ENERGIEPREISE

Rohölpreis aktuell: Preis, Entwicklung und Prognose 2026

03.08.2026

Aktueller Rohölpreis auf Basis des ICE Brent Front-Month-Futures (90,12 US$/bbl per 31. Juli; Juli plus 24 Prozent, in der letzten Woche aber Rückgang von über 100 US$/bbl). Trendanalyse zum Wechsel vom Kriegs- zum Schiffsdaten-Handel, zu den IRGC-Tankerstopps vom 31. Juli, zur erwarteten OPEC+-Erhöhung für September mit anschließender Pause und zur messbaren Nachfragezerstörung in den USA. Szenarien und Einkaufsempfehlungen für industrielle Beschaffung in DACH.

AUF EINEN BLICK

  • Brent schließt den Juli bei 90,12 US$/bbl (Settlement 31. Juli, plus 1,2 Prozent am Tag): plus 24 Prozent im Monat, der stärkste seit März, aber minus gut 11 Prozent in der letzten Woche, nachdem wieder Tanker die Meerenge passierten (Reuters).
  • Der Markt handelt die Schiffsdaten: Die Revolutionsgarden stoppten am 31. Juli zwei Tanker, vier drehten ab; zwei beladene VLCCs verließen die Straße, der Verkehr bleibt dünn (Kpler via Reuters). 29 Schiffe passierten am Donnerstag das Bab el-Mandeb.
  • OPEC+ entscheidet am 2. August: erwartet werden rund 188.000 b/d mehr für September, danach eine Pause für den Rest des Jahres (Bloomberg, 28. Juli).
  • US-Daten zeigen beide Seiten: kommerzielle Rohölbestände auf dem tiefsten Stand seit 2018, aber Ölnachfrage im Mai minus 3,5 Prozent; die Reuters-Umfrage sieht Brent 2026 im Schnitt bei 85,22 US$/bbl. Ölpreisindexierte Verträge auf Mittelung prüfen, bevor der nächste Ausschlag durchläuft.

Was treibt den Preis gerade?

Der Markt hat aufgehört, den Krieg zu handeln, und handelt die Schiffsdaten. So formulierte es ein SEB-Analyst gegenüber Reuters, und der Juli-Verlauf belegt es: Brent gewann im Monat 24 Prozent, der stärkste Anstieg seit März, gab aber in der letzten Woche mehr als 11 Prozent von Ständen über 100 US$/bbl ab, als wieder einzelne Tanker die Straße von Hormus passierten. Am Freitag drehte das Vorzeichen erneut: Die Revolutionsgarden stoppten zwei Tanker, vier weitere drehten ab (Fars via Reuters), und Brent schloss bei 90,12 US$/bbl, plus 1,2 Prozent.

Die Schifffahrtslage bleibt ein Tröpfchenverkehr: Zwei beladene Rohöltanker der VLCC-Klasse verließen am Freitag die Meerenge, der Gesamtverkehr bleibt nach Kpler-Daten dünn. Durch das Bab el-Mandeb fuhren am Donnerstag 29 Frachtschiffe, während Saudi-Arabien eine Koalition zum Schutz der südlichen Route aufbaut. Gespräche zwischen Iran und Oman über die Verwaltung der Meerenge laufen weiter; Omans Vorschlag einer gemeinsamen Verwaltung hat Teheran abgelehnt (Reuters, 31. Juli).

Heute entscheidet OPEC+: Erwartet wird eine Erhöhung um rund 188.000 Barrel pro Tag für September, die die Rückgabe des 1,65-Millionen-Pakets abschließt, danach eine Pause für den Rest des Jahres, während die Gruppe die Produktionskapazitäten für die 2027er-Quoten überprüft (Bloomberg, 28. Juli). Ohne freie Durchfahrt bleibt jede Quotenerhöhung allerdings vor allem eine Ankündigung.

Die US-Daten vom Freitag zeigen die Spannung des Marktes in einem Datensatz: Die kommerziellen Rohölbestände fielen auf den tiefsten Stand seit 2018, die Förderung lag im Mai rund 2 Prozent unter dem April-Rekord, die Exporte erreichten den zweiten Rekordmonat in Folge. Zugleich fiel die US-Nachfrage im Mai um mehr als 3,5 Prozent auf den tiefsten Stand seit März 2025: Die Preiszerstörung ist messbar. Die Reuters-Umfrage unter 31 Analysten sieht Brent 2026 im Schnitt bei 85,22 US$/bbl, leicht über der Juni-Erwartung.

Am Rand des Kriegsschauplatzes verschieben sich Routen: Ein Drohnenangriff setzte in Ägyptens Mittelmeerhafen Damietta zwei Gastanker in Brand und rückt den Suezkanal ins Risiko, die Ukraine traf die Raffinerie Wolgograd, und Kasachstans Tengiz-Feld exportiert erstmals seit März wieder über den georgischen Hafen Batumi.

Worauf wir achten: den OPEC+-Beschluss vom 2. August, die täglichen Hormus-Transitdaten und die Frage, ob Damietta ein Einzelfall bleibt oder der Suezkanal zur dritten Engstelle wird.

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Was heißt das konkret für den Einkauf in DACH?

Der Juli ist das stärkste Argument für Mittelung, das dieser Markt seit langem geliefert hat: von rund 72 über 100 auf 90 US$/bbl in einem Monat. Prüfen Sie ölpreisindexierte Verträge (Kunststoffe, Schmierstoffe, Transport, Verpackung) auf Monatsmittel statt Stichtag, und zwar in beide Richtungen: Die Mittelung bremst jetzt den Anstieg und verzögert später den Rückgang.

Nutzen Sie Rücksetzer als Absicherungsfenster statt als Entwarnung. Der Konsens von 85,22 US$/bbl für 2026 (Reuters-Umfrage) liegt unter dem aktuellen Niveau; Teilmengen ölnaher Vorprodukte bei Kursen unter 90 zu sichern, ist günstiger als der Spot im nächsten Eskalationsfall.

Verlangen Sie bei Treibstoff- und Frachtzuschlägen die Aufschlüsselung auf Basis des ICE-Brent-Monatsmittels und ein Verfallsdatum. Pauschale Kriegszuschläge ohne Indexbezug sind verhandelbar, und der Rückgang der letzten Juliwoche gehört in die Gegenrechnung.

Definieren Sie den OPEC+-Beschluss und die wöchentlichen Transitdaten als Prüftermine im Vertrag. Nach dem Damietta-Angriff gehört der Suezkanal auf die Beobachtungsliste: Frachtrouten über das Rote Meer tragen jetzt ein doppeltes Engstellen-Risiko.

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Basisszenario

82 bis 98 US$/bbl Brent Front-Month

In dieser Spanne, solange die Meerenge nur tröpfchenweise passierbar ist. (1) Der Markt handelt die Schiffsdaten: einzelne Transite drücken, Stopps durch die Revolutionsgarden treiben, (2) OPEC+ dürfte am 2. August rund 188.000 b/d für September beschließen und danach pausieren, (3) die sichtbare Nachfragezerstörung (US-Ölnachfrage im Mai minus 3,5 Prozent) begrenzt nach oben. Die Reuters-Analystenerwartung von im Schnitt 85,22 US$/bbl für 2026 liegt mitten in der Spanne.

Risikoszenario

98 bis 115 US$/bbl Brent Front-Month

Die Angriffe erreichen weitere Energie-Infrastruktur der Anrainer oder den Suezkanal (in Damietta brannten am 31. Juli zwei Gastanker nach einem Drohnenangriff), die Houthis machen die Bab-el-Mandeb-Drohung wahr, oder Teheran unterbindet die wieder angelaufenen Transite vollständig. Wahrscheinlichkeit 30 bis 35 Prozent über die nächsten drei Monate.

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Häufig gestellte Fragen

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ICE BRENT FRONT MONTH
90
US$/bbl
1M
+24,0 %
3M
−21,0 %
12M
+36,5 %
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