ROHSTOFFPREISE
Nickelpreis aktuell: Preis, Entwicklung und Prognose 2026
28.09.2026
Aktueller Nickelpreis auf LME-Cash-Basis (16.050,00 US$/t per 25. September, der tiefste Schluss des Jahres). Trendanalyse zu Produktionskürzungen im indonesischen Industriepark IMIP wegen Dürre, zur gesenkten Erz-Referenz für Niedriggehaltserz, zum anhaltenden Bestandsaufbau an der LME und zur INSG-Sitzung im Oktober. Einkaufsempfehlungen für die DACH-Beschaffung.
AUF EINEN BLICK
- LME Nickel Cash schließt am 25. September bei 16.050,00 US$/t, dem tiefsten Schluss des Jahres, minus 4,4 Prozent zum Vormonat. Die LME-Bestände steigen auf 284.946 t.
- Der Industriepark IMIP drosselt die Roheisenproduktion wegen Dürre, betroffen sind rund 100.000 t (Bloomberg, Reuters, 22. September). Das Angebotsrisiko steigt, auch wenn der Preis es noch nicht zeigt.
- Indonesien senkt den Referenzpreis für Niedriggehaltserz mit Wirkung zum 12. September und halbiert damit fast die Erzkosten der HPAL-Anlagen (Bloomberg). Das dämpft den Kostendruck.
- Das September-Mittel liegt 2,4 Prozent unter August. Legierungszuschläge für Oktober sollten eher sinken; die INSG tagt in der Woche des 12. Oktober.
Inhalt
Was treibt den Preis gerade?
Indonesien kürzt, und der Preis fällt trotzdem. Der Industriepark IMIP in Morowali, mehrheitlich im Besitz von Tsingshan, drosselt die Produktion von Nickel-Roheisen wegen einer durch El Niño ausgelösten Dürre; betroffen sind nach Bloomberg rund 100.000 t (22. September). IMIP bestätigte die Kürzungen gegenüber Reuters, nannte aber noch keine Zahlen. Bereits am 15. September hatte ein Produzent den Hochlauf einer Anlage wegen Wassermangels gestoppt (Bloomberg). Trotzdem schloss LME Nickel Cash am 25. September bei 16.050,00 US$/t, dem tiefsten Schluss des Jahres und rund 18 Prozent unter dem Hoch von Anfang Mai.
Der Grund liegt in den Beständen und in den Kosten der Produzenten. Die LME-Bestände stiegen weiter, von 274.332 t am 14. September auf 284.946 t am 25. September, allein am letzten Handelstag um 6.048 t. Die Kurve steht mit 180,00 US$/t im Contango, der Markt ist also kurzfristig gut versorgt. Gleichzeitig hat Indonesien die Kosten der Verarbeiter gesenkt: Das Energieministerium kürzte den Referenzpreis HPM für Niedriggehaltserz mit Wirkung zum 12. September, was die Kosten für Erz mit 1,2 Prozent Nickelgehalt nach Bloomberg-Rechnung fast halbiert (16. September). Das entlastet die HPAL-Anlagen, die unter den durch den Iran-Konflikt gestiegenen Schwefelkosten leiden, und nimmt dem Markt einen Teil des Kostendrucks.
Für Edelstahl in Europa bleibt die Lage ruhig. Outokumpu erwartete Anfang September für das dritte Quartal bis zu 10 Prozent geringere Mengen, und der europäische Edelstahlmarkt zeigt keine Belebung. Der offizielle Legierungszuschlag von Aperam für September lag bei 2.219 €/t für 1.4301; das September-Mittel von LME Nickel liegt mit 16.369,74 US$/t 2,4 Prozent unter dem August-Mittel, was für Oktober eher niedrigere Zuschläge erwarten lässt.
Die nächste Richtungsentscheidung kommt von der International Nickel Study Group, die in der Woche des 12. Oktober tagt. Die geltende Prognose weist für 2026 ein Defizit von 32.000 t aus. Die Dürre in Indonesien spricht eher für ein größeres Defizit, die steigenden LME-Bestände dagegen.
Worauf wir achten: das tatsächliche Ausmaß der IMIP-Kürzungen, die Richtung der LME-Bestände und die INSG-Prognose Mitte Oktober.
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Was heißt das konkret für den Einkauf in DACH?
Verlangen Sie für Oktober sinkende Legierungszuschläge. Das September-Mittel von LME Nickel liegt 2,4 Prozent unter August, die Kasse steht auf dem tiefsten Stand des Jahres, und die Bestände steigen. Prüfen Sie den Oktober-Zuschlag Ihres Edelstahllieferanten gegen die veröffentlichte Mechanik des Werks und gegen diese Bewegung. Ein unveränderter oder steigender Zuschlag ist in dieser Lage erklärungsbedürftig.
Fixieren Sie jetzt keine langen Laufzeiten auf dem Jahrestief. Die Dürre in Indonesien ist ein echtes Angebotsrisiko, und die INSG kann Mitte Oktober ein größeres Defizit ausweisen. Wer Bedarf für 2027 hat, sichert Teilmengen auf dem aktuellen Niveau ab und lässt den Rest über eine Indexklausel laufen. So nutzen Sie das niedrige Niveau, ohne das gesamte Risiko einer Wende zu tragen.
Trennen Sie Metall, Zuschlag und Verarbeitung. Outokumpu nennt neben dem Metall Schrott, Fracht und Treibstoff als eigentliche Kostentreiber. Wenn ein Lieferant eine Erhöhung mit dem Iran-Konflikt oder mit Energie begründet, muss er zeigen, welcher Teil davon im Zuschlag und welcher in der Verarbeitung steckt. Wo das Nickel selbst billiger wird, lässt sich nur der Verarbeitungsteil begründen.
Benennen Sie Anpassungsauslöser, die sich prüfen lassen. Eine sinnvolle Klausel knüpft an die Richtung der LME-Bestände, an veröffentlichte INSG-Bilanzen und an bestätigte Produktionskürzungen in Indonesien an. Damit verhandeln Sie über Fakten statt über Erwartungen, und beide Seiten wissen, wann nachverhandelt wird.
Klären Sie, woher der Nickelinhalt Ihrer Vormaterialien kommt. Europäische Edelstahlwerke verarbeiten zunehmend indonesisches Nickel-Roheisen und Ferronickel. Kürzungen bei IMIP treffen deshalb nicht nur den LME-Preis, sondern auch die Verfügbarkeit einzelner Vormaterialien. Fragen Sie Ihren Lieferanten, welcher Anteil seiner Nickeleinheiten aus Indonesien stammt und welche Alternativen er hat, bevor sich aus der Dürre ein Lieferproblem ergibt.
Nickelpreis Prognose: Einschätzung unseres Procurement Intelligence Teams
Basisszenario
In dieser Spanne über die nächsten vier bis sechs Wochen. (1) LME-Bestände von 284.946 t und ein Contango von 180 US$/t zeigen einen kurzfristig gut versorgten Markt, (2) die gesenkte Erz-Referenz in Indonesien senkt die Kosten der Verarbeiter, (3) die dürrebedingten Kürzungen bei IMIP und ein erster Anlaufstopp begrenzen nach unten, (4) schwache Edelstahlnachfrage in Europa gibt keinen Impuls nach oben.
Risikoszenario
Die Dürre weitet sich aus und die Kürzungen bei IMIP erreichen die zuvor genannten 30 bis 40 Prozent, die LME-Bestände drehen nachhaltig nach unten, oder die INSG bestätigt Mitte Oktober ein deutlich größeres Defizit. Ein anhaltender Bestandsabbau wäre das Bestätigungssignal. Wahrscheinlichkeit 25 bis 30 Prozent über die nächsten drei Monate.
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Häufig gestellte Fragen
Die Überschussjahre sind offiziell vorbei. Die International Nickel Study Group hat ihre 2026-Bilanz im Oktober 2025 von einem prognostizierten Überschuss von 261.000 t auf ein Defizit von 32.000 t gedreht, das erste globale Nickel-Defizit seit 2021: globale Primärproduktion 3,715 Mio. t, Verbrauch 3,747 Mio. t. Diese Prognose ist weiterhin der aktuelle Stand; die nächste INSG-Sitzung findet in der Woche des 12. Oktober 2026 statt und ist die erste Gelegenheit für eine Revision. Die Dürre in Indonesien spricht eher für ein größeres Defizit, die LME-Bestände von 284.946 t am 25. September dagegen. Für die Vertragsgestaltung heißt das: Das Jahrestief von 16.050 US$/t ist keine Untergrenze, auf die Sie sich langfristig verlassen sollten, und 16.000 bis 18.000 US$/t als Deckel zu unterstellen, ist ebenso wenig tragfähig. Verträge sollten indonesische Produktionskürzungen und die Richtung der LME-Bestände als explizite Anpassungsauslöser benennen.
Dort, wo Lieferanten einen steigenden Nickelpreis direkt und vollständig weitergeben wollen, obwohl die europäische Edelstahlnachfrage verhalten bleibt und der LME fällt. Outokumpu verdiente im Europa-Geschäft im zweiten Quartal 2026 bereinigt 17 Mio. € und erwartet für das dritte Quartal bis zu 10 Prozent geringere Mengen wegen steigender Kosten und der Unsicherheit im Nahen Osten (2. September); als eigentliche Kostentreiber neben dem Metall benennt das Unternehmen Schrott, Fracht und Treibstoff. Wer Zuschlag, Grundmaterial, Bearbeitung und Energiekomponente sauber trennt, erkennt, welcher Teil einer Forderung am LME hängt und welcher nicht, und gewinnt genau dort Verhandlungsspielraum.
Mehr als noch Mitte September, und diesmal kommt es nicht aus der Quotenpolitik, sondern aus dem Wetter. Der Industriepark IMIP in Morowali drosselt wegen einer durch El Niño ausgelösten Dürre die Produktion von Nickel-Roheisen, betroffen sind nach Bloomberg rund 100.000 t; IMIP bestätigte die Kürzungen gegenüber Reuters, ohne Zahlen zu nennen (22. September). Zuvor war bereits von möglichen Kürzungen um 30 bis 40 Prozent die Rede, falls sich die Lage verschärft. Gleichzeitig senkt Jakarta die Kosten: Der Referenzpreis HPM für Niedriggehaltserz wurde mit Wirkung zum 12. September gesenkt, was die Erzkosten der HPAL-Anlagen nach Bloomberg-Rechnung fast halbiert (16. September). Eine allgemeine Anhebung der Erzquoten hatte die Regierung Anfang September ausgeschlossen. Mit rund 60 Prozent der Weltproduktion bleibt Indonesien der Ort, an dem sich der Nickelpreis entscheidet. Dass der Preis trotz Kürzungen fällt, liegt an steigenden LME-Beständen; drehen diese, wird das Aufwärtsrisiko schnell sichtbar.
Dann, wenn der tatsächliche Nickelanteil, die vertragliche Zuschlagsmechanik und das aktuelle Marktumfeld zusammenpassen. Ende September 2026 spricht das Umfeld klar für Käufer: LME Nickel Cash fiel am 25. September auf 16.050,00 US$/t, den tiefsten Schluss des Jahres, die LME-Bestände stiegen auf 284.946 t, und die Kurve steht mit 180,00 US$/t im Contango. Das September-Mittel liegt 2,4 Prozent unter dem August-Mittel. Eine vollständige Weitergabe des LME-Preises im Legierungszuschlag ist in dieser Lage schwer zu begründen, ein steigender Oktober-Zuschlag erst recht. Belastbar wird der Zuschlag, wenn Sie ihn gegen einen veröffentlichten Wert prüfen können, etwa den offiziellen europäischen Legierungszuschlag von Aperam, der für September bei 2.219 €/t für 1.4301 lag. Machen Sie die monatliche Zuschlagsmechanik des jeweiligen Werks mit Veröffentlichungstermin und Berechnungsbasis zum Vertragsbestandteil und verlangen Sie die getrennte Ausweisung von Material, Bearbeitung und Energie.


