ROHSTOFFPREISE
Aluminiumpreis aktuell: Preis, Entwicklung und Prognose 2026
28.09.2026
Aktueller Aluminiumpreis auf LME-Basis (3-Monats-Schlusskurs 3.267,00 US$/t per 25. September; die Kasse notiert 13,00 US$/t darunter, die Kurve steht wieder im Contango). Trendanalyse zur Rekordproduktion in China knapp an der Kapazitätsgrenze, zum weiter geschlossenen Hormus-Korridor, zu sinkenden LME-Beständen und zu europäischen Prämien. Einkaufsempfehlungen für die DACH-Beschaffung.
AUF EINEN BLICK
- Chinas Primärproduktion erreicht im August den Rekord von 3,98 Mio. t, plus 4,7 Prozent; das Jahrestempo von rund 46,7 Mio. t liegt über der Kapazitätsgrenze von 45 Mio. t (Reuters, Bloomberg, 15. September). Ein Eingriff Pekings im vierten Quartal ist das größte Aufwärtsrisiko.
- LME 3-Monats schließt am 25. September bei 3.267,00 US$/t, plus 1,9 Prozent zum Vormonat; die Kurve ist von 24 US$/t Backwardation in 13 US$/t Contango gedreht. Der Markt ist weniger angespannt als im Sommer.
- Hormus bleibt geschlossen, Trump lehnt am 26. September einen iranischen Öffnungsplan ab (Reuters). Golfmetall bleibt teuer und unsicher, Lieferketten über den Golf brauchen weiter eine zweite Quelle.
- Die letzte Rotterdam-Prämie liegt bei 490 bis 520 US$/t (8. September), neuere Werte fehlen. Verhandeln Sie Prämie und LME-Basis weiter getrennt.
Inhalt
Was treibt den Preis gerade?
China produziert so viel Aluminium wie nie. Im August erreichte die chinesische Primärproduktion 3,98 Mio. t, plus 4,7 Prozent zum Vorjahr; von Januar bis August stehen 31,12 Mio. t, plus 3,9 Prozent (Reuters und Bloomberg, 15. September). Hochgerechnet entspricht das Tempo rund 46,7 Mio. t im Jahr und liegt damit über der staatlichen Kapazitätsgrenze von 45 Mio. t. Viel Luft nach oben hat der größte Produzent der Welt damit nicht mehr: Entweder bremst Peking im vierten Quartal, oder die Grenze wird aufgeweicht. Beides wird die Preisbildung ab dem Jahreswechsel prägen.
Der LME-Preis hat sich nach dem Rückgang Anfang September gefangen. Der 3-Monats-Kurs schloss am 25. September bei 3.267,00 US$/t, plus 1,9 Prozent gegenüber dem 25. August, bewegt sich aber in einem engen Band: Die Kasse lag im Berichtszeitraum zwischen 3.228,00 US$/t am 24. September und 3.311,00 US$/t am 14. September. Die Kurve hat gedreht: Am 11. September lag die Kasse noch 24,00 US$/t über dem 3-Monats-Kurs, am 25. September 13,00 US$/t darunter. Die LME-Bestände sanken leicht auf 241.375 t. Der Markt ist damit weniger angespannt als im Sommer, aber weit vom Überangebot entfernt.
Am Golf hat sich nichts entspannt. Die Straße von Hormus bleibt für den Handelsverkehr geschlossen, Transporte laufen nur unter US-Geleit, und US-Präsident Trump wies am 26. September einen iranischen Plan zur schrittweisen Öffnung zurück (Reuters, 28. September). Für die Schmelzen in den Golfstaaten, die einen großen Teil des europäischen Bolzen- und Primärbedarfs decken, bleibt der Export damit teuer und unsicher. Neue Meldungen zu Lieferausfällen gab es im Berichtszeitraum nicht, die Force Majeure von EGA auf europäische Bolzenkontrakte ist seit Ende August nicht aktualisiert worden.
Die europäischen Prämien liefern zuletzt kein neues Signal. Die letzte verfügbare Rotterdam-Prämie für P1020A lag am 8. September bei 490 bis 520 US$/t, das Niedrigkarbon-Differenzial am 4. September bei 15 bis 30 US$/t (Fastmarkets). Neuere Werte liegen uns nicht vor. Auf der Nachfrageseite bleibt das Bild gemischt: Venalum schickt erstmals seit Jahren eine größere Ladung von 15.000 t in die USA (Bloomberg, 16. September), was den US-Markt entlastet, aber für Europa kaum Mengen freisetzt.
Worauf wir achten: ob Peking die Kapazitätsgrenze im vierten Quartal durchsetzt, die nächsten Prämienbewertungen für Rotterdam und die Frage, ob unter US-Geleit mehr Metall aus dem Golf nach Europa kommt.
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Was heißt das konkret für den Einkauf in DACH?
Nutzen Sie das ruhige Band für die Absicherung des ersten Halbjahres 2027. Der 3-Monats-Kurs bewegt sich seit zwei Wochen um 3.250 US$/t, die Kurve steht im Contango, und das größte Aufwärtsrisiko, ein Eingriff Pekings bei der Kapazitätsgrenze, ist bisher nicht eingetreten. Wer Mengen für 2027 offen hat, kann jetzt Teilmengen auf Basis des LME-Terminkurses fixieren, statt auf ein Signal aus China zu warten, das den Preis in wenigen Tagen verschieben kann.
Trennen Sie weiterhin konsequent LME-Basis, physische Prämie, Legierung und Verarbeitung. Die letzte verfügbare Rotterdam-Prämie von 490 bis 520 US$/t liegt deutlich unter dem Jahreshoch, und ein Lieferant, der eine pauschale Erhöhung mit dem Golf begründet, muss zeigen, welcher Teil davon Prämie und welcher Metall ist. Wo Ihr Material nicht aus dem Golf kommt, gibt es für einen Golf-Aufschlag keine Grundlage.
Für Bolzen und Strangpressprofile aus Golfmetall bleibt die Versorgung der kritische Punkt. Die Force Majeure von EGA ist nicht aufgehoben, und Hormus bleibt geschlossen. Prüfen Sie, welcher Anteil Ihres Bedarfs direkt oder über Ihre Strangpresser vom Golf abhängt, und lassen Sie sich für diese Mengen eine alternative Herkunft mit Preis bestätigen. Eine Klausel, die die Force Majeure des Vorlieferanten nicht automatisch an Sie weitergibt, gehört in jeden neuen Vertrag.
Nehmen Sie die CBAM-Differenzierung in die Kalkulation. Das Niedrigkarbon-Differenzial von zuletzt 15 bis 30 US$/t ist im LME-Kurs nicht sichtbar, Importe aus karbonintensiven Herkünften tragen weiter 50 bis 90 €/t CBAM-Kosten. Fordern Sie von Lieferanten die CO2-Intensität je Herkunft an und vergleichen Sie Angebote auf Vollkostenbasis.
Behalten Sie Chinas Kapazitätsgrenze als Prüfpunkt in laufenden Verträgen. Wenn Peking die Produktion im vierten Quartal drosselt, kann sich der Preis schnell um mehrere hundert US$/t bewegen, wie der Rückgang von über 3.800 US$/t im Juni gezeigt hat. Eine Anpassungsklausel, die an die LME-Monatsmittel statt an Einzeltage anknüpft, glättet solche Bewegungen, ohne dass eine Seite das volle Risiko trägt.
Aluminiumpreis Prognose: Einschätzung unseres Procurement Intelligence Teams
Basisszenario
In dieser Spanne über die nächsten vier bis sechs Wochen. (1) Der 3-Monats-Kurs bewegt sich seit Mitte September in einem engen Band um 3.250 US$/t, die Kurve ist in einen leichten Contango gedreht, (2) Chinas Rekordproduktion nahe der Kapazitätsgrenze von 45 Mio. t hält das globale Angebot hoch, (3) sinkende, aber komfortable LME-Bestände von rund 241.000 t dämpfen Ausschläge, (4) der geschlossene Hormus-Korridor hält Risikoaufschläge auf Golfmetall hoch und stützt nach unten.
Risikoszenario
Peking setzt die Kapazitätsgrenze im vierten Quartal hart durch und die Produktion fällt unter das Sommertempo, neue Angriffe treffen Schmelz- oder Logistikkapazität am Golf, oder EGA verlängert die Force Majeure auf europäische Bolzenkontrakte über das erste Quartal 2027 hinaus. Dann kehrt die Backwardation zurück und die Prämien ziehen an. Wahrscheinlichkeit 20 bis 25 Prozent über die nächsten drei Monate.
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Häufig gestellte Fragen
Die EU hat das Instrument gewechselt, und das ändert die Wirkung. Die zunächst geplante Ausfuhrabgabe von 15 Prozent auf Aluminiumschrott ist fallengelassen. Stattdessen arbeitet die Kommission an einem delegierten Rechtsakt unter der Abfallverbringungsverordnung, der Ausfuhren von Aluminiumschrott der Position KN 7602 in Nicht-OECD-Staaten untersagen soll, mit angestrebter Annahme im Dezember 2026 (Fastmarkets, 7. September 2026). Eine Abgabe hätte den Export verteuert, ein Verbot hält die Mengen im Binnenmarkt und trifft Exporteure statt europäische Verwender. Für europäische Verwender wirkt das tendenziell dämpfend auf die Schrottpreise, sobald es greift. Zwei Konsequenzen für die Praxis: Fixieren Sie Rahmenverträge über Sekundärmaterial nicht über den Jahreswechsel hinaus, ohne eine Überprüfungsklausel an die Annahme des Rechtsakts zu koppeln. Und lassen Sie den Recyclatanteil in Ihren Spezifikationen jetzt technisch freigeben, damit Sie die Mengen auch nutzen können, wenn sie im Markt bleiben.
Drei Schritte. Erstens: Fragen Sie den Lieferanten nach der CO2-Intensität pro Tonne Primäraluminium für die Herkunft. Zweitens: Multiplizieren Sie diese mit dem aktuellen CBAM-Zertifikatspreis (Q1 2026: 75,36 €/tCO2e laut Fastmarkets). Drittens: Vergleichen Sie das Ergebnis mit dem Aufpreis, den der Lieferant in der Prämie ausweist. Bei karbonintensiven Herkünften wie China oder Mittlerem Osten kommen typisch 50 bis 90 €/t CBAM zustande. Recyclingmaterial und EU-Primäraluminium tragen das nicht. Wer das in der Vollkostenrechnung sauber abbildet, identifiziert die wirtschaftlich beste Beschaffungsroute zuverlässig.
Auf einer sauberen Trennung zwischen LME-Basis, physischer Prämie, Legierungslogik und Verarbeitung. Wer alle vier Ebenen in einer pauschalen Erhöhung akzeptiert, gibt den wichtigsten Hebel im Aluminium-Einkauf aus der Hand.
Über drei Kanäle: höheres Angebotsrisiko, längere oder unsicherere Transporte und steigende Risikoaufschläge. Für den Einkauf in Europa zählt deshalb nicht nur, ob Aluminium im LME steigt, sondern ob sich Importmaterial physisch zuverlässig und zu kalkulierbaren Nebenkosten beschaffen lässt.
Immer dann, wenn der physische Markt enger wird als der Papiermarkt, oder wenn regulatorische Aufschläge strukturell eingreifen. Beides lässt sich inzwischen messen. Die Rotterdam-Prämie für P1020A, im Lager verzollt, lag am 8. September bei 490 bis 520 US$/t und damit rund 80 US$/t unter dem Jahreshoch von 575 bis 600 US$/t am 2. April; die Bolzenprämie in Brescia fiel bis zum 28. August auf 1.075 bis 1.150 US$/t, 11 Prozent unter dem Hoch vom 5. Juni. Gegen diesen Trend steigt das Niedrigkarbon-Differenzial: 15 bis 30 US$/t am 4. September nach 10 bis 25 US$/t im Vormonat. Das ist die CBAM-Differenzierung, und im LME-Headline ist sie nicht sichtbar. Importe aus karbonintensiven Herkünften tragen weiterhin 50 bis 90 €/t CBAM-Aufschlag. Die von EGA im April erklärte Force Majeure auf europäische Bolzenkontrakte ist seit dem 26. August nicht aktualisiert worden und bleibt ein Prämientreiber, solange sie nicht aufgehoben ist.


