MATERIALPREISE
Blechpreis aktuell: Preis, Entwicklung und Prognose 2026
11.05.2026
Aktueller Blechpreis auf Basis der Fastmarkets-Notierungen für CRC und HDG Nordeuropa (CRC rund 775 €/t, HDG rund 810 €/t, AM Mai-Listen 850 und 880 €/t). Trendanalyse zum HRC-Konvergenzpfad nach oben, zum neuen EU-Tariff-Rate-Quota-Regime ab 1. Juli 2026 (47 Prozent Quotenkürzung), zur Melt-and-Pour-Nachweispflicht ab 1. Oktober und zur CBAM-Belastung auf türkische und indische CRC-Importe. Szenarien und Einkaufsempfehlungen für industrielle Beschaffung in DACH.
ZUR METHODIK
Für Blechpreise verwenden wir einen Blechpreis-Indikator auf Basis von Kaltband in Nordeuropa. Kaltband ist für viele industrielle Blechteile der präzisere Leitindikator als Warmband, weil es näher an typischen verarbeiteten Blechanwendungen liegt. Ergänzend betrachten wir verzinkten Flachstahl als wichtigsten beschichteten Folgewerkstoff und Warmband als vorgelagerte Basis. Wichtig ist: Diese Seite bildet bewusst industrielle Flachblech- und Blechteil-Logik ab, nicht den Markt für Grobblech.
AUF EINEN BLICK
- CRC Nordeuropa rund 775 €/t, HDG rund 810 €/t per Anfang Mai. Beide folgen HRC mit zwei bis drei Wochen Versatz und höheren Aufschlägen.
- EU-Safeguard wird am 1. Juli durch schärferes TRQ-Regime abgelöst, Quoten halbieren sich, Out-of-Quota-Zoll verdoppelt sich auf 50 Prozent. CRC und HDG sind als verarbeitete Flachstahl-Produkte direkt betroffen.
- ArcelorMittal Mai-Listen für CRC bei 850 €/t, für HDG bei 880 €/t, Servicecenter-Quotes liegen 50 bis 80 €/t darunter.
- Melt-and-Pour-Nachweispflicht für Importeure ab 1. Oktober 2026 trifft besonders Cold-Mill-Endbearbeitung aus Drittländern.
Inhalt
Was treibt den Preis gerade?
CRC Nordeuropa notiert per 8. Mai rund 775 €/t, HDG (verzinkter Flachstahl) rund 810 €/t. Beide folgen dem HRC-Basispreis mit zwei bis drei Wochen Versatz und höheren absoluten Aufschlägen, weil die Cold-Rolling- und Verzinkungs-Kapazitäten in Europa enger sind als die Warmband-Kapazitäten. ArcelorMittal hat die Mai-Listen für CRC auf 850 €/t und für HDG auf 880 €/t angehoben, Servicecenter-Quotes liegen jeweils 50 bis 80 €/t darunter.
Der größte Einflussfaktor auf die nächsten acht Wochen ist die Ablösung des aktuellen EU-Safeguards zum 1. Juli durch das neue Tariff-Rate-Quota-Regime. CRC und HDG sind als verarbeitete Flachstahl-Produkte direkt betroffen. Die quotenfreien Importmengen sinken um rund 47 Prozent auf etwa 18,3 Mio. t pro Jahr, der Zoll auf Über-Quoten-Mengen verdoppelt sich von 25 auf 50 Prozent, EUROFER hat das Paket als Lifeline für die europäische Stahlindustrie bezeichnet. Ab 1. Oktober 2026 kommt zusätzlich die Melt-and-Pour-Nachweispflicht, die besonders Cold-Mill-Endbearbeitung aus Drittländern treffen kann.
Importeure aus der Türkei, Indien und Vietnam, die im Cold-Rolling- und HDG-Segment besonders aktiv sind, positionieren sich für die letzten Wochen vor der Umstellung. Türkisches CRC kommt aktuell auf 760 bis 780 €/t DDP, mit CBAM-Belastung darunter, indisches CRC bei 770 €/t DDP. Die traditionelle Importpreislücke zwischen EU-Inlandsware und Drittländern hat sich nach CBAM-Levy-Phase und Section-232-USA weitgehend geschlossen.
Für H2 2026 erwarten wir CRC in der Bandbreite 760 bis 820 €/t und HDG in 800 bis 860 €/t, sofern das TRQ-Regime planmäßig in Kraft tritt und keine verschärfte Anti-Dumping-Verfahren gegen Drittlandsimporte hinzukommen.
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Was heißt das konkret für den Einkauf in DACH?
Für 12-Monats-Anker auf CRC und HDG schliessen Sie diese Woche mit einer Indexklausel auf Fastmarkets-Monatsmittel ab, mit Cap-and-Floor-Band von plus 10 bis minus 12 Prozent und einer expliziten Übergangs-Klausel zum 1. Juli. Mill-Listen ziehen weiter an, der reale Markt folgt mit Versatz, der Konvergenzpfad führt nach oben.
Trennen Sie den HRC-Anteil, den Konfektionierungs- und Zuschneide-Aufschlag und den CBAM-Aufschlag in drei separate Positionen. Pauschalpreise erschweren die Verhandlung in einer Phase, in der die HRC-Basis sich bewegt. Servicecenter, die diese Zerlegung nicht anbieten, kommunizieren weniger transparent als integrierte Mills.
Prüfen Sie Drittland-Importe gegen die ab 1. Oktober greifende Melt-and-Pour-Nachweispflicht. CRC und HDG, die in der Türkei oder Indien aus chinesischem oder indonesischem HRC kaltgewalzt wurden, fallen unter Umständen aus den Quoten heraus. Verlangen Sie vom Lieferanten die Melt-and-Pour-Dokumentation als Vertragsbeilage, nicht als nachgereichte Selbst-Auskunft.
Für Stanz-, Tiefzieh- und Karosserie-Bleche prüfen Sie die spezifische CBAM-Auslegung. Hochfeste Bleche mit DP- oder TRIP-Gefügen haben tendenziell höhere eingebettete CO2-Emissionen je Tonne, was den CBAM-Aufschlag erhöht. Für Standard-Konstruktionsstähle ist der Effekt kleiner.
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Blechpreis Prognose: Einschätzung unseres Procurement Intelligence Teams
Basisszenario
Für H2 2026 erwarten wir CRC in 760 bis 820 €/t und HDG in 800 bis 860 €/t. (1) HRC-Basis konvergiert nach oben. (2) TRQ-Regime ab 1. Juli kappt Importeure-Spielraum. (3) Mill-Listen ziehen weiter an. (4) CBAM-Belastung auf Drittländern hält Importeure aus.
Risikoszenario
Im Risikoszenario laufen CRC und HDG höher. (1) Verschärfte Anti-Dumping-Verfahren gegen Drittländer, weniger Importmengen. (2) Mills heben Konfektionierungs-Aufschläge an. (3) ArcelorMittal nutzt EAF-Pause als Argument für stärkere Mill-Listen. (4) Section-232-USA bindet europäische Kapazitäten im Inland. Eintrittswahrscheinlichkeit über 8 Wochen: 25 bis 30 Prozent.
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Häufig gestellte Fragen
Weil der Preisanker bewusst auf industriellem Flachblech liegt, also auf Kaltband, HDG und Warmbandbezug. Grobblech folgt einem anderen Markt- und Nachfragemuster und sollte mittelfristig eher separat betrachtet werden, wenn dieses Segment für Ihre Beschaffung wichtig ist.
Besonders sensibel sind Blechteile, Gehäuse, Schaltschränke, Kabeltrassen, Verkleidungen, Halterungen und Lüftungskomponenten. Dort treffen Blechbasis, Folgeproduktaufschläge und Verfügbarkeit aktuell besonders sichtbar aufeinander.
Dann, wenn der Lieferant offenlegt, wie viel auf Kaltband- oder Verzinkungsaufschlag, wie viel auf Energie, Bearbeitung und Logistik zurückgeht. Plausibel sind aktuell höhere Aufschläge vor allem bei CRC- und HDG-nahen Anwendungen. Weniger plausibel sind pauschale Stahlaufschläge ohne Material- und Produkttrennung.
Weil viele industrielle Blechteile näher an kaltgewalztem oder verzinktem Flachstahl liegen als an der Warmbandbasis. Warmband bleibt wichtig als vorgelagerter Marktanker, aber für Ihre reale Beschaffung erklären CRC- und HDG-Aufschläge den Preis oft besser.

