ROHSTOFFPREISE
Nickelpreis aktuell: Preis, Entwicklung und Prognose 2026
03.08.2026
Aktueller Nickelpreis auf LME-Cash-Basis (17.100 US$/t per 31. Juli, plus 5,1 Prozent gegenüber Ende Juni). Trendanalyse zu Outokumpus Q2-Befund (Schrott-, Fracht- und Energiekosten fressen die Gewinne aus den EU-Handelsmaßnahmen), zum ersten spürbaren LME-Bestandsabbau seit Monaten, zur Crawford-Bundesgenehmigung in Kanada und zur gehaltenen indonesischen Quotenlinie. Szenarien und Einkaufsempfehlungen für industrielle Beschaffung in DACH.
Preisverlauf
Für viele Einkäufer wirkt Nickel indirekt, vor allem über Edelstahl, Legierungszuschläge und Sonderwerkstoffe. Der LME-Preis ist deshalb relevant, aber nie die gesamte Preislogik.
AUF EINEN BLICK
- LME Nickel Cash schließt am 31. Juli bei 17.100 US$/t, plus 5,1 Prozent gegenüber Ende Juni; seit dem 20. Juli fallen die LME-Bestände erstmals seit Monaten spürbar (266.172 t, minus rund 8.000 t in zwei Wochen).
- Outokumpu meldet am 30. Juli für das Europa-Geschäft 17 Mio. € bereinigtes Kernergebnis im Q2 und benennt den Grund für die magere Erholung: Schrott-, Fracht- und Treibstoffkosten fressen die Gewinne aus den EU-Handelsmaßnahmen; die ETS-Staatshilfe von 35 bis 40 Mio. € pro Jahr ist ausgelaufen (SMM).
- Canada Nickel erhält am 31. Juli die Bundesgenehmigung für das Crawford-Projekt (Bauentscheidung 2027 angepeilt, 41 Jahre Laufzeit): die erste strukturelle Antwort des Westens auf die Angebotskonzentration, wirksam aber erst Ende des Jahrzehnts.
- Indonesiens Quotenlinie hält (nur begrenzte Zusatzmengen für unterversorgte Schmelzen, Zuteilungen stehen aus); das Preisfenster bei den Legierungszuschlägen schließt sich weiter.
Inhalt
Was treibt den Preis gerade?
Die aufschlussreichste Nachricht der Woche kam nicht von der Börse, sondern aus Helsinki. Outokumpus Finanzchef Marc-Simon Schaar erklärte am 30. Juli, dass die EU-Handelsmaßnahmen zwar die Nachfrage nach europäischer Edelstahlproduktion heben, höhere Kosten für Schrott, Fracht und Treibstoff die Verbesserung aber auffressen. Das Europa-Geschäft des finnischen Herstellers verdiente im zweiten Quartal bereinigt 17 Mio. €, nach einem Verlust von 13 Mio. € im ersten Quartal und kaum mehr als die 16 Mio. € des Vorjahres. Die stärkere Nachfrage nach lokaler Produktion hat zugleich die Nachfrage nach Schrott, dem Hauptrohstoff der europäischen Werke, deutlich erhöht, während die schwache Endnachfrage weniger Schrott erzeugt; dazu ist die Staatshilfe von rund 35 bis 40 Mio. € pro Jahr für die Emissionshandelskosten ausgelaufen (SMM, 31. Juli). Für Einkäufer heißt das: Die Edelstahlkosten steigen gerade auch ohne den Nickelpreis.
Der Nickelpreis selbst arbeitet sich weiter nach oben. LME Cash schloss am 31. Juli bei 17.100 US$/t, plus 5,1 Prozent gegenüber Ende Juni. Bemerkenswerter ist der Unterbau: Seit dem 20. Juli fallen die LME-Bestände erstmals seit Monaten spürbar, von 273.222 t auf 266.172 t. Die Bestände hatten sich seit Jahresbeginn hartnäckig um 275.000 bis 288.000 t gehalten; ein anhaltender Abbau wäre das erste physische Knappheitssignal dieses Jahres.
Strukturell hat der Westen eine Antwort auf die Angebotskonzentration vorgelegt: Canada Nickel erhielt am 31. Juli die positive Bundesentscheidung für das Crawford-Projekt in Ontario, die erste Bergbau-Genehmigung unter dem novellierten kanadischen Prüfverfahren. Die Bauentscheidung ist für 2027 angepeilt, die Mine auf 41 Jahre ausgelegt, und Crawford wäre zugleich Nordamerikas einzige primäre Chromquelle (SMM, 31. Juli). An der Diagnose der IEA, dass bei Nickel praktisch das gesamte Angebotswachstum vom marktbeherrschenden Anbieter Indonesien kommt, ändert das auf Sicht dieses Jahrzehnts allerdings wenig.
In Jakarta hält die Linie von Mitte Juli: keine flächendeckende Anhebung der Erzquoten, nur begrenzte Zusatzmengen für Schmelzen mit akutem Rohstoffmangel, und diese Zuteilungen stehen weiter aus. PT Weda Bay bleibt teilweise in Care-and-Maintenance, und die Golf-Eskalation hält das Schwefelrisiko für die HPAL-Produktion offen, deren Säurebedarf zu großen Teilen an Importen aus dem Nahen Osten hängt.
Die Gegengewichte bleiben die hohen Gesamtbestände und die träge Edelstahl-Spotnachfrage in China. Das INSG-Defizit von 32.000 t für 2026 bleibt die gültige Bilanzreferenz, wirkt aber erst mittelfristig.
Worauf wir achten: das Tempo des LME-Bestandsabbaus, die konkreten Zusatzzuteilungen in Indonesien und die europäischen Schrottpreise als zweiten Kostentreiber neben dem LME.
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Was heißt das konkret für den Einkauf in DACH?
Das Preisfenster bei den Legierungszuschlägen schließt sich weiter. Der LME-Preis liegt 5,1 Prozent über Ende Juni, die Zuschlagsmechanik der Edelstahlwerke folgt mit einem Monat Verzögerung, und mit dem beginnenden Bestandsabbau ist der Boden eher fester geworden. Offene Edelstahl-Abschlüsse jetzt fixieren, statt auf einen Rücksetzer zu warten.
Zerlegen Sie kommende Erhöhungsforderungen in ihre Komponenten, denn die nächste Runde kommt nicht nur über Nickel. Outokumpus Zahlen belegen, was Lieferanten vortragen werden: teurerer Schrott, teurere Fracht, ausgelaufene ETS-Hilfen. Verlangen Sie die Trennung nach LME-Anteil (gegen Monatsmittel), Schrottzuschlag und Logistik; ein pauschaler Legierungszuschlag, der alle drei transportiert, ist nicht prüfbar.
Halten Sie die Anpassungsauslöser im Vertrag konkret: die offiziellen Zusatzzuteilungen an einzelne Schmelzen, der Weda-Bay-Status und die tatsächliche Quoten-Durchsetzung im zweiten Halbjahr. Der LME-Bestandsabbau gehört jetzt dazu; unter 250.000 t wäre er ein hartes Knappheitssignal.
Nutzen Sie Crawford und den IEA-Befund für die strategische Argumentation: Die Konzentration des Angebotswachstums auf Indonesien bleibt das Grundrisiko, westliche Projekte entlasten frühestens Ende des Jahrzehnts. Zweitquellen, höhere Schrottquoten und längere Laufzeiten mit definierten Auslösern bleiben die strukturelle Antwort; kurzfristige Spotkäufe sind es nicht.
Nickelpreis Prognose: Einschätzung unseres Procurement Intelligence Teams
Basisszenario
In dieser Spanne über die nächsten vier bis sechs Wochen. (1) Die indonesische Quotenlinie (keine flächendeckende Anhebung) und der beginnende LME-Bestandsabbau legen einen Boden unter den Markt, (2) hohe Gesamtbestände und die träge Edelstahl-Spotnachfrage begrenzen nach oben, (3) die europäische Schrottknappheit stützt die Edelstahlkosten unabhängig vom LME-Preis. Das INSG-Defizit von 32.000 t wirkt weiter erst mittelfristig.
Risikoszenario
Der LME-Bestandsabbau beschleunigt sich, die Schwefelrisiken aus der Golf-Eskalation erreichen die indonesische HPAL-Produktion, oder chinesische Edelstahlwerke beginnen die Wiederbevorratung. Auch minimale Zusatzzuteilungen an unterversorgte Schmelzen würden die Erzknappheit bestätigen statt lindern. Wahrscheinlichkeit 25 bis 30 Prozent über die nächsten drei Monate.
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Häufig gestellte Fragen
Die Überschussjahre sind offiziell vorbei. Die International Nickel Study Group hat ihre 2026-Bilanz im Oktober 2025 von einem prognostizierten Überschuss von 261.000 t auf ein Defizit von 32.000 t gedreht. Das ist das erste globale Nickel-Defizit seit 2021. Globale Primärproduktion: 3,715 Mio. t. Verbrauch: 3,747 Mio. t. Die Größenordnung ist moderat, nicht dramatisch. Für die Vertragsgestaltung heißt das: 16.000 bis 18.000 US$/t als Cap zu unterstellen, ist nicht mehr tragfähig. Verträge sollten die indonesische Quoten-Durchsetzung (Zusatzzuteilungen an Schmelzen, Weda-Bay-Status) als expliziten Anpassungsauslöser benennen.
Dort, wo Lieferanten einen steigenden Nickelpreis direkt und vollständig weitergeben wollen, obwohl die europäische Edelstahlnachfrage verhalten bleibt. Outokumpu verdiente im Europa-Geschäft im zweiten Quartal 2026 bereinigt 17 Mio. € und benennt Schrott, Fracht und Treibstoff als die eigentlichen Kostentreiber neben dem Metall. Wer Zuschlag, Grundmaterial, Bearbeitung und Energiekomponente sauber trennt, erkennt, welcher Teil einer Forderung am LME hängt und welcher nicht, und gewinnt genau dort Verhandlungsspielraum.
Erhebliches, und es ist wieder klar nach oben gerichtet. Das Energieministerium hat Mitte Juli eine flächendeckende Anhebung der Erzquoten ausgeschlossen; nur Schmelzen mit akutem Rohstoffmangel erhalten begrenzte Zusatzmengen, und die kolportierte Anhebung auf rund 360 Mio. t wmt wurde dementiert. PT Weda Bay Nickel bleibt mit einer 2026er-Quote von 12 Mio. t wmt (nach 42 Mio. t im Vorjahr) teilweise in Care-and-Maintenance. Mit rund 60 Prozent der Weltproduktion bleibt Indonesien die größte Einzelquelle für Preisrisiko im Nickelmarkt; nach dem IEA-Befund vom Juli kommt bei Nickel praktisch das gesamte Angebotswachstum von dort.
Dann, wenn der tatsächliche Nickelanteil, die vertragliche Zuschlagsmechanik und das aktuelle Marktumfeld zusammenpassen. Ende Juli 2026 ist die Lage zweischneidig: Das INSG sieht für 2026 weiter das erste Defizit seit 2021 (32.000 t), Indonesien hat eine flächendeckende Quotenanhebung ausgeschlossen, und die LME-Bestände fallen erstmals seit Monaten (266.172 t per 31. Juli); zugleich bleiben die Gesamtbestände hoch und die Edelstahl-Spotnachfrage schwach. Ein voller LME-Pass-through im Surcharge ist deshalb angreifbar. Belastbar ist der Zuschlag, wenn Material-, Bearbeitungs- und Energiekomponente sauber getrennt sind und die monatliche Surcharge-Mechanik (Outokumpu, Aperam) explizit Vertragsbestandteil ist.


