ENERGIEPREISE
Strompreis aktuell: Preis, Entwicklung und Prognose 2026
03.08.2026
Aktueller Strompreis auf Basis des EEX German Baseload Cal-27 Futures (104,24 €/MWh per 31. Juli, praktisch unverändert gegenüber Mitte Juli). Trendanalyse zur verteidigten 100er-Marke bei gehaltenem TTF-Niveau, zur ersten Katar-LNG-Passage durch Hormus als Entspannungssignal, zum auf fast 40 €/MWh gewachsenen Abstand zu Frankreich und zum Industriestrompreis-Programm. Szenarien und Einkaufsempfehlungen für industrielle Beschaffung in DACH.
AUF EINEN BLICK
- EEX Cal-27 verteidigt die 100er-Marke: 104,24 €/MWh per 31. Juli, praktisch unverändert gegenüber Mitte Juli und plus 12,1 Prozent gegenüber Ende Juni (energy-charts/EEX).
- Die Kopplung bleibt eng: Der TTF hält mit 59,44 €/MWh sein Niveau (plus 30 Prozent gegenüber Ende Juni); die erste Katar-LNG-Passage durch Hormus seit dem 5. Juli (30. Juli, Bloomberg) ist ein Signal, aber noch kein Trend.
- Der Abstand zu Frankreich ist auf fast 40 €/MWh gewachsen: Frankreich handelt Cal-27 bei 64,73 €/MWh, Deutschland bei 104,24; der deutsche Forward trägt die volle Gas-Prämie.
- Kühleres Wetter entlastet den Spot nach der teuren Junihitze; das Industriestrompreis-Programm (15 bis 25 €/MWh für die 91 KUEBLL-Sektoren) bleibt bei diesem Niveau die größte Einzelstellschraube.
Inhalt
Was treibt den Preis gerade?
Der Forward hat sich über der 100er-Marke eingerichtet. EEX German Baseload Cal-27 notierte am 31. Juli bei 104,24 €/MWh, praktisch unverändert gegenüber Mitte Juli und 12,1 Prozent über dem Stand von Ende Juni. Der Treiber bleibt derselbe: Der TTF hält mit 59,44 €/MWh sein hohes Niveau, und solange Gaskraftwerke in den Spitzenstunden den Preis setzen, hält der Gasmarkt den Strom-Forward fest.
Die zwei Wochen brachten dabei ein erstes Entspannungssignal: Am 30. Juli passierte mit der Al Areesh die erste Katar-LNG-Ladung seit dem 5. Juli die Straße von Hormus (Bloomberg). Der Terminmarkt hat darauf kaum reagiert, und das ist konsequent: Eine Passage ist kein Hochlauf, mehr als ein Dutzend Tanker warten weiter vor Ras Laffan, und mit dem Drohnenangriff auf Gastanker im ägyptischen Damietta hat sich das Risiko zugleich Richtung Suez verbreitert. Für den Strom-Forward heißt das: Der Weg unter 100 führt über regelmäßige Katar-Abfahrten, nicht über einzelne Schiffe.
Wie hoch die geopolitische Prämie im deutschen Preis ist, zeigt der Blick nach Westen: Frankreich handelte Cal-27 am 31. Juli bei 64,73 €/MWh, fast 40 €/MWh unter dem deutschen Kontrakt. Die kernkraftgestützte französische Erzeugung entkoppelt sich vom Gaspreis, die deutsche nicht. Dieser Spread ist das stärkste Argument in jeder Standort- und Absicherungsdiskussion.
Am kurzen Ende hat sich die Lage dagegen entspannt: Kühleres Wetter in Nordwesteuropa hat die Kühllast und damit die Spotspitzen der Junihitze (bis 566 €/MWh am Abend) vorerst aus dem Markt genommen. Die Hitzeflauten-Mechanik bleibt aber im System; jeder neue Hitzeblock im August kann sie reaktivieren, zumal die französische Kraftwerksverfügbarkeit im Hochsommer die bekannte Schwachstelle bleibt.
An der Kostenbasis ändert sich nichts: Das Industriestrompreis-Programm federt für die 91 KUEBLL-Sektoren weiter 15 bis 25 €/MWh ab. Bei einem Forward über 100 €/MWh bleibt es die größte Einzelstellschraube der Strombeschaffung.
Worauf wir achten: die Frequenz der Katar-Abfahrten als TTF-Treiber, die französische Kraftwerksverfügbarkeit im August und die Frage, ob der DE-FR-Spread von fast 40 €/MWh Bestand hat.
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Was heißt das konkret für den Einkauf in DACH?
Halten Sie die Tranchen-Disziplin aus dem Vorzyklus: gesicherte Mengen halten, weitere Tranchen erst bei sichtbaren Deeskalationssignalen. Neu ist, dass es jetzt ein definierbares Signal gibt: Regelmäßige Katar-Abfahrten aus Ras Laffan wären der Auslöser, ab dem der TTF und mit ihm Cal-27 nachhaltig nachgeben können. Ein einzelnes Schiff ist es nicht.
Ziehen Sie die KUEBLL-Prüfung weiter vor jede Tranchen-Entscheidung: Bei Cal-27 über 100 €/MWh sind 15 bis 25 €/MWh Entlastung der Unterschied zwischen kalkulierbar und kritisch.
Nutzen Sie den Frankreich-Spread in Verhandlungen und Standortentscheidungen: Fast 40 €/MWh Abstand für 2027 dokumentieren, was die Gas-Kopplung den deutschen Standort kostet. Für Lieferanten mit französischer oder nordischer Fertigung ist ein pauschaler Energieaufschlag auf deutschem Niveau nicht begründbar.
Halten Sie Lastflexibilität einsatzbereit, auch wenn der Spot gerade ruhig ist: Der nächste Hitzeblock kann die Spanne zwischen Mittag und Abend wieder auf Faktor sechs treiben, und wer verschieben kann, kauft sich von genau diesen Stunden frei.
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Strompreis Prognose: Einschätzung unseres Procurement Intelligence Teams
Basisszenario
In dieser Spanne über die nächsten vier bis sechs Wochen. (1) Der TTF hält sein Niveau (59,44 €/MWh, plus 30 Prozent gegenüber Ende Juni) und trägt den Forward über der 100er-Marke, (2) die erste Katar-Passage durch Hormus ist ein Entspannungssignal, dem weitere folgen müssten, um Gas und Strom gemeinsam zu drücken, (3) kühleres Wetter nimmt die Spotspitzen, ändert aber den Terminmarkt wenig. Zurück Richtung 96 geht es erst mit regelmäßigen Katar-Abfahrten.
Risikoszenario
Der TTF steigt über 70 €/MWh (stockende Katar-Abfahrten, Eskalation um Suez oder Bab el-Mandeb), dazu ein August mit neuer Hitzewelle und französischen Reaktorkürzungen wie im Juni. Wahrscheinlichkeit 25 bis 30 Prozent über die nächsten drei Monate.
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Häufig gestellte Fragen
Weil der Großhandelsstrompreis in Europa nach dem Merit-Order-Prinzip funktioniert: Das teuerste Kraftwerk, das zur Deckung der Nachfrage benötigt wird, bestimmt den Preis für alle. In den Stunden, in denen Gaskraftwerke den Preis setzen, schlägt der Gaspreis voll durch, auch wenn in anderen Stunden Wind und Sonne den Preis drücken. Die EU hat auf ihrem Gipfel im März 2026 über eine Überarbeitung dieses Systems diskutiert.
Weil der Day-Ahead-Markt stündlich auf Angebot und Nachfrage reagiert. Stunden mit hoher Erneuerbaren-Einspeisung drücken den Preis teils unter 50 €/MWh, während Spitzenstunden in der Junihitze 2026 bis 566 €/MWh erreichten. Der Year-Ahead-Future glättet diese Schwankungen und liegt aktuell bei rund 105 €/MWh, das ist der relevantere Referenzpunkt für die meisten Industriebezugsverträge.
Weil negative Stunden nicht automatisch den Preis eines standardisierten Industriebezugs senken. Sie helfen vor allem dort, wo Lasten flexibel verschoben oder direkt vermarktet werden.
Dann, wenn der Lieferant in einem stromintensiven Prozess arbeitet und seine Beschaffungslogik tatsächlich von den aktuellen Großhandelspreisen betroffen ist. Weniger plausibel sind pauschale Aufschläge ohne Trennung nach Energie, Netz, Absicherung und Marge.
Weil Haushaltsstrom für industrielle Beschaffung kaum hilfreich ist. Für den Einkauf sind Großhandelsbenchmarks wie der deutsche Baseload-Future und der Spotmarkt relevanter als Endkundentarife.

