MATERIALPREISE
Blechpreis aktuell: Preis, Entwicklung und Prognose 2026
03.08.2026
Aktueller Blechpreis auf Basis der CRC- und HDG-Notierungen Nordeuropa (CRC 800 bis 820 €/t ex-works, Print vom 15. Juli; in Italien wächst die Differenz zu HRC auf 115 €/t). Trendanalyse zur steigenden Warmband-Basis (711,25 €/t bei ausverkauften Werken), zur Konsultation der EU-Kommission über einen erweiterten Produktumfang der Schutzverordnung, zum CBAM-Klassifizierungsrisiko von rund 300 €/t und zu den ausstehenden Anti-Dumping-Maßnahmen. Szenarien und Einkaufsempfehlungen für industrielle Beschaffung in DACH.
ZUR METHODIK
Für Blechpreise verwenden wir einen Blechpreis-Indikator auf Basis von Kaltband in Nordeuropa. Kaltband ist für viele industrielle Blechteile der präzisere Leitindikator als Warmband, weil es näher an typischen verarbeiteten Blechanwendungen liegt. Ergänzend betrachten wir verzinkten Flachstahl als wichtigsten beschichteten Folgewerkstoff und Warmband als vorgelagerte Basis. Wichtig ist: Diese Seite bildet bewusst industrielle Flachblech- und Blechteil-Logik ab, nicht den Markt für Grobblech.
AUF EINEN BLICK
- CRC Nordeuropa hält bei 800 bis 820 €/t ex-works (Print vom 15. Juli, weiterhin der letzte verfügbare); in Italien ist die Differenz zu HRC bis zum 22. Juli auf 115 €/t gewachsen (SteelRadar).
- Die Basis darunter steigt: HRC notiert am 30. Juli bei 711,25 €/t, der August ist bei den meisten Werken ausverkauft, der September zur Hälfte (Fastmarkets, 31. Juli).
- Die EU-Kommission startet am 31. Juli eine Konsultation zur Ausweitung des Produktumfangs der Schutzverordnung; UNESID warnt, dass eine falsche Zolltarif-Klassifizierung rund 300 €/t CBAM-Differenz ausmachen kann, ein Prüfauftrag gerade für Blechteile-Importe.
- Vorläufige Anti-Dumping-Maßnahmen im CRC-Verfahren stehen weiter aus; die Türkei-CRC-Quote bleibt als Brücke offen, mit rückwirkendem Zollrisiko.
Inhalt
Was treibt den Preis gerade?
Der Kaltband-Markt selbst ist in die Sommerpause gegangen, seine Treiber nicht. Der letzte verfügbare Print vom 15. Juli hält CRC Nordeuropa bei 800 bis 820 €/t ex-works, und seither kommen die Signale von den Rändern: In Italien wuchs die Differenz zwischen Warmband und Kaltband bis zum 22. Juli auf 115 €/t (HRC 705, CRC 820 €/t ex-works). Die Quoten stützen das Warmband, die knappe Kaltwalzkapazität hält Kaltband oben, und der Abstand zwischen beiden wächst wieder (SteelRadar via EUROMETAL, 27. Juli).
Die Basis darunter steigt weiter: Der Fastmarkets-HRC-Index erreichte am 30. Juli 711,25 €/t, und die Werke gehen mit ausverkauftem August und halb verkauftem September in die Pause; für Oktober bleiben begrenzte Mengen (Fastmarkets, 31. Juli). Für die Folgeprodukte heißt das: Die nächste Kaltband-Runde startet von einer höheren und knapperen Warmband-Basis.
Regulatorisch haben sich beide Fristen des Quartals bestätigt und eine dritte ist dazugekommen. Die vorläufigen Anti-Dumping-Maßnahmen im CRC-Verfahren gegen Indien, Japan, Taiwan, die Türkei und Vietnam stehen weiter aus, die seit Dezember laufende Registrierung erlaubt rückwirkende Zölle. Die Melt-and-Pour-Pflicht ab 1. Oktober rückt näher. Und am 31. Juli hat die Kommission eine Konsultation gestartet, um den Produktumfang der Schutzverordnung auszuweiten; je nach Ausgang könnten künftig weitere nachgelagerte Produkte unter das Regime fallen.
Dazu kommt ein Kostendetail mit großer Hebelwirkung: Der spanische Herstellerverband UNESID warnt, dass eine falsche Zolltarif-Klassifizierung rund 300 €/t Unterschied in der CBAM-Belastung ausmachen kann. Bei Blechteilen mit ihren vielen Warennummern ist das keine Fußnote, sondern ein Prüfauftrag.
Das Rhein-Niedrigwasser wirkt auch hier: thyssenkrupp hat die Roheisenerzeugung in Duisburg angepasst, Fracht verlagert sich auf Lkw (S&P Global, 24. Juli). Für Blechkäufer ist das vor allem ein Logistikkosten-Thema, für die Werke ein Argument gegen Preisnachlässe.
Worauf wir achten: den nächsten CRC-Print nach der Sommerpause, den Zeitpunkt der vorläufigen Anti-Dumping-Maßnahmen und den Ausgang der Produktumfang-Konsultation.
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Was heißt das konkret für den Einkauf in DACH?
Kontrahieren Sie CRC- und HDG-Bedarf weiter früher als Warmband-Bedarf, und rechnen Sie mit einer höheren Startbasis nach der Sommerpause: Die Werke gehen ausverkauft in den August, und die nächste Kaltband-Runde startet von 711 €/t Warmband. Wer Q4-Blechbedarf hat, sichert sich Fertigungsfenster jetzt.
Nutzen Sie die offene Türkei-CRC-Quote als Brücke, aber mit doppelter Absicherung: Melt-and-Pour-Dokumentation als Vertragsbeilage (Pflicht ab 1. Oktober) und eine Klausel, wer das Risiko rückwirkender Anti-Dumping-Zölle trägt.
Prüfen Sie die Zolltarif-Klassifizierung Ihrer Blech- und Blechteile-Importe: Der UNESID-Hinweis auf rund 300 €/t möglicher CBAM-Differenz je nach Einreihung trifft Blechteile mit ihren vielen Warennummern besonders. Beobachten Sie zugleich die Produktumfang-Konsultation: Fällt Ihr Zukaufteil künftig unter das Schutzregime, ändert sich Ihre Importkalkulation grundlegend.
Trennen Sie weiterhin den Konfektionierungsanteil vom Stahlbasispreis, und verlangen Sie Logistikzuschläge nach dem Rhein-Muster nur separat, mit Verfallsdatum und Referenzwert. Solange die Importseite eng bleibt, ist der Basispreis weniger verhandelbar als Konfektionierung und Logistik.
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Basisszenario
In dieser Spanne über die nächsten vier bis sechs Wochen, mit Aufwärtsdrift. (1) Die Basis darunter steigt weiter: HRC steht bei 711,25 €/t, der August ist bei den meisten Werken ausverkauft, (2) Kaltwalzkapazität, Anti-Dumping-Verfahren und CBAM verengen die Importseite gleichzeitig, CRC bleibt das knappste Produkt, (3) die schwache Endnachfrage und volle Läger begrenzen das Tempo. Die Türkei-CRC-Quote bleibt das offene Ventil.
Risikoszenario
Vorläufige Anti-Dumping-Maßnahmen treffen auf den Quoteneffekt, und die Werke setzen ihre HRC-Forderungen von 740 bis 750 €/t durch, die dann voll in die Folgeprodukte laufen. Zieht die Kommissions-Konsultation eine Ausweitung des Schutzregimes auf weitere nachgelagerte Produkte nach sich, verengt sich die Importseite zusätzlich. Wahrscheinlichkeit 30 bis 35 Prozent über die nächsten drei Monate.
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Häufig gestellte Fragen
Weil der Preisanker bewusst auf industriellem Flachblech liegt, also auf Kaltband, HDG und Warmbandbezug. Grobblech folgt einem anderen Markt- und Nachfragemuster und sollte mittelfristig eher separat betrachtet werden, wenn dieses Segment für Ihre Beschaffung wichtig ist.
Besonders sensibel sind Blechteile, Gehäuse, Schaltschränke, Kabeltrassen, Verkleidungen, Halterungen und Lüftungskomponenten. Dort treffen Blechbasis, Folgeproduktaufschläge und Verfügbarkeit aktuell besonders sichtbar aufeinander.
Dann, wenn der Lieferant offenlegt, wie viel auf Kaltband- oder Verzinkungsaufschlag, wie viel auf Energie, Bearbeitung und Logistik zurückgeht. Plausibel sind aktuell höhere Aufschläge vor allem bei CRC- und HDG-nahen Anwendungen. Weniger plausibel sind pauschale Stahlaufschläge ohne Material- und Produkttrennung.
Weil viele industrielle Blechteile näher an kaltgewalztem oder verzinktem Flachstahl liegen als an der Warmbandbasis. Warmband bleibt wichtig als vorgelagerter Marktanker, aber für Ihre reale Beschaffung erklären CRC- und HDG-Aufschläge den Preis oft besser.


