ENERGIEPREISE
Strompreis aktuell: Preis, Entwicklung und Prognose 2026
14.09.2026
Aktueller Strompreis auf Basis des EEX German Baseload Cal-27 Futures (132,03 €/MWh per 11. September, plus 26,1 Prozent zum Monat und neues Hoch der Reihe). Trendanalyse zum Gasmarkt als Treiber, zum Speicherrückstand, zum teilweisen Ausfall Frankreichs als Preisanker, zur Dunkelflaute vom 10. September und zum jetzt bezifferten Industriestrompreis. Szenarien und Einkaufsempfehlungen für industrielle Beschaffung in DACH.
AUF EINEN BLICK
- EEX German Baseload Cal-27 schließt am 11. September bei 132,03 €/MWh, plus 26,1 Prozent zum Monat und ein neues Hoch der Reihe; vor drei Monaten stand derselbe Kontrakt bei 96,01 €/MWh.
- Der Treiber ist der Gasmarkt: Der TTF stieg im selben Zeitraum um 35,4 Prozent auf 79,52 €/MWh, während die deutschen Speicher am 13. September erst zu 55,60 Prozent gefüllt waren (GIE AGSI).
- Auch Frankreich zieht an: Cal-27 notiert dort bei 89,54 €/MWh nach 64,71 €/MWh Mitte August, unter anderem weil EDF die Revision von Gravelines 5 bis zum 25. Januar 2027 verlängert hat. Der deutsche Aufschlag beträgt 42,49 €/MWh.
- Der Industriestrompreis ist jetzt beziffert: Referenzpreis 87,44 €/MWh, Zielpreis 50,00 €/MWh, Differenzpreis 37,44 €/MWh auf 50 Prozent des anrechenbaren Verbrauchs, also rund 18,72 €/MWh über den Gesamtverbrauch, mit Flexibilitätsbonus rund 20,6 €/MWh. Das Programm läuft für die Lieferjahre 2026 bis 2028 (BAFA).
Inhalt
Was treibt den Preis gerade?
Der Ausbruch, den wir Ende August beschrieben haben, hat sich zu einer Neubewertung ausgeweitet. Der EEX German Baseload Cal-27 schloss am 11. September bei 132,03 €/MWh, plus 26,1 Prozent gegenüber dem 11. August und erneut ein Hoch der Reihe. Der Abstand zum Juni ist der eigentliche Befund: Damals stand derselbe Kontrakt bei 96,01 €/MWh. In einem Quartal hat der deutsche Terminmarkt 37,5 Prozent zugelegt, ohne dass sich an der deutschen Erzeugungsstruktur etwas geändert hätte.
Der Treiber sitzt vollständig im Gasmarkt. Der TTF Front-Month stieg im selben Monatsfenster um 35,4 Prozent auf 79,52 €/MWh, weil Europa gegen die Zeit einspeichert und katarisches LNG die Straße von Hormus nur eingeschränkt passiert. Die deutschen Speicher lagen am 13. September bei 55,60 Prozent, EU-weit waren es 68,04 Prozent (GIE AGSI). Solange Gaskraftwerke die Preisspitzen setzen, überträgt sich diese Knappheit eins zu eins in den Strom-Forward.
Neu ist, dass der Rückhalt aus dem Westen wegbricht. Der französische Cal-27 stieg von 64,71 €/MWh am 11. August auf 89,54 €/MWh am 11. September. EDF hat die Revision des Reaktors Gravelines 5 nach Korrosionsbefunden um sieben Wochen bis zum 25. Januar 2027 verlängert (Bloomberg, 3. September); im August waren nach Quallenbefall und hitzebedingten Kühlbeschränkungen zeitweise 20,4 Prozent der französischen Kernkraftkapazität außer Betrieb, ein Rekordwert. Der deutsch-französische Abstand beträgt damit 42,49 €/MWh nach 40,00 €/MWh Mitte August: Er ist nicht gewachsen, weil Deutschland teurer wurde, sondern trotz eines ebenfalls steigenden Frankreichs nur leicht breiter geworden. Das Argument für den Standortvergleich bleibt, seine Begründung verschiebt sich.
Am Spotmarkt hat der Herbst bereits begonnen. Der deutsche Day-Ahead-Spot lag im Mittel der Woche vom 7. bis 13. September bei 162,39 €/MWh. Am 10. September traf eine Dunkelflaute auf den Abendhochlauf: Der Tagesdurchschnitt stieg auf 191,82 €/MWh und die Viertelstundenspitze zwischen 19:45 und 20:00 Uhr erreichte 585,10 €/MWh. Das ist die Kostenstruktur, die im Winterprofil regelmäßig wiederkehrt, und sie trifft jeden Betrieb ohne Lastflexibilität voll.
Auf der Politikseite laufen drei Dinge parallel, die 2027 betreffen. Erstens die Netzentgelte: Die Übertragungsnetzbetreiber veröffentlichen die vorläufigen Werte für 2027 Anfang Oktober, und der Bundeszuschuss sinkt nach dem Haushaltsentwurf von 6,5 Mrd. € auf rund 5,5 Mrd. €, also um knapp 15 Prozent. Zweitens der Kapazitätsaufbau: Die erste Ausschreibung nach dem Kraftwerkssicherheitsgesetz über 4,5 GW schloss am 8. September und war deutlich überzeichnet; die Zuschläge sollen bis zum 3. November feststehen, weitere Runden folgen im Dezember 2026 und Mai 2027. Drittens die Versorgungssicherheit: Die Bundesnetzagentur hat den Netzreservebedarf für den Winter 2026/2027 auf 7.407 MW festgesetzt, nach 6.493 MW im Vorwinter.
Die wichtigste Entlastung ist jetzt genau beziffert. Der Industriestrompreis arbeitet nach BAFA-Angaben mit einem Referenzpreis von 87,44 €/MWh und einem Zielpreis von 50,00 €/MWh; die Differenz von 37,44 €/MWh wird auf 50 Prozent des anrechenbaren Stromverbrauchs gewährt. Über den Gesamtverbrauch gerechnet sind das rund 18,72 €/MWh, mit dem Flexibilitätsbonus von 10 Prozent rund 20,6 €/MWh. Berechtigt sind Unternehmen der Teilliste 1 des KUEBLL-Anhangs, das Programm läuft für die Lieferjahre 2026 bis 2028, die Antragstellung für 2026 öffnet im Dezember 2026.
Worauf wir achten: die vorläufigen Netzentgelte Anfang Oktober, die Zuschläge der Kraftwerksausschreibung bis zum 3. November, die französische Verfügbarkeit über den Winter und den TTF als weiterhin bestimmende Größe.
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Was heißt das konkret für den Einkauf in DACH?
Die Tranchen-Disziplin hat ihren Preis gezeigt, und sie bleibt trotzdem richtig. Wer Ende August auf die damals genannten Auslöser gewartet hat, zahlt heute 26 Prozent mehr. Daraus folgt aber nicht, jetzt vollständig zu fixieren: Cal-27 auf einem Allzeithoch zu kaufen, ist dieselbe Wette mit umgekehrtem Vorzeichen. Sichern Sie den Anteil, den Sie budgetär nicht offen tragen können, und halten Sie den Rest gegen definierte Auslöser: ein TTF-Rücksetzer unter 65 €/MWh, eine umgesetzte Korridor-Vereinbarung oder deutsche Speicher über 70 Prozent.
Die KUEBLL-Prüfung gehört jetzt vor jede Tranchen-Entscheidung, und sie lässt sich exakt rechnen. Bei einem Referenzpreis von 87,44 €/MWh und einem Zielpreis von 50,00 €/MWh beträgt der Differenzpreis 37,44 €/MWh auf die Hälfte des anrechenbaren Verbrauchs, also rund 18,72 €/MWh über den Gesamtverbrauch und rund 20,6 €/MWh mit Flexibilitätsbonus. Gegen einen Forward von 132,03 €/MWh sind das etwa 14 bis 16 Prozent der Beschaffungskosten. Wer in der Teilliste 1 sitzt und noch nicht vorbereitet ist, sollte die Antragsunterlagen jetzt zusammenstellen: Das Antragsfenster für 2026 öffnet im Dezember 2026.
Kalkulieren Sie die Netzentgelte 2027 als eigene Position und mit einem Aufschlagsrisiko. Der Bundeszuschuss sinkt um knapp 1 Mrd. €, die vorläufigen Werte kommen Anfang Oktober. Wer das Budget 2027 bereits gerechnet hat, sollte die Position als offen markieren, statt sie mit dem Wert aus 2026 fortzuschreiben.
Nutzen Sie den Frankreich-Vergleich weiter, aber mit der neuen Begründung. Der Abstand von 42,49 €/MWh besteht fort, doch Frankreich ist selbst um fast 25 €/MWh gestiegen. Ein Lieferant mit französischer Fertigung kann einen Energieaufschlag auf deutschem Niveau weiterhin nicht begründen, aber er hat jetzt ein eigenes, belegbares Kostenargument. Verlangen Sie den Nachweis des tatsächlichen Beschaffungsniveaus statt pauschaler Aufschläge.
Machen Sie Lastflexibilität zur Zahl im Business Case. Der 10. September hat gezeigt, was eine Dunkelflaute im Abendhochlauf kostet: 585,10 €/MWh in der Spitze gegen einen Wochenschnitt von 162,39 €/MWh. Wer Prozesse aus diesen Fenstern verschieben kann, kauft sich von der teuersten Stunde frei, und im Winterprofil kehrt diese Stunde regelmäßig wieder.
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Strompreis Prognose: Einschätzung unseres Procurement Intelligence Teams
Basisszenario
In dieser Spanne über die nächsten vier bis sechs Wochen. (1) Der TTF trägt den Forward: 79,52 €/MWh per 11. September, plus 35,4 Prozent zum Monat, (2) die deutschen Speicher liegen mit 55,60 Prozent rund 14 Prozentpunkte unter dem nationalen Ziel zum 1. November und halten den Einspeicherungsdruck bis in den November, (3) Frankreich fällt als Preisanker teilweise aus, nachdem EDF die Revision von Gravelines 5 bis zum 25. Januar 2027 verlängert hat, (4) die Kraftwerksausschreibung über 4,5 GW war deutlich überzeichnet und wirkt erst mittelfristig entlastend.
Risikoszenario
Der TTF läuft über 90 €/MWh, ein früher Kälteeinbruch trifft auf Speicher unter Zielpfad, oder die französische Kernkraftverfügbarkeit verschlechtert sich über den Winter weiter. Die Netzentgelte für 2027 kommen Anfang Oktober bei einem um knapp 1 Mrd. € gesenkten Bundeszuschuss hinzu. Wahrscheinlichkeit 30 bis 35 Prozent über die nächsten drei Monate.
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Häufig gestellte Fragen
Weil der Großhandelsstrompreis in Europa nach dem Merit-Order-Prinzip funktioniert: Das teuerste Kraftwerk, das zur Deckung der Nachfrage benötigt wird, bestimmt den Preis für alle. In den Stunden, in denen Gaskraftwerke den Preis setzen, schlägt der Gaspreis voll durch, auch wenn in anderen Stunden Wind und Sonne den Preis drücken. Die EU hat auf ihrem Gipfel im März 2026 über eine Überarbeitung dieses Systems diskutiert.
Weil der Day-Ahead-Markt stündlich auf Angebot und Nachfrage reagiert. Stunden mit hoher Erneuerbaren-Einspeisung drücken den Preis zeitweise unter 50 €/MWh, während eine Dunkelflaute im Abendhochlauf am 10. September 2026 eine Viertelstundenspitze von 585,10 €/MWh erzeugte; im Wochenmittel vom 7. bis 13. September lag der deutsche Day-Ahead-Spot bei 162,39 €/MWh. Der Year-Ahead-Future glättet diese Schwankungen und lag am 11. September bei 132,03 €/MWh, das ist der relevantere Referenzpunkt für die meisten Industriebezugsverträge.
Weil negative Stunden nicht automatisch den Preis eines standardisierten Industriebezugs senken. Sie helfen vor allem dort, wo Lasten flexibel verschoben oder direkt vermarktet werden.
Dann, wenn der Lieferant in einem stromintensiven Prozess arbeitet und seine Beschaffungslogik tatsächlich von den aktuellen Großhandelspreisen betroffen ist. Weniger plausibel sind pauschale Aufschläge ohne Trennung nach Energie, Netz, Absicherung und Marge.
Weil Haushaltsstrom für industrielle Beschaffung kaum hilfreich ist. Für den Einkauf sind Großhandelsbenchmarks wie der deutsche Baseload-Future und der Spotmarkt relevanter als Endkundentarife.

