermöglichen proaktive Steuerung und frühzeitige Identifikation kritischer Trends. Die Verknüpfung mit Servicegrad-Messungen schafft ganzheitliche Transparenz.

Tacto Intelligence

Vereint tiefes Einkaufswissen mit den leistungsstärksten KI-Agenten für einen starken Einkauf.

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Interpretation und Zielwerte für Backorder Rates

Die richtige Interpretation der Backorder Rate erfordert branchenspezifische Benchmarks und kontextuelle Analyse.

Branchenspezifische Zielwerte

Typische Backorder Rates variieren erheblich zwischen Industrien. Während Automobilzulieferer oft unter 1% anstreben, akzeptieren Einzelhändler Werte bis 5%.

  • Automotive: 0,5-1,5%
  • Einzelhandel: 2-5%
  • Industriegüter: 1-3%
  • Pharma/Medizin: unter 0,5%

Performance-Indikatoren

Die Backorder Rate korreliert stark mit der Termintreue und beeinflusst direkt die Kundenzufriedenheit. Kombinierte Betrachtung mit Inventory Turns optimiert das Working Capital.

Kontinuierliche Verbesserung

Monatliche Trendanalysen und Ursachenforschung ermöglichen systematische Optimierung. Die Integration mit Schedule Adherence-Messungen schafft ganzheitliche Transparenz über Lieferkettenperformance.

Risiken, Abhängigkeiten und Gegenmaßnahmen

Hohe Backorder Rates bergen erhebliche Geschäftsrisiken und erfordern systematische Risikominimierung.

Operative Risiken

Produktionsausfälle und Lieferverzögerungen können zu kritischen Backorder-Situationen führen. Die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten verstärkt diese Vulnerabilität erheblich.

  • Kundenverlust durch unzuverlässige Lieferungen
  • Erhöhte Expediting-Kosten und Notfallbeschaffung
  • Reputationsschäden bei kritischen Ausfällen

Finanzielle Auswirkungen

Backorders beeinflussen den Cash-to-Cash Cycle negativ und können zu Liquiditätsengpässen führen. Die Expedite Rate steigt proportional zu ungelösten Backorders.

Präventive Maßnahmen

Diversifizierte Lieferantenstrukturen und robuste Sicherheitsbestände reduzieren Backorder-Risiken. Regelmäßige Supplier Ratings ermöglichen frühzeitige Risikoidentifikation und proaktive Gegensteuerung.

Backorder Rate: Definition, Berechnung und Optimierung im Einkauf

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Praxisbeispiel

Ein Maschinenbauunternehmen reduzierte seine Backorder Rate von 8% auf 2% durch systematische Lieferantenbewertung und verbesserte Bedarfsprognosen. Durch die Implementierung eines automatisierten Frühwarnsystems werden kritische Bestände 14 Tage vor Unterschreitung der Mindestmenge identifiziert.

  • Einführung wöchentlicher Lieferanten-Scorecards
  • Automatisierte Bestellauslösung bei definierten Schwellenwerten
  • Quartalsweise Überprüfung der Sicherheitsbestände

Daten- und Markttrends zu Backorder Rates

Aktuelle Entwicklungen zeigen eine zunehmende Bedeutung präziser Backorder-Prognosen in volatilen Märkten.

Digitalisierung und KI-Integration

Künstliche Intelligenz revolutioniert die Backorder-Vorhersage durch maschinelles Lernen und Predictive Analytics. Algorithmen analysieren historische Muster und externe Faktoren für präzisere Prognosen.

  • Automatisierte Bestellauslösung bei kritischen Beständen
  • Lieferantenrisiko-Bewertung in Echtzeit
  • Saisonale und marktbasierte Anpassungen

Supply Chain Resilience

Globale Lieferkettenstörungen verstärken den Fokus auf robuste Backorder-Management-Strategien. Unternehmen diversifizieren Lieferantenportfolios und implementieren Minimum Order Quantity-Optimierungen.

Nachhaltigkeit und Effizienz

Umweltbewusstsein treibt die Entwicklung nachhaltiger Bestandsstrategien voran. Die Balance zwischen niedrigen Backorder Rates und minimalen Überbeständen wird durch verbesserte Forecast Accuracy erreicht.

Fazit

Die Backorder Rate ist eine unverzichtbare Kennzahl für erfolgreiches Beschaffungsmanagement und direkt mit der Kundenzufriedenheit verknüpft. Moderne Technologien wie KI-basierte Prognosen ermöglichen präzisere Vorhersagen und proaktive Steuerung. Unternehmen sollten branchenspezifische Zielwerte definieren und kontinuierliche Verbesserungsprozesse etablieren, um Wettbewerbsvorteile zu sichern.

FAQ

Was ist eine akzeptable Backorder Rate?

Eine akzeptable Backorder Rate hängt von der Branche ab. Während kritische Industrien wie Medizintechnik unter 0,5% anstreben, können Einzelhändler Werte bis 5% tolerieren. Entscheidend ist die Balance zwischen Servicegrad und Bestandskosten.

Wie unterscheidet sich Backorder Rate von Stockout Rate?

Die Backorder Rate misst nicht erfüllbare Bestellungen, während die Stockout Rate die Häufigkeit leerer Lagerbestände angibt. Backorders können auch bei vorhandenem Bestand auftreten, wenn die verfügbare Menge nicht ausreicht.

Welche Systeme unterstützen die Backorder-Messung?

ERP-Systeme wie SAP oder Oracle bieten integrierte Backorder-Tracking-Funktionen. Spezialisierte Supply Chain Management-Tools ermöglichen erweiterte Analysen und Prognosen für proaktives Bestandsmanagement.

Wie beeinflusst die Backorder Rate die Kundenzufriedenheit?

Hohe Backorder Rates führen direkt zu Lieferverzögerungen und beeinträchtigen die Kundenzufriedenheit erheblich. Studien zeigen, dass bereits 3% Backorder Rate zu messbaren Kundenverlusten führen können, besonders in wettbewerbsintensiven Märkten.

Backorder Rate: Definition, Berechnung und Optimierung im Einkauf

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