ENERGIEPREISE
Strompreis aktuell: Preis, Entwicklung & Prognose 2026
29.03.2026
Aktueller Strompreis auf Basis des deutschen Baseload-Futures — mit Trendanalyse, Gas-Strom-Kopplung, Szenarien und Einkaufsempfehlungen für die industrielle Beschaffung in DACH.
AUF EINEN BLICK
- Der Strom-Benchmark bleibt hoch. Der deutsche Baseload-Month-Future lag zuletzt offen nachvollziehbar bei 99,08 EUR/MWh am 13. März und damit über dem Niveau des letzten Updates. Gleichzeitig bleibt der Spotmarkt volatil. Für den Einkauf heißt das: Strom ist nicht auf Krisenextremen wie 2022, aber klar teuer genug, um in energieintensiven Lieferketten ein aktiver Kostenfaktor zu bleiben.
- Gas bleibt der wichtigste Treiber. Die IEA hält fest, dass höhere Gaspreise Anfang 2026 die europäischen Strom-Futures nach oben gedrückt haben. Für Deutschland ist das besonders relevant, weil der Strompreis im Großhandel trotz wachsender Erneuerbaren-Anteile in den teuren Stunden weiterhin stark vom Gaspreis beeinflusst wird.
- Stromintensive Lieferanten bleiben besonders exponiert. Relevant sind vor allem Zulieferer aus Metallverarbeitung, Oberflächenbehandlung, Teilefertigung mit hohem Maschinen- und Ofenanteil, Kälte- und Lüftungstechnik sowie kontinuierlicher Produktion. Die IEA bestätigt: EU-Strompreise für energieintensive Industrien lagen 2025 erneut über doppelt so hoch wie in den USA und nahezu 50 % über China.
Inhalt
Was treibt den Preis gerade?
Der aktuelle Strompreis ist kein isoliertes Stromthema. Für industrielle Beschaffung in DACH laufen derzeit drei Dinge zusammen: ein hohes Gaspreisniveau, geopolitische Risikoprämien auf Energieflüsse und ein europäischer Markt, der für energieintensive Industrie im internationalen Vergleich weiter teuer bleibt. Für den Einkauf ist der entscheidende Punkt deshalb nicht nur, wo der Spotmarkt heute steht, sondern wie stark Gas die abgesicherten Stromkosten und Lieferantenkalkulationen weiter stützt.
Gas bleibt der wichtigste Stromtreiber
Die IEA hält klar fest, dass höhere Gaspreise Anfang 2026 die europäischen Strom-Futures gestützt haben. Das ist für Deutschland besonders relevant, weil der Großhandelsstrompreis trotz wachsender Erneuerbaren-Anteile in den teuren Stunden weiterhin stark von Gaskraftwerken beeinflusst wird. Für den Einkauf heißt das: Wer Strom beschafft oder Preisgleitklauseln bei stromintensiven Lieferanten verhandelt, muss den Gasmarkt mitlesen.
Die Gas-Strom-Kopplung bleibt der zentrale Mechanismus
Auch wenn der Anteil erneuerbarer Erzeugung weiter steigt, setzt Gas in vielen Stunden weiterhin den Preis. Genau deshalb schlagen Bewegungen im Gasmarkt schnell auf Strom-Futures durch. Die politische Diskussion über mögliche Reformen dieser Kopplung zeigt zwar, wie akut das Thema ist, ändert aber kurzfristig nichts an der aktuellen Merit-Order-Logik. Für Ihre Beschaffung ist entscheidend: Solange Gas die Grenzkosten in relevanten Stunden bestimmt, bleibt Strom eng an TTF und geopolitische Risiken gekoppelt.
Deutschland bleibt teuer, auch wenn es Entlastungen gibt
Deutschland bekommt 2026 zusätzliche Entlastung über niedrigere Netzentgelte und die dauerhaft niedrigere Stromsteuer für produzierende Unternehmen. Das ist wichtig, aber es ersetzt keinen strukturell günstigen Strommarkt. Die IEA zeigt weiterhin, dass EU-Strompreise für energieintensive Industrie 2025 mehr als doppelt so hoch wie in den USA und deutlich höher als in China lagen. Für Preisgespräche heißt das: Entlastungen existieren, aber sie machen Strom nicht billig.
Mehr negative Stunden helfen dem Einkauf nicht automatisch
Die IEA zeigt zugleich, dass negative Strompreise in Deutschland häufiger geworden sind. Das ist für flexible Verbraucher und Eigenverbrauchsmodelle relevant, senkt aber nicht automatisch die Kosten eines standardisierten Industriebezugs oder eines Lieferanten mit klassischem Terminmarktportfolio. Für viele Beschaffer bleibt der abgesicherte Terminmarkt deshalb der wichtigere Referenzpunkt als einzelne negative Spotstunden.
Wo sich die Bewegung gerade zuerst zeigt
Gas-Strom-Nexus in der Kalkulation Warengruppen, in denen sowohl Gas als auch Strom als Kostenfaktor wirken, sind doppelt betroffen. Das gilt besonders für Chemie, Metallverarbeitung und andere energieintensive Prozesse, bei denen ein höherer TTF nicht nur direkt wirkt, sondern zusätzlich über Stromkosten in die Kalkulation hineinläuft.
Stromintensive Fertigungsprozesse Zulieferer mit hohem Anteil an maschineller Bearbeitung, Wärmeprozessen, Kühlung, Druckluft oder kontinuierlicher Produktion spüren die Bewegung am direktesten. Dort ist Strom aktuell kein Randthema, sondern ein relevanter Teil der Herstellkosten.
Kurzfristig eingedeckte Lieferanten Wer seine Energie kurzfristig oder rollierend beschafft, ist von der aktuellen Bewegung stärker betroffen als Unternehmen mit längerfristiger Absicherung. Genau deshalb sollte im Einkauf nicht nur der Strompreis selbst, sondern auch die Beschaffungslogik des Lieferanten ein Thema im Gespräch sein.
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Was heißt das konkret für den Einkauf in DACH?
Stromkosten im Lieferantenportfolio sichtbarer machen. Wenn Warengruppen mit hohem Energieanteil eingekauft werden, sollte Strom nicht nur als allgemeiner Kostentreiber erwähnt werden, sondern konkret in der Kalkulation sichtbar sein. Gerade bei energieintensiven Lieferanten ist das aktuell kein Randthema.
Nicht Spot und Vertragspreis verwechseln. Ein Lieferant kann sich auf hohe Day-Ahead- oder Terminmarktpreise berufen. Für die Verhandlung ist aber entscheidend, ob er kurzfristig, strukturiert oder langfristig eingedeckt ist. Die reale Beschaffungslogik des Lieferanten macht einen großen Unterschied.
Staatliche Entlastungen als Prüfpunkt nutzen. Mit niedrigeren Netzentgelten und dauerhaft reduzierter Stromsteuer für produzierende Unternehmen gibt es 2026 reale Entlastungseffekte. In Preisgesprächen lohnt sich deshalb die Frage, ob und in welchem Umfang ein Lieferant von diesen Maßnahmen profitiert und wie das in der Kalkulation berücksichtigt wird.
Besonders genau hinschauen bei stromintensiven Prozessen. Relevant sind vor allem Zulieferer mit hohem Anteil an maschineller Bearbeitung, Wärmeprozessen, Kühlung, Druckluft oder kontinuierlicher Produktion. Dort ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass höhere Großhandelspreise zeitnah in Preisgespräche hineinlaufen.
Was in Verhandlungen aktuell plausibel ist und was Sie getrennt prüfen sollten
Plausibel sind derzeit Verweise auf ein erhöhtes Großhandelsniveau bei Strom und auf höhere Absicherungskosten, vor allem wenn Lieferanten einen relevanten Teil ihres Verbrauchs kurzfristiger oder rollierend eindecken. Der Zusammenhang zwischen Gasmarkt und Strom-Futures ist aktuell real und gut begründet.
Getrennt prüfen sollten Sie dagegen pauschale „Energieaufschläge“, in denen Großhandel, Netzkosten, Profilrisiko, Herkunftsnachweise, Marge und Sicherheitszuschlag vermischt werden. Der entscheidende Verhandlungspunkt ist nicht, ob Strom teuer ist, sondern welcher Teil der Erhöhung wirklich aus dem Strommarkt kommt und welcher Teil aus Vertrags- oder Lieferantenlogik.
Einordnung
Strom bleibt für die nächsten Wochen eng an Gas gekoppelt. Für industrielle Beschaffung heißt das: Energiekosten bleiben ein aktiver Verhandlungsfaktor, aber die Trennung zwischen Marktbewegung, staatlicher Entlastung und Lieferantenlogik ist der entscheidende Hebel.
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Strompreis Prognose: Einschätzung unseres Procurement Intelligence Teams
Basisszenario
Für die nächsten 4 bis 6 Wochen ist ein stabiles bis leicht festeres Preisbild am wahrscheinlichsten. Gas bleibt der zentrale Treiber, und die geopolitische Lage im Nahen Osten hält die Risikoprämie im Energiemarkt hoch. Gleichzeitig zeigt der Markt, dass eine teilweise Entspannung bei Gas den Strompreis kurzfristig drücken kann, ohne das grundsätzliche Kostenniveau zu normalisieren. Die untere Grenze reflektiert eine teilweise Beruhigung im Gasmarkt bei gleichzeitig solider Erneuerbaren-Einspeisung; die obere Grenze reflektiert das aktuelle erhöhte Gaspreisniveau plus geopolitische Risikoprämie. Insgesamt überwiegt derzeit kein Entspannungssignal.
Risikoszenario
Das Aufwärtsrisiko steigt, wenn sich Gas weiter verteuert, die Lage um Hormus anhält und Marktteilnehmer zusätzliche Risikoprämien in Strom-Futures einpreisen. Historisch ist ein deutlich höheres Stromniveau in Phasen stark steigender Gaspreise gut erklärbar, weil der Großhandelsstrompreis in Europa in den teuren Stunden weiter stark von Gaskraftwerken gesetzt wird. Für stromintensive Beschaffung in DACH wäre das vor allem dann problematisch, wenn Lieferanten ihre Preise mit kurzer Vorlaufzeit anpassen oder nur begrenzt abgesichert sind.
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Häufig gestellte Fragen
Weil der Großhandelsstrompreis in Europa nach dem Merit-Order-Prinzip funktioniert: Das teuerste Kraftwerk, das zur Deckung der Nachfrage benötigt wird, bestimmt den Preis für alle. In den Stunden, in denen Gaskraftwerke den Preis setzen, schlägt der Gaspreis voll durch – auch wenn in anderen Stunden Wind und Sonne den Preis drücken. Die EU diskutiert auf ihrem März-2026-Gipfel, ob dieses System überarbeitet werden soll.
Weil der Day-Ahead-Markt stündlich auf Angebot und Nachfrage reagiert. Im März 2026 bedeutet das: Stunden mit hoher Erneuerbaren-Einspeisung drücken den Preis teils unter 50 EUR/MWh, während Stunden mit Gasverstromung Preise über 140 EUR/MWh erreichen. Der Year-Ahead-Future glättet diese Schwankungen und liegt aktuell bei ~95 EUR/MWh – das ist der relevantere Referenzpunkt für die meisten Industriebezugsverträge.
Weil negative Stunden nicht automatisch den Preis eines standardisierten Industriebezugs senken. Sie helfen vor allem dort, wo Lasten flexibel verschoben oder direkt vermarktet werden.
Dann, wenn der Lieferant in einem stromintensiven Prozess arbeitet und seine Beschaffungslogik tatsächlich von den aktuellen Großhandelspreisen betroffen ist. Weniger plausibel sind pauschale Aufschläge ohne Trennung nach Energie, Netz, Absicherung und Marge.
Weil Haushaltsstrom für industrielle Beschaffung kaum hilfreich ist. Für den Einkauf sind Großhandelsbenchmarks wie der deutsche Baseload-Future und der Spotmarkt relevanter als Endkundentarife.