ROHSTOFFPREISE
Aluminiumpreis aktuell: Preis, Entwicklung und Prognose 2026
06.07.2026
Aktueller Aluminiumpreis auf LME-Basis (3-Monats-Schlusskurs 3.087 US$/t per 3. Juli, rund 17 Prozent unter Anfang Juni). Trendanalyse zum EGA-Fortschrittsbericht vom 2. Juli (89 von 1.262 Zellen wieder in Betrieb, Tonerde-Produktion früh in Q3, volle Erholung bis zu einem Jahr; Force Majeure auf europäische Billet-Kontrakte besteht fort), zu fallenden LME-Beständen (minus 41 Prozent seit Jahresbeginn), zur hohen 6063-Billet-Prämie und zur CBAM-Levy-Phase. Szenarien und Einkaufsempfehlungen für industrielle Beschaffung in DACH.
Preisverlauf
Der LME-Preis bildet die Rohstoffbasis ab. Für reale Einkaufspreise kommen physische Prämien, Legierung, Halbzeugaufschläge, Logistik und Währung hinzu.
AUF EINEN BLICK
- LME Aluminium 3-Monats per 3. Juli bei 3.087 US$/t, rund 17 Prozent unter Anfang Juni; die Golf-Risikoprämie ist weitgehend abgebaut.
- EGA meldet am 2. Juli schnellere Fortschritte als geplant beim Wiederanfahren von Al Taweelah: 89 von 1.262 Zellen laufen, erste Tonerde-Produktion früh im dritten Quartal; volle Erholung dauert bis zu einem Jahr. Die Force Majeure auf europäische Billet-Kontrakte bleibt.
- LME-Bestände fallen auf 298.775 t, minus 41 Prozent seit Jahresbeginn; die 6063-Billet-Prämie DDP Norddeutschland stand zuletzt bei 1.175 bis 1.250 US$/t (29. Mai).
- Vertrag in vier Positionen zerlegen: LME-Basis, Herkunftsprämie, CBAM, Konfektionierung. Die LME-Korrektur erreicht den Endpreis nur teilweise.
Inhalt
Was treibt den Preis gerade?
EGA hat am 2. Juli den bisher konkretesten Fortschrittsbericht zum Wiederanfahren von Al Taweelah vorgelegt: 89 von 1.262 Elektrolysezellen sind wieder in Betrieb, mehr als 20 Prozent der Zellen sind vom erstarrten Metall befreit, und die Tonerde-Raffinerie soll früh im dritten Quartal wieder produzieren. Die Reparatur läuft nach Unternehmensangaben schneller als geplant. Zugleich bleibt EGA bei der Einschätzung, dass die volle Rückkehr zur Vorkrisen-Produktion bis zu einem Jahr dauert. Die Force Majeure auf europäische Billet-Kontrakte, erklärt am 12. April nach dem Drohnenangriff, bleibt in Kraft.
Der LME-Kurs hat die Nachricht in eine laufende Korrektur eingepreist. Der 3-Monats-Schlusskurs liegt per 3. Juli bei 3.087 US$/t, nach 3.723 US$/t am 3. Juni, ein Rückgang von rund 17 Prozent in einem Monat. Treiber sind die Golf-Deeskalation, höhere Produktion in China und steigende indonesische Schmelzmengen bei zugleich schwacher chinesischer Nachfrage.
Die physische Lage in Europa entspannt sich langsamer als der Terminmarkt. Die LME-Bestände sind auf 298.775 t gefallen, minus 41 Prozent seit Jahresbeginn. Die Fastmarkets-6063-Billet-Prämie DDP Norddeutschland stand mit 1.175 bis 1.250 US$/t (letzter Print vom 29. Mai) noch beim Doppelten des Februar-Niveaus. Solange die EGA-Mengen fehlen, bleibt der Billet-Markt eng, auch wenn das Wiederanfahren jetzt sichtbar vorankommt.
Regulatorisch bleibt alles gesetzt: Seit dem 1. Januar läuft die CBAM-Levy-Phase, kohlebasierte Primärware aus Indien, Russland und Teilen Chinas trägt 300 bis 400 €/t Endkostenbelastung. In den USA hat die Proklamation vom 1. Juni die Section-232-Struktur weiter angepasst (Schwelle für "entirely American" von 95 auf 85 Prozent gesenkt, Landwirtschaftsgeräte und Wohn-HVAC in der 15-Prozent-Kategorie); für Europa wirkt das indirekt über die Handelsströme.
Worauf wir achten: das Tempo des EGA-Hochlaufs über den Juli und die erste Reaktion der Billet-Prämie darauf. Die nächste Prämien-Notierung entscheidet, ob die physische Entspannung dem LME folgt.
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Was heißt das konkret für den Einkauf in DACH?
Zerlegen Sie den Aluminiumpreis weiterhin in vier Positionen: LME-Basis, Billet- bzw. Duty-Paid-Prämie, CBAM-Belastung und Konfektionierung. Die LME-Basis ist in einem Monat um 17 Prozent gefallen, die Prämie nicht. Ohne Trennung geben Lieferanten die Korrektur nicht weiter.
Sichern Sie die LME-Basiskomponente für Q4-Bedarf auf dem aktuellen Niveau, aber fixieren Sie die Prämie nicht. Wenn der EGA-Hochlauf im Plan bleibt, kommt die Prämien-Korrektur in den nächsten Monaten; wer jetzt 1.175 bis 1.250 US$/t für zwölf Monate festschreibt, kauft den Engpass auf dem Hoch ein.
Verhandeln Sie Verfügbarkeitszuschläge mit Verfallsdatum. Das Argument "Al Taweelah steht" verliert mit jedem EGA-Fortschrittsbericht an Kraft; eine Klausel, die den Zuschlag an den Fortbestand der Force Majeure bindet, macht das automatisch.
Prüfen Sie norwegisches und isländisches Material als CBAM-leichtere Alternative und die Verfügbarkeit von Sekundäraluminium. Bei kohlebasierten Herkünften bleiben 300 bis 400 €/t CBAM-Belastung im Endpreis.
Aluminiumpreis Prognose: Einschätzung unseres Procurement Intelligence Teams
Basisszenario
In dieser Spanne über die nächsten vier bis sechs Wochen. (1) Das EGA-Wiederanfahren läuft schneller als geplant und nimmt dem Markt die Angst vor einem verlorenen Jahr, (2) höhere Produktion in China und Indonesien drückt, (3) die schwache chinesische Nachfrage begrenzt Erholungen. Die weiter hohen Billet-Prämien und fallende LME-Bestände (minus 41 Prozent seit Jahresbeginn) stützen den Boden.
Risikoszenario
Der EGA-Hochlauf erleidet Rückschläge, die Golf-Lage eskaliert erneut (Iran lehnte am 30. Juni direkte Gespräche ab), oder die chinesische Solar-Nachfrage zieht an. Wahrscheinlichkeit 25 bis 30 Prozent über die nächsten drei Monate.
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Häufig gestellte Fragen
Drei Schritte. Erstens: Fragen Sie den Lieferanten nach der CO2-Intensität pro Tonne Primäraluminium für die Herkunft. Zweitens: Multiplizieren Sie diese mit dem aktuellen CBAM-Zertifikatspreis (Q1 2026: 75,36 €/tCO2e laut Fastmarkets). Drittens: Vergleichen Sie das Ergebnis mit dem Aufpreis, den der Lieferant in der Prämie ausweist. Bei karbonintensiven Herkünften wie China oder Mittlerem Osten kommen typisch 50 bis 90 €/t CBAM zustande. Recyclingmaterial und EU-Primäraluminium tragen das nicht. Wer das in der Vollkostenrechnung sauber abbildet, identifiziert die wirtschaftlich beste Beschaffungsroute zuverlässig.
Auf einer sauberen Trennung zwischen LME-Basis, physischer Prämie, Legierungslogik und Verarbeitung. Wer alle vier Ebenen in einer pauschalen Erhöhung akzeptiert, gibt den wichtigsten Hebel im Aluminium-Einkauf aus der Hand.
Über drei Kanäle: höheres Angebotsrisiko, längere oder unsicherere Transporte und steigende Risikoaufschläge. Für den Einkauf in Europa zählt deshalb nicht nur, ob Aluminium im LME steigt, sondern ob sich Importmaterial physisch zuverlässig und zu kalkulierbaren Nebenkosten beschaffen lässt.
Immer dann, wenn der physische Markt enger wird als der Papiermarkt, oder wenn regulatorische Aufschläge strukturell eingreifen. Beides ist aktuell der Fall. Produktionsstörungen wie EGA-Force-Majeure und Transportprobleme im Golf treffen Europa nicht nur über den LME-Preis, sondern auch über höhere physische Prämien. Hinzu kommt seit Januar 2026 CBAM, das in Fastmarkets P1020A-Prämien für Rotterdam, Italien und Spanien strukturell eingerechnet wird. Importe aus karbonintensiven Herkünften tragen damit 50 bis 90 €/t CBAM-Aufschlag, der im LME-Headline nicht sichtbar ist.


