ROHSTOFFPREISE
Nickelpreis aktuell: Preis, Entwicklung und Prognose 2026
06.07.2026
Aktueller Nickelpreis auf LME-Cash-Basis (16.115 US$/t per 3. Juli, tiefster Stand seit Jahresbeginn). Trendanalyse zu Berichten über eine mögliche Anhebung der indonesischen RKAB-Quote 2026 auf rund 360 Mio. t wmt bei der Ministeriums-Revision Ende Juli, zu Rekordbeständen von LME und ShFE (rund 469.000 t), zur schwachen Edelstahl- und Batterienachfrage und zum weiter gültigen INSG-Defizit (32.000 t für 2026). Szenarien und Einkaufsempfehlungen für industrielle Beschaffung in DACH.
Preisverlauf
Für viele Einkäufer wirkt Nickel indirekt, vor allem über Edelstahl, Legierungszuschläge und Sonderwerkstoffe. Der LME-Preis ist deshalb relevant, aber nie die gesamte Preislogik.
AUF EINEN BLICK
- LME Nickel Cash per 3. Juli bei 16.115 US$/t, minus 14,3 Prozent gegenüber Anfang Juni und tiefster Stand seit Jahresbeginn.
- Treiber der zweiten Abwärtswelle: Berichte, dass Indonesien die nationale RKAB-Quote 2026 bei der Ministeriums-Revision Ende Juli auf rund 360 Mio. t wmt anheben könnte (von 270 Mio. t).
- Kombinierte LME- und ShFE-Bestände auf Rekordhoch von rund 469.000 t; Batterienachfrage schwächer, da Hersteller auf nickelfreie Chemien ausweichen.
- Nickel-Zuschläge sinken spürbar: das Fenster für Spot-Einkäufe und größere Kontraktvolumina bei Edelstahl ist offen.
Inhalt
Was treibt den Preis gerade?
Nickel hat eine zweite Abwärtswelle hinter sich. LME Cash notiert per 3. Juli bei 16.115 US$/t, minus 14,3 Prozent gegenüber Anfang Juni und der tiefste Stand seit Jahresbeginn. Auslöser ist eine Kehrtwende in der Erwartung: Nachdem die indonesischen Quotenkürzungen den Markt im Frühjahr getragen hatten, mehren sich Berichte, dass Jakarta die nationale RKAB-Quote 2026 bei der turnusmäßigen Ministeriums-Revision Ende Juli auf rund 360 Mio. t wmt anheben könnte, von aktuell 270 Mio. t. Der Markt preist die Lockerung ein, bevor sie beschlossen ist.
Auf der Bestandsseite gibt es keinen Halt: Die kombinierten Lagerbestände von LME und Shanghai Futures Exchange erreichten Mitte 2026 mit rund 468.600 t ein Rekordhoch; die LME allein hält rund 274.600 t. Auf der Nachfrageseite bleibt die europäische Edelstahlkonjunktur schwach, und die Batterienachfrage enttäuscht, weil Hersteller zunehmend auf nickelfreie Chemien ausweichen.
Das Angebotsrisiko ist damit nicht verschwunden. Eramets Weda Bay bleibt mit einer 2026er-Quote von 12 Mio. t wmt (nach 42 Mio. t) teilweise in Care-and-Maintenance, und das INSG erwartet für 2026 weiter das erste globale Defizit seit 2021 (32.000 t). Aber solange die Revision Ende Juli aussteht, dominiert die Erwartung zusätzlicher indonesischer Mengen.
Worauf wir achten: das Ergebnis der RKAB-Revision Ende Juli. Eine Anhebung Richtung 360 Mio. t wmt würde das Defizit-Szenario für 2026 kippen; bleibt die Quote bei 270 Mio. t, ist der aktuelle Abschlag übertrieben.
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Was heißt das konkret für den Einkauf in DACH?
Nutzen Sie das Preisfenster vor der Ende-Juli-Revision. Bei 16.115 US$/t sind die Legierungszuschläge auf dem niedrigsten Stand des Jahres; für Edelstahl-Flachprodukte und Legierungen sind Spot-Einkäufe und größere Kontraktvolumina jetzt günstiger als zu jedem Zeitpunkt seit Dezember.
Binden Sie den Legierungszuschlag weiter an das LME-Monatsmittel mit Ober- und Untergrenze. Ein Fixzuschlag auf dem heutigen Niveau ist attraktiv, trägt aber das Risiko, dass die Revision knapper ausfällt als spekuliert und der Preis zurückschnellt.
Machen Sie die RKAB-Entscheidung zum expliziten Anpassungsauslöser im Vertrag. Beide Richtungen sind offen: Eine Anhebung auf 360 Mio. t drückt weiter, eine Bestätigung der 270 Mio. t rückt das INSG-Defizit wieder in den Vordergrund.
Nickelpreis Prognose: Einschätzung unseres Procurement Intelligence Teams
Basisszenario
In dieser Spanne bis zur indonesischen Quoten-Revision Ende Juli. (1) Berichte, dass Jakarta die nationale RKAB-Quote 2026 auf rund 360 Mio. t wmt anheben könnte, drücken den Preis, (2) die kombinierten LME- und ShFE-Bestände liegen mit rund 469.000 t auf Rekordniveau, (3) schwache Edelstahl- und Batterienachfrage begrenzt jede Erholung. Das INSG-Defizit von 32.000 t stützt nur mittelfristig.
Risikoszenario
Die Ende-Juli-Revision fällt knapper aus als spekuliert, die Weda-Bay-Quote bleibt bei 12 Mio. t wmt, oder chinesische Edelstahlwerke stocken ihre Bestände wieder auf. Wahrscheinlichkeit 20 bis 25 Prozent über die nächsten drei Monate.
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Häufig gestellte Fragen
Die Surplus-Narrative der vergangenen drei Jahre ist offiziell vorbei. Die International Nickel Study Group hat ihre 2026-Bilanz im Oktober 2025 von einem prognostizierten Überschuss von 261.000 t auf ein Defizit von 32.000 t gedreht. Das ist das erste globale Nickel-Defizit seit 2021. Globale Primärproduktion: 3,715 Mio. t. Verbrauch: 3,747 Mio. t. Die Größenordnung ist moderat, nicht dramatisch. Für die Vertragsgestaltung heißt das: 16.000 bis 18.000 US$/t als Cap zu unterstellen, ist nicht mehr tragfähig. Verträge sollten die Indonesien-Versorgungsdynamik (RKAB-Antragsrunden Q2 und Q3) als Reset-Trigger explizit benennen.
Dort, wo Lieferanten einen steigenden Nickelpreis direkt und vollständig weitergeben wollen, obwohl die europäische Edelstahlnachfrage schwach bleibt (Outokumpu Q2 2025 EBITDA minus 17 %, Acerinox-Schwäche in Europa). Wer Zuschlag, Grundmaterial, Bearbeitung und Energiekomponente sauber trennt, gewinnt hier Verhandlungsspielraum.
Inzwischen in beide Richtungen. PT Weda Bay Nickel ist seit Anfang Juni teilweise in Care-and-Maintenance, nachdem die RKAB-Quote von 12 Mio. t wmt (71 Prozent weniger als die 42 Mio. t des Vorjahres) erschöpft war. Die nationale Quote für 2026 liegt bei 270 Mio. t wmt, rund 30 Prozent unter 2025. Zur Ministeriums-Revision Ende Juli mehren sich aber Berichte, dass Jakarta die Quote auf rund 360 Mio. t wmt anheben könnte. Damit ist Indonesien die größte Einzelquelle für Preisrisiko im Nickelmarkt, nach oben wie nach unten.
Dann, wenn der tatsächliche Nickelanteil, die vertragliche Zuschlagsmechanik und das aktuelle Marktumfeld zusammenpassen. Anfang Juli 2026 ist die Marktlage zweischneidig: Das INSG sieht für 2026 weiter das erste Defizit seit 2021 (32.000 t), aber die kombinierten LME- und ShFE-Bestände liegen mit rund 469.000 t auf Rekordniveau, und der Markt preist eine mögliche Lockerung der indonesischen Quoten ein. Ein voller LME-Pass-through im Surcharge ist deshalb angreifbar. Belastbar ist der Zuschlag, wenn Material-, Bearbeitungs- und Energiekomponente sauber getrennt sind und die monatliche Surcharge-Mechanik (Outokumpu, Aperam) explizit Vertragsbestandteil ist.


