ROHSTOFFPREISE
Aluminiumpreis aktuell: Preis, Entwicklung & Prognose 2026
10.03.2026
Der Aluminiumpreis ist 2026 nicht nur eine LME-Frage. Für den Einkauf in DACH zählen aktuell vor allem Angebotsrisiken im Golf, europäische Prämien und die Frage, wie sich Benchmark, Verfügbarkeit und Importkosten gemeinsam bewegen. Alle zwei Wochen aktualisiert.
Preisverlauf
Der LME-Preis bildet die Rohstoffbasis ab. Für reale Einkaufspreise kommen physische Prämien, Legierung, Halbzeugaufschläge, Logistik und Währung hinzu.
AUF EINEN BLICK
- Deutlicher Preissprung: LME Aluminium Cash liegt aktuell bei 3.406,50 US$/t. Das sind +10,5 % gegenüber dem Vormonat und +25,4 % gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig sind die LME-Bestände von 490.975 t auf 456.875 t gefallen. Der Markt ist nicht nur teurer, sondern auch enger versorgt.
- Ausblick: Unser Procurement Intelligence Team rechnet in den nächsten Wochen eher mit hohen bis weiter steigenden Preisen. Dahinter stehen drei Faktoren: Der Versorgungsschock im Golf trifft einen ohnehin engen Markt, die europäischen Prämien reagieren bereits auf die Unsicherheit rund um die Straße von Hormus, und Aluminiumimporte in die EU sind seit dem Start des definitiven CBAM-Regimes zusätzlich anspruchsvoller geworden.
- Besonders exponiert: Warengruppen mit hohem Aluminiumanteil und engem Bezug zu Primärmetall oder Prämien. Dazu gehören Profile, Bleche, Guss- und Druckgussteile, Gehäuse, Kühlkörper, Rahmen, Lüftungskomponenten und andere Leichtbau- oder Engineering-Anwendungen.
Inhalt
Was treibt den Preis gerade?
Der aktuelle Anstieg ist kein normaler Rohstoffschlenker, sondern die Folge eines realen Versorgungsschocks in einem ohnehin angespannten Markt. Die folgenden Treiber erklären, warum Aluminium seit dem letzten Update spürbar nach oben gelaufen ist.
Der Golf ist aktuell der wichtigste kurzfristige Treiber
Der wichtigste neue Faktor ist die Lage im Golf. Hydro meldet, dass Qatalum den kontrollierten Shutdown der Produktion am 3. März gestartet hat; eine vollständige Wiederinbetriebnahme könnte im Fall einer kompletten Stilllegung sechs bis zwölf Monate dauern. Gleichzeitig gibt es Force-Majeure-Meldungen bei Aluminium Bahrain. Für Europa ist das hochrelevant, weil die Region rund 10 % der globalen Aluminiumversorgung stellt und die Straße von Hormus für Metall- und Rohstofftransporte zentral ist.
Der Markt war schon vor dem Konflikt eng
Der aktuelle Schock trifft keinen entspannten Markt. Für 2026 wird weiter ein Defizit im Aluminiummarkt erwartet, begründet durch Chinas Kapazitätsgrenze sowie Strom- und Angebotsprobleme außerhalb Chinas. Genau deshalb reagieren Preise und Prämien jetzt so schnell: Die aktuelle Krise trifft einen Markt, der schon vorher wenig Puffer hatte. Die sinkenden LME-Bestände bestätigen dieses Bild.
In Europa geht es nicht nur um den Börsenpreis
Für europäische Käufer zählt nicht nur der LME-Kurs. Die Sorge um Lieferungen durch die Straße von Hormus zieht auch die europäischen physischen Prämien nach oben. Für den Einkauf ist das entscheidend: Selbst wenn sich der LME-Preis kurzfristig beruhigt, können europäische Beschaffungspreise weiter steigen, wenn Prämien, Fracht und Verfügbarkeit gleichzeitig unter Druck geraten.
CBAM macht den Importvergleich zusätzlich komplexer
Aluminium gehört zu den sechs Sektoren unter CBAM, und das definitive Regime läuft seit 1. Januar 2026. Damit reicht es für Importe in die EU noch weniger als früher, nur auf den Basispreis zu schauen. CO₂-Kosten, Dokumentation, Herkunft und Risiko zählen stärker mit. Für DACH-Beschaffung heißt das: Ein niedrigeres Drittlandsangebot ist nur dann ein echter Hebel, wenn die Gesamtkosten in Europa am Ende tatsächlich niedriger bleiben.
Die Industrie in Deutschland liefert Rückenwind
Zusätzlich verbessert sich das industrielle Umfeld in Deutschland. Der HCOB Germany Manufacturing PMI lag im Februar bei 50,9 und damit wieder über der Wachstumsschwelle. Das ist nicht der Haupttreiber wie im Golf, stützt aber den Markt in einer Phase, in der das Angebot ohnehin unter Druck steht.
Was heißt das konkret für den Einkauf in DACH?
Preisforderungen sauber aufteilen
Bei Aluminium sollten LME-Basis, physische Prämie, Legierung, Umformung und Logistik getrennt ausgewiesen werden. Gerade im aktuellen Markt besteht das Risiko, dass mehrere Effekte in einer pauschalen Erhöhung zusammengezogen werden.
Warengruppen-Exposure prüfen
Besonders betroffen sind aktuell Profile, Bleche, Gussteile, Gehäuse, Kühlkörper, Rahmen, HVAC-Komponenten und andere Aluminiumteile mit hohem Metallanteil. Wer in diesen Kategorien einkauft, sollte Preisgleitklauseln, Angebotslaufzeiten und Sekundärmaterial-Optionen enger beobachten als noch vor einem Monat.
Importe nicht nur über den Basispreis bewerten
Für EU-Importe zählen aktuell Transport, War-Risk-Zuschläge, physische Verfügbarkeit und CBAM stärker mit. Wer heute nur LME vergleicht, unterschätzt das reale Einkaufsrisiko.
Angebotslaufzeiten und Nachverhandlungsklauseln enger überwachen
In angespannten Märkten kommen Preisrisiken oft nicht nur über den Erstpreis, sondern über kürzere Bindefristen und spätere Nachforderungen zurück. Das ist aktuell besonders relevant bei primärmetallnahen Halbzeugen.
Was in Verhandlungen aktuell plausibel ist und was Sie getrennt prüfen sollten
Plausibel sind derzeit ein höheres Basisniveau beim Aluminiumpreis und zusätzlicher Druck bei physischen Prämien. Der Grund ist nicht nur der LME-Anstieg, sondern die reale Unsicherheit im Golf: Qatalum hat Anfang März den kontrollierten Shutdown eingeleitet, und ING sieht Aluminium 2026 ohnehin in einem strukturell engen Markt. Für europäische Käufer ist deshalb nachvollziehbar, wenn Lieferanten auf höhere Rohstoffbasis, knapperes Primärmaterial und mehr Unsicherheit bei Verfügbarkeit verweisen.
Getrennt prüfen sollten Sie dagegen pauschale Erhöhungen, in denen LME, physische Prämie, Legierung, Verarbeitung, Logistik und CBAM-Effekte in einer Zahl zusammengezogen werden. Gerade jetzt ist das Risiko hoch, dass reale Marktbewegung und zusätzliche Sicherheitsmargen vermischt werden. Für den Einkauf ist deshalb entscheidend, ob der Lieferant sauber offenlegt, welcher Teil der Erhöhung auf den Metallpreis zurückgeht und welcher Teil auf Prämie, Umformung oder Verfügbarkeit.
Einordnung
Eine schnelle Entspannung ist derzeit nicht das wahrscheinlichste Szenario. Solange Lieferketten im Golf gestört bleiben und der physische Markt knapp ist, bleibt Aluminium für DACH-Einkäufer vor allem ein Thema aus Preis plus Prämie plus Verfügbarkeit.
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>20.000
Preisindizes integriert
75 %
weniger Vorbereitungsaufwand
>5.000
Preiserhöhungen abgewehrt mit dem Defender Agent

Aluminiumpreis Prognose: Einschätzung unseres Procurement Intelligence Teams
Basisszenario
In den nächsten 4 bis 6 Wochen rechnen wir eher mit stabilen bis höheren Aluminiumpreisen. Der Markt ist strukturell knapp, die Bestände sind rückläufig und der Versorgungsschock im Golf ist noch nicht sauber aufgelöst. Rücksetzer sind möglich, aber aus heutiger Sicht spricht mehr für ein hohes Preisniveau als für einen schnellen Rückfall.
Risikoszenario
Das relevante Risiko liegt klar auf der Oberseite. Wenn sich die Produktionsausfälle im Golf verlängern, die Verschiffung durch Hormus weiter gestört bleibt und die europäischen Prämien weiter steigen, ist eine deutliche Neubewertung des Marktes möglich. Genau dieses Szenario wird derzeit auch im Markt diskutiert.
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Häufig gestellte Fragen
Auf einer sauberen Trennung zwischen LME-Basis, physischer Prämie, Legierungslogik und Verarbeitung. Wer alle vier Ebenen in einer pauschalen Erhöhung akzeptiert, gibt den wichtigsten Hebel im Aluminium-Einkauf aus der Hand.
Über drei Kanäle: höheres Angebotsrisiko, längere oder unsicherere Transporte und steigende Risikoaufschläge. Für den Einkauf in Europa zählt deshalb nicht nur, ob Aluminium im LME steigt, sondern ob sich Importmaterial physisch zuverlässig und zu kalkulierbaren Nebenkosten beschaffen lässt.
Immer dann, wenn der physische Markt enger wird als der Papiermarkt. Genau das ist aktuell das Risiko: Produktionsstörungen und Transportprobleme im Golf treffen Europa nicht nur über den LME-Preis, sondern auch über höhere Prämien und schlechtere Verfügbarkeit.