ROHSTOFFPREISE
Stahlpreis aktuell: Preis, Entwicklung und Prognose 2026
28.09.2026
Aktueller Stahlpreis auf Basis des Fastmarkets HRC Index Nordeuropa (741,67 €/t per 24. September, minus 8,33 €/t gegenüber dem 9. September). Trendanalyse zur stockenden Oktober-Runde, zum Rekordtief des Rheins am Pegel Kaub, zum Quoten-Reset und zur Melt-and-Pour-Pflicht am 1. Oktober, zur Stilllegung des Hochofens A bei HKM und zum schwachen Absatz im Stahlhandel. Einkaufsempfehlungen für die DACH-Beschaffung.
AUF EINEN BLICK
- Der Fastmarkets HRC Index Nordeuropa liegt am 24. September bei 741,67 €/t, 8,33 €/t unter dem 9. September. Oktober-Offerten von 750 bis 760 €/t finden bisher keine Abschlüsse darüber: Der Anker bleibt die realisierbare Spanne von 740 bis 750 €/t.
- Der Pegel Kaub fällt auf das tiefste Niveau seit 1880 (Bloomberg): Tagesmittel 5,8 cm am 24. September, unter null am 26. September (WSV). Niedrigwasserzuschläge sind begründet, ihre Mechanik ist verhandelbar.
- Der Stahlhandel setzte im August 17,8 Prozent weniger ab als im Juli, bei unveränderten Lagern von 1,92 Mio. t (BDS). Die Nachfrage trägt keine zweite Erhöhungsrunde.
- Am 1. Oktober öffnen die Q4-Quoten und die Melt-and-Pour-Pflicht greift; HKM hat am 19. September den Hochofen A stillgelegt. Importverträge für das vierte Quartal brauchen jetzt die Nachweisklausel.
Inhalt
Was treibt den Preis gerade?
Die Oktober-Runde kommt nicht so durch wie die September-Runde. Der Fastmarkets HRC Index Nordeuropa lag am 24. September bei 741,67 €/t ex-works, 8,33 €/t unter dem Stand vom 9. September. Seit Mitte des Monats bewegt sich der Index seitwärts zwischen 737,50 und 745,00 €/t. Die Werke bieten Oktober- und Novembermengen zu 750 bis 760 €/t an, realisierbar sind nach Fastmarkets 740 bis 750 €/t, Forderungen von 770 bis 780 €/t finden keine Abschlüsse. Ein Lieferant nannte am 21. September weiter rund 800 €/t zum Jahresende als Ziel, Abschlüsse auf diesem Niveau gibt es nicht.
Die Nachfrage liefert keinen Grund für eine zweite Erhöhung. Die deutsche Rohstahlproduktion lag im August bei 2,594 Mio. t, plus 1,7 Prozent zum Vorjahr und minus 3 Prozent zum Vormonat; von Januar bis August stehen 23,9 Mio. t, plus 6,3 Prozent (Wirtschaftsvereinigung Stahl, 22. September). Deutlicher ist der Stahlhandel: Nach BDS-Daten sank der Absatz im August um 17,8 Prozent zum Vormonat auf 727.529 t, bei Flachstahl um 18,4 Prozent, während die Lager mit 1,92 Mio. t unverändert blieben. Volle Lager und ein schwacher Absatz begrenzen, was die Werke durchsetzen können.
Die Angebotsseite bleibt der Treiber. Am 19. September hat HKM in Duisburg den Hochofen A nach 53 Jahren endgültig stillgelegt; die Roheisenerzeugung soll 2026 auf rund 3 Mio. t fallen, nach rund 4 Mio. t im Vorjahr. Zusammen mit dem angekündigten Ende der Primärstahlerzeugung bei ArcelorMittal Duisburg bis Ende 2027 verlässt Kapazität den deutschen Markt. Dazu kommen die Energiekosten: In einer Kallanish-Runde am 22. September nannten Werke und Händler Strompreise, die in vier Monaten um mehr als 50 Prozent gestiegen seien.
Der Rhein steht auf dem tiefsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen. Der Pegel Kaub fiel im Tagesmittel von 25 cm am 13. September auf 5,8 cm am 24. September und lag am 26. und 27. September unter null (WSV). Bloomberg meldete am 24. September den tiefsten Wert seit 1880 und 74 Tage unter 78 cm in diesem Jahr, gegenüber 41 Tagen im Jahr 2022. Der Pegelwert ist nicht die Wassertiefe der Fahrrinne, aber unterhalb von 78 cm laden Schiffe nach Bloomberg rund 30 Prozent weniger, und die Frachtraten sind gestiegen. Für Stahl heißt das Teilbeladung, Zuschläge und eine eingeschränkte Rohstoffversorgung der Rheinstandorte.
Regulatorisch fällt am 1. Oktober vieles zusammen. Die Quoten für das vierte Quartal öffnen neu, und die Pflicht zur Angabe des Schmelzlands greift, belegt durch das Werkszeugnis mit einer Übergangsfrist bis 30. September 2027. Die Konsultation der Kommission zum Produktumfang der Stahlverordnung, unter anderem zu Draht und Schmiedestäben, läuft bis zum 30. September und nicht, wie von uns zuletzt angegeben, bis zum 28. September; entscheiden muss die Kommission bis 31. Dezember. Das Europäische Parlament hat Mitte September die Ausweitung von CBAM auf nachgelagerte Produkte wie Verbindungselemente, Draht und Federn mit 464 zu 50 Stimmen beschlossen, jetzt folgen die Verhandlungen mit den Mitgliedstaaten. Händler berichten zudem, dass die Kommission bis zum Vorliegen verifizierter Emissionswerte Standardwerte je Land ansetzt. Am 18. September legte die Kommission außerdem einen Entwurf vor, nach dem Indien, Pakistan, Bangladesch, Ägypten und Saudi-Arabien ab dem 21. Mai 2027 keinen Schrott mehr aus der EU beziehen dürften.
Worauf wir achten: die ersten Abschlüsse nach dem Quoten-Reset, die Frage, ob die Werke ihre Offerten von 750 bis 760 €/t in Abschlüsse übersetzen, und den Pegel Kaub, der über die Kosten jeder Rheinlieferung im Oktober entscheidet.
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Was heißt das konkret für den Einkauf in DACH?
Halten Sie den Anker bei den Abschlüssen, nicht bei den Offerten. Zwei Wochen nach der durchgesetzten September-Runde liegt der Index bei 741,67 €/t und die realisierbare Spanne bei 740 bis 750 €/t. Wer Q4- oder Q1-Mengen offen hat, verhandelt gegen diese Spanne. Offerten von 750 bis 760 €/t sind der Verhandlungsbeginn, das Jahresendziel von 800 €/t ist ohne Abschlüsse kein Verhandlungsgegenstand. Den Absatzrückgang im Stahlhandel um 17,8 Prozent und die unveränderten Lager von 1,92 Mio. t können Sie offen auf den Tisch legen.
Beim Rhein geht es jetzt um Lieferfähigkeit, nicht nur um Zuschläge. Bei einem Pegel Kaub um null lassen sich Zuschläge nicht wegverhandeln. Verhandeln Sie die Mechanik: Staffelung nach dem amtlichen Pegel, automatischer Wegfall oberhalb eines festen Werts, Nachweis je Sendung. Wichtiger ist die Absicherung der Menge. Klären Sie mit jedem rheinabhängigen Lieferanten, welche Bahn- oder Lkw-Kapazität er für Ihre Oktober- und Novembermengen gebucht hat und wer die Mehrkosten einer Umstellung trägt. Bei Lieferungen frei Werk gehört das Niedrigwasserrisiko ausdrücklich in den Vertrag.
Importverträge für das vierte Quartal brauchen ab dem 1. Oktober die Melt-and-Pour-Klausel. Benennen Sie, welche Ersatzdokumente Sie in der Übergangsfrist bis 30. September 2027 akzeptieren, weisen Sie das Quotenrisiko für die frischen Q4-Kontingente zu und prüfen Sie die TARIC-Auslastung Ihrer Herkünfte in den ersten Oktoberwochen wöchentlich. Rechnen Sie CBAM mit den Standardwerten je Land, solange Ihr Lieferant keine verifizierten Emissionswerte vorlegt; die Differenz kann ein nominal günstigeres Angebot vollständig aufzehren.
Kaltband und Feuerverzinktes zuerst. Die letzten verfügbaren Notierungen vom 13. September liegen bei 850 bis 880 €/t für Kaltband und 850 bis 870 €/t für Feuerverzinktes, 100 bis 130 €/t über Warmband. Ende September berichten Lieferanten laut Fastmarkets von Schwierigkeiten, Blechpreise ab 850 €/t frei Haus zu halten, und Kallanish meldet hohe Lager in Nordwesteuropa. Verhandeln Sie CRC- und HDG-Mengen jetzt, mit getrennter Ausweisung von Basispreis, Produktaufschlag und Energiekomponente.
Die Stilllegungen in Duisburg bleiben ein Beschaffungsthema für 2027, das heute beginnt. HKM hat den Hochofen A stillgelegt, ArcelorMittal beendet die Primärstahlerzeugung bis Ende 2027. Wer Vormaterial aus diesen Standorten bezieht, klärt jetzt Umstellungspfad, Zertifizierungsaufwand und Preiswirkung mit dem Lieferanten. Die Qualifizierung einer Zweitquelle dauert je nach Teil sechs bis achtzehn Monate.
Stahlpreis Prognose: Einschätzung unseres Procurement Intelligence Teams
Basisszenario
In dieser Spanne über die nächsten vier bis sechs Wochen. (1) Der Index bewegt sich seit Mitte September zwischen 737,50 und 745,00 €/t, Offerten von 750 bis 760 €/t finden bisher keine Abschlüsse darüber, (2) das Rekordtief am Pegel Kaub und Strompreise, die laut Werken in vier Monaten um mehr als 50 Prozent gestiegen sind, halten die Kosten hoch, (3) Quoten-Reset und Melt-and-Pour-Pflicht am 1. Oktober machen Importe aufwendiger, (4) ein Absatzrückgang im Stahlhandel um 17,8 Prozent bei unveränderten Lagern begrenzt nach oben. Ein Ausbruch über 765 €/t braucht Abschlüsse über 760 €/t, nicht nur Offerten.
Risikoszenario
Die frischen Q4-Quoten laufen in den ersten Wochen voll, das Niedrigwasser hält bis in den November an und unterbricht die Rohstoffversorgung einzelner Rheinstandorte, und die Energiekosten steigen weiter. Dann setzen die Werke ihre Oktober-Forderungen durch, und das Jahresendziel von rund 800 €/t wird erreichbar. Wahrscheinlichkeit 25 bis 30 Prozent über die nächsten drei Monate.
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Häufig gestellte Fragen
Konkret verschwindet rund 1 Mio. t Rohstahlkapazität aus dem deutschen Markt. ArcelorMittal beendet bis Ende 2027 die Primärstahlerzeugung am Standort Duisburg, schließt Stahlwerk und Knüppelstraße, stellt etwa 550 von 800 Stellen zur Disposition und führt den Standort als Weiterverarbeitung mit Vormaterial aus ArcelorMittal Hamburg weiter (1. September 2026). Parallel steht das Moselstahlwerk in Trier mit rund 560.000 t Elektrostahlkapazität zum internationalen Verkauf, während voestalpine in Donawitz einen neuen Doppel-Elektroofen baut. Für den Einkauf folgt daraus zweierlei. Erstens: Wer Vormaterial aus der betroffenen Linie bezieht, klärt Umstellungspfad, Zertifizierungsaufwand und Preiswirkung jetzt mit dem Lieferanten, denn die Qualifizierung einer Zweitquelle dauert je nach Teil sechs bis achtzehn Monate. Zweitens: In Rahmenverträge mit Laufzeit über 2027 gehört ein Anpassungsauslöser, der an Kapazitätsveränderungen beim Lieferanten und an dessen Vormaterialquelle anknüpft, nicht nur an den Index.
Mehr als eine Zuschlagsfrage. Der Pegel Kaub ist auf den tiefsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen gefallen: Tagesmittel 5,8 cm am 24. September und unter null am 26. und 27. September (WSV), der tiefste Wert seit 1880 und bereits 74 Tage unter 78 cm in diesem Jahr (Bloomberg, 24. September). Der Pegelwert ist nicht die Wassertiefe der Fahrrinne, aber unterhalb von 78 cm laden Schiffe deutlich weniger, und die Frachtraten steigen. Für den Einkauf heißt das: Zuschläge sind begründet, verhandelbar ist ihre Mechanik, also Staffelung nach dem amtlichen Pegel Kaub, automatischer Wegfall oberhalb eines definierten Werts und Nachweis je Sendung. Wichtiger ist die Menge: Klären Sie, welche Bahn- oder Lkw-Kapazität Ihr Lieferant für Ihre Oktober- und Novembermengen gebucht hat und wer die Mehrkosten einer Umstellung trägt. Bei Lieferungen frei Werk gehört das Niedrigwasserrisiko ausdrücklich in den Vertrag. Die Häufung von Niedrigwasserphasen spricht dafür, rheinabhängige Lieferketten dauerhaft mit Alternativrouten zu hinterlegen.
Klären Sie drei Punkte explizit. Erstens: Welche Herkünfte stehen auf Ihrer Lieferantenliste, und wie schnell laufen deren Länderquoten voll? Zum 1. Oktober 2026 öffnen die Quoten für das vierte Quartal neu. In der ablaufenden Periode lagen einzelne Länderquoten Mitte September bei 98 bis 99,9 Prozent, die Sammelquoten für kaltgewalztes und beschichtetes Blech waren vollständig ausgeschöpft (EUROMETAL, 13. September). Zweitens: Wer trägt das Quotenrisiko, wenn die Allokation während der Laufzeit voll läuft und der Zoll von 50 Prozent außerhalb der Quote greift? Drittens: Ab dem 1. Oktober 2026 muss das Schmelzland angegeben werden, belegt durch ein Werkszeugnis mit Schmelzland und Schmelznummer; bis zum 30. September 2027 bleiben Ersatzdokumente zulässig. Benennen Sie im Vertrag, welche Ersatzdokumente Sie akzeptieren, statt sich auf ein Werkszeugnis zu verlassen, das der Vorlieferant möglicherweise nicht liefern kann. Eine Quoten-Anpassungsklausel und die wöchentliche Prüfung der TARIC-Auslastung in den ersten Wochen einer neuen Periode gehören in jeden Importvertrag.
CBAM ist seit 1. Januar 2026 finanziell wirksam, gezahlt wird ab 2027 mit dem Erwerb von Zertifikaten. Der erste offizielle Quartalszertifikatspreis für Q1 2026 liegt bei 75,36 €/tCO2e (Fastmarkets). Die effektiven Mehrkosten für Hochemissionsstahl liegen bei einem EUA-Niveau um 90 € bei rund 40 bis 60 €/t, allerdings nur mit verifizierten Emissionswerten: Solange diese fehlen, setzt die Kommission nach Händlerangaben Standardwerte je Land an, und ein Händler rechnete für Brammen mit dem Dreifachen der erwarteten 50 bis 60 €/t (EUROMETAL, 20. September). Für eine vollständige Importkalkulation gehören CBAM-Zertifikatskosten, Dokumentationsaufwand, Quotenverfügbarkeit unter dem seit 1. Juli 2026 geltenden Schutzinstrument und das Risiko längerer Transitzeiten in die Rechnung. In vielen Fällen ist das nominell günstigere Drittlandsangebot nach Gesamtkostenrechnung nicht mehr die wirtschaftlich bessere Alternative.
HRC (Warmband) ist das Basismaterial. Kaltband (CRC) erfordert einen zusätzlichen Walzschritt und liegt deshalb typischerweise 80 bis 130 €/t über HRC. Feuerverzinkter Flachstahl (HDG) kommt nochmals mit einem Beschichtungsaufschlag. Im aktuellen Markt steigen CRC- und HDG-Preise teils schneller als HRC, weil knappe Verfügbarkeit und höhere Energiekosten bei den Folgeprodukten stärker durchschlagen. Für die Verhandlung heißt das: Nicht jede Stahlpreiserhöhung trifft alle Produkte gleich, und eine Aufschlüsselung nach Basispreis, Produktaufschlag und Energiekomponente ist der wichtigste Hebel gegen pauschale Forderungen.
Eine saubere Prüfung beginnt mit drei Fragen: Steigt der relevante Marktindikator? Ziehen die von Ihnen tatsächlich gekauften Folgeprodukte mit? Und passt die Forderung des Lieferanten zu den aktuellen Angebotsniveaus im Markt? Wenn nur einer dieser drei Punkte fehlt, lohnt sich Gegenwehr.
Nur dann, wenn die Vergleichsrechnung nicht beim Basispreis endet. Seit 1. Januar 2026 wirkt CBAM finanziell, mit dem ersten offiziellen Q1-2026-Zertifikatspreis von 75,36 €/tCO2e (Fastmarkets). Seit dem 1. Juli 2026 gilt zudem das neue Safeguard-Regime mit 47 Prozent niedrigerer zollfreier Quote und 50 Prozent Out-of-Quota-Zoll; die Türkei-Quote für Warmband war bereits am ersten Tag ausgeschöpft. Eine Türkei- oder Vietnam-Offerte, die nominal 30 bis 50 €/t günstiger wirkt, kann nach CBAM-Aufladung und Quotenrisiko teurer ausfallen als europäische Ware. Belastbar ist die Alternative, wenn CO2-Intensität, Quotenkapazität, Lieferzeit und Risikoaufschlag in der Vollkostenrechnung sauber abgebildet sind.
HRC bleibt der wichtigste Leitindikator für europäischen Flachstahl. Für die Verhandlung ist aber entscheidend, wie sich die Lücke zu Kaltband- und Verzinkungsaufschlägen verändert. Genau dort zeigt sich, ob Preisforderungen sachlich begründet sind oder ob zusätzliche Marge mittransportiert wird.


