ROHSTOFFPREISE
Kupferpreis aktuell: Preis, Entwicklung und Prognose 2026
06.07.2026
Aktueller Kupferpreis auf LME-Cash-Basis (13.298,50 US$/t per 3. Juli, rund 4,5 Prozent unter dem Anfang-Juni-Niveau). Trendanalyse zur Übergabe des Section-232-Folgeberichts zu raffiniertem Kupfer am 30. Juni (Empfehlung: 15 Prozent ab 2027, 30 Prozent ab 2028; Entscheidung offen), zum Abbau der LME-Bestände auf 318.900 t (minus 18 Prozent seit Ende Mai), zur ICSG-Bilanz (Überschuss 96.000 t für 2026) und zur El-Teniente-Beschränkung. Szenarien und Einkaufsempfehlungen für industrielle Beschaffung in DACH.
Preisverlauf
Der LME-Preis ist der globale Benchmark. Für reale Einkaufspreise kommen Umformung, Halbzeuglogik, Lieferantenaufschläge, Logistik und gegebenenfalls Währung hinzu.
AUF EINEN BLICK
- LME Kupfer Cash per 3. Juli bei 13.298,50 US$/t, rund 4,5 Prozent unter dem Anfang-Juni-Niveau; die Hormuz-Risikoprämie ist abgebaut, die Zollfrage hält den Markt in Wartestellung.
- Der Section-232-Folgebericht zu raffiniertem Kupfer wurde am 30. Juni fristgerecht an den Präsidenten übergeben; empfohlen ist die Staffel 15 Prozent ab Januar 2027, 30 Prozent ab Januar 2028. Die Entscheidung ist offen.
- LME-Bestände fallen auf 318.900 t, minus 18 Prozent seit dem Hoch von Ende Mai; die Umleitung von Material in die USA hält an.
- ICSG bestätigt den Überschuss von 96.000 t für 2026; das Einstiegsfenster für H2-Mengen ist offen, aber nur mit Zoll-Anpassungsklausel.
Inhalt
Was treibt den Preis gerade?
Das US-Handelsministerium hat den Section-232-Folgebericht zu raffiniertem Kupfer am 30. Juni fristgerecht an den Präsidenten übergeben. Auf dem Tisch liegt die gestaffelte Zollempfehlung: 15 Prozent ab Januar 2027, 30 Prozent ab Januar 2028. Einen Zeitrahmen für die Entscheidung gibt es nicht. Der Markt hat die Übergabe ohne Ausschlag verarbeitet: LME Kupfer Cash notiert per 3. Juli bei 13.298,50 US$/t, rund 4,5 Prozent unter dem Anfang-Juni-Niveau und gut 400 US$/t unter dem Stand von Mitte Juni.
Sichtbar ist die Anspannung weniger im Preis als in den Beständen. Die LME-Bestände sind auf 318.900 t gefallen, nach rund 389.000 t Ende Mai, ein Abbau von 18 Prozent in fünf Wochen mit täglichen Abflüssen bis zuletzt. Die Umleitung von Material in die USA vor einer möglichen Zollentscheidung hält an, und die 50 Prozent auf Halbzeug sowie 25 Prozent auf kupferintensive Derivate gelten ohnehin seit dem 6. April.
Auf der Angebotsseite bleibt Chile der Engpassfaktor: El Teniente bleibt nach dem Unfall vom Juli 2025 für Jahre auf rund 301.000 t pro Jahr beschränkt, und Cochilco hat die Jahresschätzung für 2026 auf 5,75 Mio. t gesenkt. Dem steht die ICSG-Bilanz vom April gegenüber, die für 2026 einen Überschuss von 96.000 t und für 2027 von 377.000 t sieht. Die Gesamtbilanz ist entspannt, die physische Lage nicht.
Für Europa bleibt die Lage zweigeteilt: Die Verfügbarkeit ist durch umgeleitete US-Ware gut, der Preis liegt deutlich unter dem COMEX-Rekordniveau vom Mai. Dieses Fenster ist an die ausstehende Entscheidung gekoppelt. Bestätigt der Präsident die Staffel, wird die Umleitung zum Regelfall und die globale Handelsstruktur verschiebt sich dauerhaft.
Worauf wir achten: Timing und Wortlaut der Präsidentenentscheidung sowie das Tempo des LME-Bestandsabbaus im Juli.
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Was heißt das konkret für den Einkauf in DACH?
Nutzen Sie das aktuelle Niveau für H2-Mengen, aber nur mit Anpassungsklausel für die ausstehende Section-232-Entscheidung. Der Bericht liegt beim Präsidenten; ein Vertrag ohne definierten Umgang mit diesem Ereignis trägt das volle Risiko einer Neubepreisung.
Binden Sie den Metallzuschlag an das LME-Monatsmittel mit 5-Tage-Mittelung statt an einen Stichtag. Bei Tagesbewegungen von 100 bis 300 US$/t gibt die Mittelung das Kursrisiko an die Notierung zurück, an der es entsteht.
Weisen Sie Metallzuschlag und Konfektionierung getrennt aus. Der fallende LME-Bestand wird in den kommenden Wochen als Argument für höhere physische Prämien auftauchen; verhandelbar ist das nur, wenn der Metallanteil sauber isoliert ist.
Lassen Sie sich von der ICSG-Überschussprognose nicht zu Fixpreisen verleiten. Die Bilanz ist mittelfristig entspannt, aber die Kombination aus Zollunsicherheit, El-Teniente-Beschränkung und fallenden LME-Beständen kann den Preis kurzfristig deutlich über das heutige Niveau tragen.
Kupferpreis Prognose: Einschätzung unseres Procurement Intelligence Teams
Basisszenario
In dieser Spanne, solange die Präsidentenentscheidung aussteht. (1) Die Empfehlung gestaffelter Zölle liegt seit dem 30. Juni beim Präsidenten und hält den Markt in Wartestellung, (2) das ICSG-Update (Überschuss 96.000 t für 2026, 377.000 t für 2027) nimmt dem Markt mittelfristig den Boden, (3) fallende LME-Bestände (minus 18 Prozent seit Ende Mai) und die strukturelle El-Teniente-Beschränkung halten die physische Lage eng. Die Umleitung US-gebundener Ware entlastet Europa weiterhin.
Risikoszenario
Der Präsident bestätigt den gestaffelten Zoll auf raffiniertes Kupfer; ein eskalierender chilenischer Förderausfall; chinesischer Stimulus; eine erneute Eskalation am Golf nach Irans Absage direkter Gespräche am 30. Juni. Wahrscheinlichkeit 25 bis 30 Prozent über die nächsten drei Monate.
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Häufig gestellte Fragen
Er ist strukturell, nicht zyklisch. Codelco hat gegenüber Reuters bestätigt, dass El Teniente nach dem Rockburst-Unfall vom Juli 2025 für rund fünf Jahre auf 301.000 t pro Jahr beschränkt bleibt, gegenüber 356.000 t in 2024. Das sind rund 55.000 t weniger pro Jahr aus einer einzelnen Mine. Das ICSG sieht für 2026 zwar einen leichten Überschuss von 96.000 t (im April revidiert von einem Defizit von 150.000 t), aber einzelne Ausfälle dieser Größenordnung halten die physische Lage eng, zumal Cochilco die chilenische 2026er-Produktion auf 5,75 Mio. t gesenkt hat. Für Verträge, die H2 2026 oder 2027 abdecken, gehört eine Überprüfungsklausel hinein, die an LME-Niveau und Konzentratverfügbarkeit gekoppelt ist.
Darauf, ob sie sich tatsächlich parallel zum Rohstoffmarkt bewegen oder ob sie losgelöst davon steigen. Gerade bei hohen LME-Niveaus lohnt sich die saubere Trennung zwischen Metallwert und Verarbeitung, weil sonst ein Rohstoffanstieg doppelt monetarisiert wird.
Dann, wenn der Rohstoffanteil hoch ist und die Marktbewegung schnell in die Kalkulation einläuft. Im aktuellen Umfeld sind klare Indexklauseln mit definierter Reset-Logik oft belastbarer als Fixpreise, in denen Lieferanten ihre Unsicherheit über verdeckte Risikoprämien einpreisen.
Differenziert. LME-Bestände liegen aktuell bei rund 319.000 t (per 3. Juli), minus 18 Prozent seit Ende Mai, teils russischer oder chinesischer Herkunft, die viele westliche Konsumenten nicht beziehen wollen. COMEX-Bestände dagegen sind durch die Section-232-Effekte hoch, weil physisches Material in die USA gezogen wurde. Hohe Lagerbestände sind also kein Entlastungssignal, wenn sie am falschen Ort liegen oder ungeeignet sind. Auf der Bilanzseite hat das ICSG seine 2026er-Prognose im April auf einen Überschuss von 96.000 t revidiert, von einem Defizit von 150.000 t im Oktober 2025. Dem stehen einzelne Minenausfälle gegenüber, etwa Codelco El Teniente mit rund minus 55.000 t pro Jahr für etwa fünf Jahre. Solange die Zollunsicherheit und solche Ausfälle bestehen, kann Kupfer trotz entspannter Gesamtbilanz auf hohem Niveau bleiben.


