ROHSTOFFPREISE
Kupferpreis aktuell: Preis, Entwicklung und Prognose 2026
03.08.2026
Aktueller Kupferpreis auf LME-Cash-Basis (13.834,00 US$/t per 31. Juli). Trendanalyse zu Chiles Juni-Erholung (INE plus 5,1 Prozent, Codelco plus 17 Prozent, Escondida rund ein Drittel unter Vorjahr), zur weiter offenen Section-232-Entscheidung bei seit 30. Juli geltender Schmelz- und Gussland-Meldepflicht und zum LME-Bestandsabbau unter 250.000 t. Szenarien und Einkaufsempfehlungen für industrielle Beschaffung in DACH.
Preisverlauf
Der LME-Preis ist der globale Benchmark. Für reale Einkaufspreise kommen Umformung, Halbzeuglogik, Lieferantenaufschläge, Logistik und gegebenenfalls Währung hinzu.
AUF EINEN BLICK
- LME Kupfer Cash schließt am 31. Juli bei 13.834,00 US$/t, plus 3,7 Prozent gegenüber Ende Juni und nur knapp unter dem Juli-Hoch vom 22. Juli (13.895,00 US$/t).
- Chiles Statistikamt INE meldet Ende Juli für Juni 447.294 t, plus 5,1 Prozent gegenüber Vorjahr nach minus 12,9 Prozent im Mai; Codelco liefert rund 120.200 t (plus 17 Prozent), Escondida liegt rund ein Drittel unter Vorjahr.
- LME-Bestände fallen auf 249.850 t, erstmals seit Ende Februar unter 250.000 t und minus 36 Prozent seit Ende Mai; die Umleitung von Material in die USA hält an.
- Section 232: Die Entscheidung zu Raffinadekupfer bleibt fünf Wochen nach der Frist offen; die Schmelz- und Gussland-Meldepflicht für Draht- und Kabelimporte ist seit dem 30. Juli in Kraft. H2-Mengen weiter nur mit Zoll-Anpassungsklausel schließen.
Inhalt
Was treibt den Preis gerade?
Die Nachricht der Woche kam aus Chile, und sie dreht erstmals seit Monaten das Vorzeichen. Das Statistikamt INE meldete Ende Juli für Juni 447.294 t Kupfer, plus 5,1 Prozent gegenüber Vorjahr, nach minus 12,9 Prozent im Mai. Getragen wird die Erholung von Codelco mit rund 120.200 t (plus 17 Prozent), den ersten sichtbaren Erträgen des Untertage-Investitionsprogramms. Die Entwarnung ist allerdings einseitig verteilt: Escondida, die größte Kupfermine der Welt, lag rund ein Drittel unter Vorjahr. Der Staatskonzern liefert, der größte private Produzent fällt zurück.
Der Terminmarkt hat die chilenischen Zahlen nicht als Entspannung gelesen. LME Cash schloss am 31. Juli bei 13.834,00 US$/t, plus 3,7 Prozent gegenüber Ende Juni und nur knapp unter dem Juli-Hoch vom 22. Juli. Der Grund liegt in den Beständen: Die LME-Bestände fielen bis zum 31. Juli auf 249.850 t, erstmals seit Ende Februar unter 250.000 t und minus 36 Prozent seit Ende Mai, mit täglichen Abflüssen bis zum Monatsende. Die Umleitung von Material in die USA vor einer möglichen Zollentscheidung hält an.
Die Zollfrage bleibt der ungelöste Kern. Die Empfehlung für gestaffelte Zölle auf raffiniertes Kupfer (15 Prozent ab 2027, 30 Prozent ab 2028) liegt seit dem 30. Juni beim Präsidenten; eine Entscheidung ist auch fünf Wochen später nicht gefallen. Die Verwaltung baut derweil die Infrastruktur weiter aus: Seit dem 30. Juli müssen Importeure von Kupferdraht und -kabeln das Schmelz- und Gussland je Position melden. Die Herkunftsverfolgung steht damit, bevor die Entscheidung fällt.
Strukturell bleibt die Angebotsseite angespannt. Antofagasta meldete am 15. Juli für das erste Halbjahr minus 9,5 Prozent, und El Teniente bleibt nach dem Unfall vom Juli 2025 auf rund 301.000 t pro Jahr beschränkt. Die ICSG-Bilanz mit einem Überschuss von 96.000 t für 2026 bleibt die mittelfristige Gegenthese zur engen physischen Lage, und Chiles Juni-Erholung gibt ihr erstmals Daten an die Hand.
Die Golf-Lage stützt derweil die Risikoprämie: Hormus bleibt auf unbestimmte Zeit geschlossen, noch am 21. Juli wurde mit der Kaifan ein Produktentanker in der Straße getroffen, und die Houthi-Drohungen Richtung Rotes Meer erweitern das Risiko. Für Kupfer wirkt das doppelt, als Prämie auf alle Rohstoffe und als Risiko für die Weltkonjunktur.
Worauf wir achten: Timing und Wortlaut der Präsidentenentscheidung, das Tempo des Bestandsabbaus unter der 250.000-t-Marke und die Frage, ob die Codelco-Erholung im Juli trägt, während Escondida schwach bleibt.
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Was heißt das konkret für den Einkauf in DACH?
Schließen Sie H2-Mengen weiter nur mit Anpassungsklausel für die Section-232-Entscheidung. Die Meldepflicht für Schmelz- und Gussland ist seit dem 30. Juli keine Ankündigung mehr, sondern Praxis: Wer in US-Lieferketten liefert, braucht die Herkunftsdokumentation jetzt als feste Vertragsbeilage vom Vormaterial-Lieferanten. Sie wird zum dauerhaften Standard.
Binden Sie den Metallzuschlag an das LME-Monatsmittel mit 5-Tage-Mittelung statt an einen Stichtag. Der Juli lief zwischen 13.090 und 13.895 US$/t, eine Spanne von gut sechs Prozent innerhalb eines Monats. Bei dieser Bewegung entscheidet sonst der Kalender über die Kalkulation, nicht der Markt.
Weisen Sie Metallwert und Konfektionierung getrennt aus. Der Fall unter 250.000 t LME-Bestand wird in den kommenden Wochen als Argument für höhere physische Prämien auftauchen; verhandelbar bleibt das nur, wenn der Metallanteil sauber isoliert ist.
Lesen Sie die chilenische Juni-Erholung nicht als Einladung zu Fixpreisen. Sie hängt an Codelco, während Escondida rund ein Drittel unter Vorjahr liegt, die Zollentscheidung aussteht und die Golf-Lage Fracht und Konjunktur gleichzeitig treffen kann. Diese Kombination kann den Preis kurzfristig deutlich über das heutige Niveau tragen, in beide Richtungen bleibt der Markt nachrichtengetrieben.
Kupferpreis Prognose: Einschätzung unseres Procurement Intelligence Teams
Basisszenario
In dieser Spanne, solange die Präsidentenentscheidung aussteht. (1) Die Zollempfehlung für Raffinadekupfer liegt seit dem 30. Juni beim Präsidenten, und die Meldepflicht für Schmelz- und Gussland ist seit dem 30. Juli in Kraft, (2) die LME-Bestände fallen mit täglichen Abflüssen unter 250.000 t und halten die physische Lage eng, (3) Chiles Juni-Erholung (plus 5,1 Prozent) und der ICSG-Überschuss von 96.000 t begrenzen nach oben. Die Golf-Lage wirkt weiter in beide Richtungen: Risikoprämie auf Rohstoffe, aber zugleich Konjunkturrisiko.
Risikoszenario
Der Präsident bestätigt die gestaffelten Zölle auf raffiniertes Kupfer, der Bestandsabbau läuft Richtung 200.000 t weiter, die Schwäche bei Escondida (rund ein Drittel unter Vorjahr im Juni) hält an, oder die Golf-Eskalation verteuert Fracht und Versicherung dauerhaft. Wahrscheinlichkeit 25 bis 30 Prozent über die nächsten drei Monate.
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Häufig gestellte Fragen
Er ist strukturell, nicht zyklisch. Codelco hat gegenüber Reuters bestätigt, dass El Teniente nach dem Rockburst-Unfall vom Juli 2025 für rund fünf Jahre auf 301.000 t pro Jahr beschränkt bleibt, gegenüber 356.000 t in 2024. Das sind rund 55.000 t weniger pro Jahr aus einer einzelnen Mine. Das ICSG sieht für 2026 zwar einen leichten Überschuss von 96.000 t (im April revidiert von einem Defizit von 150.000 t), aber einzelne Ausfälle dieser Größenordnung halten die physische Lage eng, zumal Cochilco die chilenische 2026er-Produktion auf 5,75 Mio. t gesenkt hat. Für Verträge, die H2 2026 oder 2027 abdecken, gehört eine Überprüfungsklausel hinein, die an LME-Niveau und Konzentratverfügbarkeit gekoppelt ist.
Darauf, ob sie sich tatsächlich parallel zum Rohstoffmarkt bewegen oder ob sie losgelöst davon steigen. Gerade bei hohen LME-Niveaus lohnt sich die saubere Trennung zwischen Metallwert und Verarbeitung, weil sonst ein Rohstoffanstieg doppelt monetarisiert wird.
Dann, wenn der Rohstoffanteil hoch ist und die Marktbewegung schnell in die Kalkulation einläuft. Im aktuellen Umfeld sind klare Indexklauseln mit definierter Reset-Logik oft belastbarer als Fixpreise, in denen Lieferanten ihre Unsicherheit über verdeckte Risikoprämien einpreisen.
Differenziert. LME-Bestände liegen per 31. Juli bei 249.850 t, erstmals seit Ende Februar unter 250.000 t und minus 36 Prozent seit Ende Mai, teils russischer oder chinesischer Herkunft, die viele westliche Konsumenten nicht beziehen wollen. COMEX-Bestände dagegen sind durch die Section-232-Effekte hoch, weil physisches Material in die USA gezogen wurde. Hohe Lagerbestände sind also kein Entlastungssignal, wenn sie am falschen Ort liegen oder ungeeignet sind. Auf der Bilanzseite steht der ICSG-Überschuss von 96.000 t für 2026, und die chilenischen Juni-Daten (plus 5,1 Prozent, getragen von Codelco) geben ihm erstmals Rückenwind. Dem stehen laufende Ausfälle gegenüber: Codelco El Teniente bleibt auf rund 301.000 t pro Jahr beschränkt, Antofagasta meldete für das erste Halbjahr minus 9,5 Prozent, und Escondida lag im Juni rund ein Drittel unter Vorjahr. Solange Zollunsicherheit und solche Ausfälle bestehen, kann Kupfer trotz entspannter Gesamtbilanz auf hohem Niveau bleiben.


