ROHSTOFFPREISE

Stahlpreis aktuell: Preis, Entwicklung & Prognose 2026

27.04.2026

Aktueller Stahlpreis auf Basis des HRC-Referenzpreises (Hot Rolled Coil) in Nordeuropa — mit Trendanalyse zum neuen EU-Schutzregime (Trilog-Beschluss vom 13. April, Anwendung ab 1. Juli 2026), CBAM-Effekten auf Import-Coils, dem Spread zwischen Mühlenforderung (720–750 €/t) und Marktrealität (695–720 €/t) sowie Hormuz-bedingten Energiekosten. Einkaufsempfehlungen für DACH-Beschaffung.

LEITINDIKATOR WARMBAND (HRC), NORDEUROPA
708,75
€/t
Northern Europe HRC ex-works · 23. April 2026
1 Monat
−0,7 %
3 Monate
+10,3 %
12 Monate
+12,5 %
Quelle: Fastmarkets Daily NE HRC Index, Argus NW EU HRC, Platts ex-works Ruhr · Stand 23. April 2026
PRODUKT
SPOTPREIS
VERÄNDERUNG
QUELLE

Die aktuelle Preisbewegung ist nicht auf Warmband begrenzt. Auch Kaltband und verzinkte Flachstähle ziehen an. Das spricht für einen breiteren Aufwärtstrend im europäischen Flachstahlmarkt.

AUF EINEN BLICK

  • EU-Trilog am 13. April abgeschlossen — Klarheit, aber keine sofortige Entlastung. Rat und EP haben sich auf das Nachfolgeregime geeinigt: 18,3 Mio. Tonnen zollfreies Kontingent, 50 % Out-of-Quota-Tarif, 30 Produktkategorien, Melt-and-Pour-Regel. Anwendung ab 1. Juli 2026. Bis dahin warten viele Käufer auf die landesspezifischen Quotenzuteilungen — der HRC-Markt steht weitgehend still, Fastmarkets NE-Index am 23. April bei 708,75 €/t.
  • Werksforderungen 720–750 €/t für Juli, Spotrealität 700–720 €/t — die Lücke ist Ihr Verhandlungsraum. Platts-Ruhr-Notierung am 22. April: 705 €/t (−5 €/t Tagesvergleich). Ein 25.000-Tonnen-Deal in Benelux wurde Mitte April bei 680 €/t ex-works abgeschlossen. Italienische Werks-Tradables liegen bei 695–700 €/t. Die Differenz zwischen Listenforderung und tatsächlich bezahlten Preisen war selten größer.
  • Importrechnung verschiebt sich — CBAM verteuert Türkei/Algerien-Coils um 40–100 €/t. CFR-Italien-Angebote aus der Türkei und Algerien liegen bei 610–640 €/t; mit CBAM-Zertifikatskosten von 40–50 €/t (gemessene Emissionen) bzw. ~100 €/t (Default-Werte) landet die Importware effektiv bei 650–740 €/t. Die Importprämie schmilzt — und die EC hat zusätzlich eine neue Antidumping-Untersuchung gegen kaltgewalzte Flachstähle aus Indien, Japan, Taiwan, Türkei und Vietnam eröffnet (Dumpingmargen 10–50 %).

Was treibt den Preis gerade?

Der europäische HRC-Markt steht in der zweiten Aprilhälfte 2026 zwischen drei harten Datenpunkten: dem am 13. April abgeschlossenen EU-Trilog zum neuen Stahl-Schutzregime, dem fortgesetzten Importdruck aus der Türkei und Nordafrika trotz CBAM-Verteuerung, und einer real schwachen Nachfrage aus Maschinenbau und Automobilindustrie. Hinzu kommt die anhaltende Hormuz-Krise, die LNG-Versorgung Europas seit Anfang März um über 300 Mio. m³ pro Tag reduziert hat und Strom- bzw. Gaskosten europäischer Stahlwerke unter Druck setzt. Der Fastmarkets-Tagesindex für HRC Nordeuropa lag am 23. April bei 708,75 €/t — etwa 10 € unter dem Niveau von Mitte April und damit ein klarer Abdrift gegenüber den Mühlenforderungen für Juli-Lieferungen.

EU-Trilog: Politische Einigung am 13. April, Anwendung ab 1. Juli 2026

Rat und Europäisches Parlament haben sich am 13. April auf das Nachfolgeregime der Stahlsicherungsklausel geeinigt. Die Eckpunkte: ein zollfreies Kontingent von 18,3 Mio. Tonnen pro Jahr (rund −47 % gegenüber 2024), ein Out-of-Quota-Tarif von 50 %, 30 Produktkategorien, eine Melt-and-Pour-Regel zur Eindämmung von Umgehung über Drittstaaten, und eine quartalsweise Übertragbarkeit ungenutzter Kontingente im ersten Anwendungsjahr. Die Verordnung wird voraussichtlich Anfang Juni formell verabschiedet und tritt am 1. Juli 2026 in Kraft. EUROFER hat den Beschluss als „major leap forward" für den Schutz von über 200.000 Arbeitsplätzen begrüßt; Bruegel und Teile des EP haben Vergeltungsrisiken und Friktionspotenzial im nachgelagerten Stahlverbrauch (Maschinenbau, Automobil, Bau) angemahnt.

Was das für den Preis bedeutet: Die Klarheit ist da, die Wirkung erst ab Juli. Bis dahin sitzen viele Käufer auf der Hand — die Quoten-Zuteilung pro Herkunftsland ist noch offen, und kein Einkäufer will Spotware buchen, deren Importkonkurrenz in zehn Wochen plötzlich teurer wird. Genau dieser Stillstand ist der Grund, warum die Notierungen seit Mitte April leicht nachgegeben haben.

Mühlenforderungen vs. Marktrealität: 720–750 €/t als Listenpreis, 695–720 €/t in Abschlüssen

ArcelorMittal und andere Nordeuropa-Werke fordern für Juli-Lieferung 720–750 €/t ex-works — gestützt durch das kommende Schutzregime und das Argument höherer Energiekosten. Die Marktdaten zeigen ein anderes Bild: Platts notierte HRC ex-works Ruhr am 22. April mit 705 €/t (−5 €/t im Tagesvergleich), italienische Tradables lagen bei 695–700 €/t, und ein 25.000-Tonnen-Deal in der Benelux-Region wurde Mitte April bei 680 €/t ex-works abgeschlossen. Anders gesagt: Wer Q2-Volumen im Block bewegt und mit Importalternativen verhandelt, holt Listenpreise nach unten. Wer auf Werksbasis ohne Volumen verhandelt, zahlt 705–720 €/t.

Importdruck mit CBAM-Reibung: Türkei/Algerien bleiben günstig — aber die Lücke schmilzt

Türkische und algerische HRC-Coils wurden Anfang April mit 610–640 €/t CFR Italien angeboten. Seit dem 1. Januar 2026 ist CBAM in der Anwendungsphase: Importeure müssen Zertifikate für die eingebetteten CO₂-Emissionen kaufen. Bei türkischen Coils mit gemessenen Emissionswerten kostet das ca. 40–50 €/t; bei Default-Werten (für Lieferanten ohne validierte Emissionsdaten) etwa 100 €/t. Die effektiven Landkosten in der EU liegen damit zwischen 650 €/t (Türkei mit Messdaten) und 740 €/t (Algerien mit Default-Werten). Die Importprämie ist nicht weg — aber sie ist deutlich kleiner als 2024, und das Importlandschaftsrisiko durch das Juli-Schutzregime kommt obendrauf.

Parallel hat die EC eine neue Antidumping-Untersuchung gegen kaltgewalzte Flachstähle aus Indien, Japan, Taiwan, Türkei und Vietnam eröffnet (Dumpingmargen 10–50 % laut EUROFER-Beschwerde). Wer Kaltband importiert, sollte Vorlauf und Verfahrensrisiko in den Vertrag schreiben.

Nachfrage: Maschinenbau −6 %, Automobil schwach, EUROFER erwartet +3,4 % Stahlverbrauch 2026

Die Nachfrageseite ist der eigentliche Bremsklotz. Der VDMA meldet für April 2026 einen realen Auftragsrückgang im deutschen Maschinen- und Anlagenbau von −6 % gegenüber dem Vorjahresmonat — sektoreller Rückenwind aus US-Zollunsicherheit. Die Automobilproduktion in Deutschland soll laut VDA 2026 leicht um 1 % auf 4,11 Mio. Einheiten sinken; europaweit erwartet EUROFER einen Anstieg der scheinbaren Stahlverbrauchsnachfrage um +3,4 % in 2026, allerdings ausgehend von einer historisch niedrigen Basis. Sprich: Die Trade-Maßnahmen stützen den Preis von der Angebotsseite, die Nachfrage drückt von unten — daraus entsteht das aktuelle Seitwärtsband.

Hormuz-Effekt: Energiekostendruck auf europäische Werke bleibt real

Die anhaltende Hormuz-Krise hat die LNG-Lieferungen aus Katar und den VAE seit dem 1. März um über 300 Mio. m³ pro Tag reduziert (IEA, ECFR). Europa bezieht 12–14 % seines LNG durch die Straße von Hormus. Die EC hat am 20. April bestätigt, dass keine unmittelbare Versorgungsgefährdung besteht, aber die Spotpreise auf TTF reagieren. Stahlwerke sind Großverbraucher: Ein Anstieg der industriellen Stromkosten um 5–10 €/MWh schlägt bei Hochofen-Routen mit ca. 4–8 €/t auf die Stahlkosten durch, bei Elektrolichtbogenöfen mit ca. 15–25 €/t. Das ist real, aber kalibrierbar — und sollte im Verhandlungsgespräch sauber von pauschalen „Krisenzuschlägen" getrennt werden.

HKM-Konsolidierung: Salzgitter übernimmt zum 1. Juni 2026

Bereits Anfang Februar haben thyssenkrupp Steel und Salzgitter ein Eckpunktepapier vereinbart, nach dem Salzgitter ab 1. Juni 2026 alleiniger Gesellschafter der Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) wird. thyssenkrupp Steel verkauft seinen 50 %-Anteil; Vallourec gibt seine 10 % ab. Lieferungen von HKM an thyssenkrupp Steel laufen Ende 2028 aus (statt wie ursprünglich geplant Ende 2032). Für Einkäufer relevant: Die Kapazitätsallokation und Lieferantenstruktur der Duisburger Schiene wird sich in den nächsten 12–24 Monaten ändern — Verträge mit Mehrjahreshorizont sollten Wechselklauseln und Reset-Punkte enthalten.

Wo sich die Bewegung konkret zeigt

Norddeutschland und Benelux: Spotrealität 695–720 €/t ex-works. Werksforderungen 720–750 €/t bleiben für Volumendeals nicht durchsetzbar — der Benelux-25.000-Tonnen-Abschluss bei 680 €/t ist der Beleg.

Süddeutschland und Italien: Italienische Tradables 695–700 €/t. Importkonkurrenz aus Türkei/Algerien bei effektiv 650–740 €/t (CFR + CBAM) — gut genug, um Mühlenforderungen unter Druck zu halten.

Q3- und Langzeitkontrakte: Werke versuchen, July-Lieferungen mit Bezug auf das Schutzregime in den Bereich 730–750 €/t zu schieben. Käufer sollten nicht ohne Reset-Klauseln auf das Niveau zugehen, solange die landesspezifischen Quotenzuteilungen nicht öffentlich sind.

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Was heißt das konkret für den Einkauf in DACH?

Die Klarheit aus dem Trilog ist Ihr neuer Verhandlungsanker — aber der Effekt setzt erst zum 1. Juli ein.

Mit dem Trilog-Beschluss vom 13. April ist das Verhandlungsumfeld für H2 2026 deutlich kalkulierbarer: 18,3 Mio. Tonnen zollfreies Kontingent, 50 % Out-of-Quota-Tarif, Melt-and-Pour, ab 1. Juli aktiv. Bis dahin gilt das alte Sicherungsregime weiter — der Markt steht in einer Übergangsphase. Praktisch heißt das: Q2-Volumen können Sie noch zu Preisen verhandeln, die unter den Mühlenforderungen liegen, weil die Werke wissen, dass das Schutzregime erst ab Juli wirkt. Q3-Verträge dagegen werden mit Verweis auf das neue Regime aggressiv hochpreisig angeboten. Trennen Sie die zwei Verhandlungen sauber.

Der Spread zwischen Listenpreis (720–750 €/t) und Marktpreis (695–720 €/t) ist Ihr unmittelbarer Hebel.

Mühlenangebote für Juli-Lieferung liegen bei 720–750 €/t ex-works, Platts-Ruhr-Notierung am 22. April bei 705 €/t, italienische Werks-Tradables bei 695–700 €/t, ein bestätigter 25.000-Tonnen-Deal in Benelux bei 680 €/t. Das ist kein Zufallsstreuband — das ist die Realität, dass Werke für Listenpreise ankern und für Volumen abrücken. Wer mit verifizierbaren Marktreferenzen (Platts, Argus, Fastmarkets) in die Verhandlung geht und Volumen bündelt, holt 25–55 €/t aus dem Spread. Ohne Volumen und ohne Referenz: zahlen Sie Listenpreis.

CBAM hat die Importprämie verkleinert — aber nicht eliminiert. Rechnen Sie sie sauber durch.

Türkische HRC-Coils CFR Italien bei 610–640 €/t klingen weiterhin günstig — aber die echte Vergleichszahl sind die effektiven Landkosten in der EU. Mit CBAM-Zertifikaten von 40–50 €/t bei Lieferanten mit gemessenen Emissionsdaten und ca. 100 €/t bei Default-Werten landet türkische Importware bei 650–740 €/t. Algerien je nach Datenlage 660–740 €/t. Das Delta zur europäischen Ware (695–720 €/t) ist 5–70 €/t — und schmilzt weiter, wenn das neue Schutzregime im Juli die Quoten kürzt. Importnutzung lohnt heute nur dort, wo (a) der Lieferant validierte CBAM-Daten liefert, (b) Lieferzeit und Logistik zur eigenen Disposition passen, und (c) das Vertragswerk Quotenrisiko auf Lieferantenseite legt. Sonst ist europäische Spot-Ware im Q2 oft die ruhigere Option.

Trennen Sie Energiekosten-Argumente von pauschalen „Krisenzuschlägen".

Lieferanten werden mit Hormuz, LNG-Engpass und Strompreis als Zuschlagsbegründung kommen. Das ist real: Die LNG-Lieferung durch Hormus ist seit März um über 300 Mio. m³/Tag eingebrochen, TTF-Spotpreise haben reagiert. Aber die Übertragung auf den Stahlpreis ist messbar: Bei Hochofen-Routen ca. 4–8 €/t pro 5 €/MWh Strompreissteigerung, bei Elektrolichtbogenöfen 15–25 €/t. Lassen Sie sich die Berechnung zeigen — Stromvertrag, Verbrauchsprofil, Transmissionsfaktor. Pauschale „Krisenzuschläge" ohne nachvollziehbare Herleitung sind Margen-Verschiebung, kein Kostendurchgang.

Antidumping auf Kaltband: Vorlauf und Verfahrensrisiko vertraglich absichern.

Die EC hat eine Antidumping-Untersuchung gegen kaltgewalzte Flachstähle aus Indien, Japan, Taiwan, Türkei und Vietnam eröffnet — Dumpingmargen laut EUROFER-Beschwerde 10–50 %. Wer Kaltband aus diesen Herkunftsländern bezieht, sollte für laufende und neue Verträge: (a) Verfahrensstand monatlich prüfen, (b) Preisanpassungsklauseln für nachträgliche Antidumpingzölle aufnehmen, (c) Substitutionsoptionen mit europäischen Werken parallel halten. Die EC veröffentlicht bei vorläufigen Maßnahmen typischerweise mit 7–9 Monaten Vorlauf — bei einer August-Beschwerde realistisch Q1 2027 für vorläufige Zölle.

HKM-Konsolidierung: Mehrjahresverträge brauchen Wechselklauseln.

Salzgitter übernimmt HKM zum 1. Juni 2026, Lieferungen an thyssenkrupp Steel laufen Ende 2028 aus. Die Kapazität in Duisburg wird sich in der Allokation verschieben. Wenn Sie Mehrjahresverträge mit Werken haben, die HKM-Vorprodukte verarbeiten, sollten die Verträge: (a) Lieferantenwechsel- und Schadensersatzregeln, (b) Volumen-Reset-Punkte zum 1. Juni 2026 und 1. Januar 2029, und (c) Qualitätsspecs unabhängig vom Vorprodukt-Werk enthalten. Heute gewünschte Klauseln sind in 18 Monaten kaum nachverhandelbar.

Was in Verhandlungen aktuell plausibel ist und was Sie getrennt prüfen sollten

Plausibel und nachprüfbar: (a) Strompreis-Transmission aus dem TTF-Anstieg seit März, mit konkreter Berechnung; (b) CBAM-Zertifikatskosten als gesetzliche Pflicht ab 1. Januar 2026; (c) Trade-Regime-Effekt ab 1. Juli 2026 mit dem konkreten Out-of-Quota-Tarif von 50 % als Bezugsgröße; (d) Nachfrageschwäche aus Maschinenbau (VDMA −6 % April YoY) als Argument für Käuferseite.

Getrennt prüfen: pauschale „Hormuz-Zuschläge" oder „Trade-Risikomargen" ohne Berechnung; Werks-Listenpreise von 720–750 €/t als Referenz für Q2-Spotware; CBAM-Zuschläge ohne Vorlage des Lieferanten-Emissionsberichts.

Einordnung

Der HRC-Markt liegt in einem engen Band 695–720 €/t Spot, mit Werksforderungen darüber und Importsubstitution darunter. Die Trilog-Klarheit drückt nicht sofort, sondern erst ab Juli. Bis dahin: Volumen bündeln, mit Marktreferenz verhandeln, Q3-Verträge mit Reset-Punkten oder Indexbindung statt fester Werkspreise abschließen. Der HRC-Preis von 708,75 €/t ist wahrscheinlich Boden des aktuellen Bands — aber die Aufwärtsbewegung kommt erst, wenn die Quoten-Zuteilung bekannt ist und Käufer die Wartelücke schließen müssen.

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Basisszenario

695 bis 730 €/t für HRC Nordeuropa

Basis: Markt verharrt bis Anfang Juni in einem engen Band, weil Käufer auf die landesspezifischen Quotenzuteilungen warten und Werke ihre Juli-Forderungen nicht durchsetzen können. Treiber: (1) Trilog-Beschluss vom 13. April mit 18,3 Mio. t Quote und 50 % Out-of-Quota-Tarif, Anwendung ab 1. Juli; (2) Spotrealität bei 695–720 €/t (Platts Ruhr, Italien, Benelux), Listenforderungen bei 720–750 €/t ohne Marktvalidierung; (3) Importrechnung Türkei/Algerien effektiv 650–740 €/t inkl. CBAM, also nahe an europäischer Ware; (4) Nachfrage schwach (VDMA −6 %, Auto −1 %), aber stabil — keine zusätzliche Abwärtsdynamik. Erwartung für die nächsten 4–6 Wochen: 695–730 €/t mit leichter Aufwärtsverzerrung gegen Quartalsende, sobald die Quotenzuteilung publiziert wird.

Risikoszenario

665 bis 695 €/t für HRC Nordeuropa

Abwärtsrisiko: Wenn die Quoten-Zuteilung pro Herkunftsland großzügig ausfällt oder spät kommt, holen Türkei/Algerien-Importeure den verbliebenen Vorsprung schnell auf — und die Werke müssen Juli-Forderungen real um 30–50 €/t reduzieren. Zusätzlich: Wenn der Maschinenbau-Auftragseingang im Mai/Juni weiter rückläufig ist (VDMA −6 % im April war bereits enttäuschend), verstärkt sich die Nachfrageschwäche. Hormuz-Effekt auf Energiekosten kann Stahlmargen drücken, ohne dass Werke die Last über Preise weitergeben können. Realistischer Tiefpunkt 665–680 €/t, falls Spot-Liquidität wieder stärker wird und Importware ohne Quotenrisiko verfügbar bleibt. Bruegel-Warnung vor Vergeltungsmaßnahmen bleibt offene Flanke.

Häufig gestellte Fragen

Wie kalkuliere ich CBAM-Kosten bei Stahlimporten ein?
+

Seit Januar 2026 müssen Importeure für Stahl CBAM-Zertifikate erwerben, die den CO₂-Fußabdruck der Produktion abbilden. Die Kosten hängen vom Herkunftsland, der tatsächlichen Emissionsintensität und dem aktuellen EU-ETS-Preis ab. Für eine vollständige Importkalkulation reicht es nicht mehr, nur den Basispreis zu vergleichen. Sie müssen CBAM-Zertifikatskosten, Dokumentationsaufwand, Quotenverfügbarkeit unter dem neuen Schutzinstrument ab Juli 2026 und das Risiko längerer Transitzeiten einrechnen. In vielen Fällen ist das nominell günstigere Drittlandsangebot nach Gesamtkostenrechnung nicht mehr die wirtschaftlich bessere Alternative.

Warum unterscheiden sich HRC-, CRC- und HDG-Preise so stark?
+

HRC (Warmband) ist das Basismaterial. Kaltband (CRC) erfordert einen zusätzlichen Walzschritt und liegt deshalb typischerweise 80 bis 130 €/t über HRC. Feuerverzinkter Flachstahl (HDG) kommt nochmals mit einem Beschichtungsaufschlag. Im aktuellen Markt steigen CRC- und HDG-Preise teils schneller als HRC, weil knappe Verfügbarkeit und höhere Energiekosten bei den Folgeprodukten stärker durchschlagen. Für die Verhandlung heißt das: Nicht jede Stahlpreiserhöhung trifft alle Produkte gleich, und eine Aufschlüsselung nach Basispreis, Produktaufschlag und Energiekomponente ist der wichtigste Hebel gegen pauschale Forderungen.

Woran erkenne ich, ob eine Preiserhöhung marktgetrieben oder opportunistisch ist?
+

Eine saubere Prüfung beginnt mit drei Fragen: Steigt der relevante Marktindikator? Ziehen die von Ihnen tatsächlich gekauften Folgeprodukte mit? Und passt die Forderung des Lieferanten zu den aktuellen Angebotsniveaus im Markt? Wenn nur einer dieser drei Punkte fehlt, lohnt sich Gegenwehr.

Wann ist eine Importalternative unter CBAM und Safeguard noch belastbar?
+

Nur dann, wenn der Vergleich nicht beim Basispreis endet. Seit 2026 zählen bei Importen stärker als früher CO₂-Kosten, Autorisierung, Quotenlogik, Lieferzeit und Risiko. Für viele Beschaffungssituationen ist der rechnerisch günstigere Preis nicht mehr automatisch die bessere Verhandlungsalternative.

Wie belastbar ist HRC als Referenz, wenn ich vor allem HDG oder CRC einkaufe?
+

HRC bleibt der wichtigste Leitindikator für europäischen Flachstahl. Für die Verhandlung ist aber entscheidend, wie sich die Lücke zu Kaltband- und Verzinkungsaufschlägen verändert. Genau dort zeigt sich, ob Preisforderungen sachlich begründet sind oder ob zusätzliche Marge mittransportiert wird.

LEITINDIKATOR WARMBAND (HRC), NORDEUROPA
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€/t
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