ENERGIEPREISE
Erdgaspreis aktuell: Preis, Entwicklung und Prognose 2026
11.05.2026
Aktueller Erdgaspreis auf Basis des ICE TTF Front-Month-Futures, mit Trendanalyse zur kritischen EU-Speicherlage (34,3 Prozent am 8. Mai laut GIE, 20,7 Prozentpunkte unter Fünf-Jahres-Saisonschnitt), zu QatarEnergys Force Majeure (17 Prozent der Verflüssigung), zur Hormuz-Volatilität nach den Zwischenfällen vom 5. Mai und zur Speicherverordnung 2025/1733 mit dem 90-Prozent-Füllziel zwischen 1. Oktober und 1. Dezember. Szenarien und Einkaufsempfehlungen für industrielle Beschaffung in DACH.
AUF EINEN BLICK
- TTF Front-Month rund 44,21 €/MWh per 8. Mai 2026 nach dem März-Hoch von über 60 €/MWh. Iran-Krieg hat ein strukturelles Premium hinterlassen, das nicht abgeklungen ist.
- QatarEnergy hat Anfang März auf rund 17 Prozent der Verflüssigungskapazität Force Majeure erklärt. Recovery laut Reuters und Bloomberg in Jahren, nicht Monaten. Europa bezog vor dem Krieg 12 bis 14 Prozent seines LNG aus Katar.
- EU-Speicher per 8. Mai bei 34,3 Prozent laut GIE, 20,7 Prozentpunkte unter dem Fünf-Jahres-Saisonschnitt von 55 Prozent. Erforderliches Injektionstempo bis 1. November: rund 3.462 GWh pro Tag.
- Verordnung 2025/1733 hält am 90-Prozent-Füllziel zwischen 1. Oktober und 1. Dezember fest. Zwischenziele für Februar, Mai, Juli und September sind jetzt indikativ.
Inhalt
Was treibt den Preis gerade?
TTF Front-Month notiert per 8. Mai 2026 rund 44,21 €/MWh, deutlich unter dem März-Hoch von über 60 €/MWh, aber rund 40 Prozent über dem Vorjahresniveau. Der Rückgang seit dem Waffenstillstand vom 8. April hat einen Teil der akuten Risikoprämie aus dem Markt genommen, die strukturelle Lücke bleibt offen. Am 5. Mai meldete das US-Militär die Zerstörung von sechs iranischen Booten vor Fudschaira, die VAE berichteten von iranischen Raketen- und Drohnenangriffen, und der TTF sprang im Tagesverlauf um sieben Prozent. Die Lage in der Straße von Hormuz bleibt unstabil.
QatarEnergy hatte Anfang März auf rund 17 Prozent der eigenen Verflüssigungskapazität Force Majeure erklärt, weil Schiffsverkehr und Anlagen während der Iran-US-Israel-Eskalation getroffen wurden. Die Reparatur der beschädigten Anlagen wird laut Reuters und Bloomberg Jahre dauern, nicht Monate. Europa bezog vor dem Krieg etwa 12 bis 14 Prozent seines LNG aus Katar, mit langlaufenden Verträgen vor allem nach Belgien, Italien und Spanien. Die Lücke wird derzeit über US-LNG und norwegische Pipeline-Mengen geschlossen, beides zu spürbar höheren Spotpreisen.
Innerhalb dieser Lage entscheidet der Sommer den Winter. Die EU-Speicher standen laut GIE am 8. Mai bei 34,3 Prozent, 20,7 Prozentpunkte unter dem Fünf-Jahres-Saisonschnitt von 55 Prozent. Deutschland liegt bei rund 28 Prozent, die Niederlande bei rund 22 Prozent. Das aktuelle Sieben-Tage-Injektionstempo von rund 2.088 GWh pro Tag liegt unter dem rechnerisch erforderlichen Tempo von 3.462 GWh pro Tag, um das 90-Prozent-Ziel bis zum 1. November zu erreichen. Die Verordnung 2025/1733 vom August 2025 verlängert die Speicherregeln bis Ende 2027 und hält am 90-Prozent-Füllziel fest, gibt aber neue Flexibilität: das Ziel kann zwischen 1. Oktober und 1. Dezember erreicht werden, mit einer 10-Prozent-Flexibilitätsmarge und einer möglichen weiteren 5-Prozent-Spanne. Die Zwischenziele für Februar, Mai, Juli und September sind jetzt indikativ.
Brüssel verkauft die Reform als pragmatische Anpassung, der Markt liest sie als Eingeständnis, dass das alte Tempo unter den veränderten Versorgungsbedingungen nicht erreichbar ist. Die EZB hat am 30. April die Inflationsprognose für 2026 auf 2,6 Prozent angehoben, ausdrücklich unter Verweis auf den Nahost-Konflikt.
Für die nächsten vier bis acht Wochen erwarten wir TTF in einer Bandbreite von 40 bis 55 €/MWh, mit hoher Empfindlichkeit gegenüber neuen Hormuz-Zwischenfällen. Der Injektionsdruck über Sommer ist hoch, die LNG-Konkurrenz mit Asien intensiv, und jeder weitere Schock trifft direkt in einen knappen Markt.
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Was heißt das konkret für den Einkauf in DACH?
Wer Q3- und Q4-Volumen kontrahiert, kauft gegen einen aktiven Injektionswettbewerb. Tranchen-Aufteilung mit klar definierten Bezugsmonatsmitteln ist hier die saubere Verhandlungsbasis. Eine einzige Order auf einen festen Tag finanziert die Volatilität, die das Briefing beschreibt, ohne ein Korrektiv. Wer mehrstufig hedgt, fängt mindestens das Band des Basisszenarios ab.
Verlangen Sie von Versorgern eine differenzierte Force-Majeure-Klausel, die zwischen Lieferanten-FM und Upstream-FM unterscheidet. Die zweite Klausel ist die kostspielige, weil sie eine Hormuz-bedingte oder Qatar-bedingte Lieferunterbrechung erfasst. In Standardverträgen wird diese Stufe oft pauschal an den Käufer durchgereicht, was in der aktuellen Lage ein materielles Risiko ist.
Für Industriebetriebe mit eigener Verstromung prüfen Sie aktiv, ob ein Switch zu Strom-Bezug von der EEX im Sommer betriebswirtschaftlich trägt. EEX Cal-27 Baseload liegt bei rund 92,40 €/MWh und atmet mit dem TTF, während Industrie-Strompreise laut BDEW-April-Analyse bei rund 16,0 ct/kWh für mittelständische Anlagen liegen und damit unter dem Effektivpreis einer eigenen Gasverstromung bei aktuellem TTF.
Für Verträge mit indizierten Energiekomponenten, also Eisengießereien, Glasindustrie, Papier, Aluminium-Walzwerke, lohnt sich eine Indexklausel auf TTF-Quartalsmittel statt Spotpreis. Spotpegelung gibt Lieferanten Spielraum für Aufschläge bei Hormuz-Volatilität, eine Quartalsmittel-Pegelung glättet die Pegelung in beide Richtungen.
Für die nächsten zwei Wochen achten Sie auf die GIE-Wochenupdates zu den Speicherständen und auf die Ergebnisse der nationalen Auktionen für strategische Reserven, die mehrere Mitgliedstaaten laut Verordnung 2025/1733 jetzt vorhalten müssen. Beides bewegt TTF kurzfristig stärker als der OPEC-Newsflow.
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Basisszenario
Für die nächsten 4 bis 8 Wochen erwarten wir TTF in einer Bandbreite von 40 bis 55 €/MWh. (1) Hormuz-Verkehr bleibt unter Vorkriegsniveau, Risiko-Premium bleibt sichtbar. (2) Sommer-Injektion in EU-Speicher läuft mit 2.088 GWh pro Tag, deutlich unter dem erforderlichen Tempo von 3.462 GWh pro Tag. (3) QatarEnergy Force Majeure bleibt strukturell, Reparatur dauert Jahre. (4) Verordnung 2025/1733 erlaubt entspannteres Injektionstempo, der Markt nimmt das aber nicht als Entwarnung wahr.
Risikoszenario
Im Risikoszenario steigt TTF auf 55 bis 75 €/MWh. (1) Erneute Hormuz-Eskalation oder weiterer Angriff auf Golf-Energieinfrastruktur. (2) Heißer Sommer in Asien zieht LNG-Spot-Volumen aus dem Markt. (3) Norwegische Pipeline-Wartung verzögert sich, Engineering-Vorfälle in Troll oder Aasta-Hansteen. (4) US-Verflüssigungs-Anlagen melden ungeplante Stillstände. Eintrittswahrscheinlichkeit über 8 Wochen: 25 bis 30 Prozent.
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Häufig gestellte Fragen
Weil die EU gesetzlich vorschreibt, dass Gasspeicher vor dem Winter auf mindestens 90 % gefüllt sein müssen. Die Wiederbefüllung startet 2026 bei nur rund 29 % — deutlich unter dem Vorjahresstand. Das bedeutet, dass Europa im Sommer mehr Gas einkaufen muss, was den TTF-Preis zusätzlich stützt, besonders wenn gleichzeitig katarische LNG-Mengen fehlen.
Dann, wenn der Lieferant in einem gasintensiven Prozess arbeitet und seine Beschaffungslogik tatsächlich von den aktuellen Großhandelspreisen betroffen ist. Die Bundesnetzagentur weist selbst darauf hin, dass Unternehmen mit Terminmarktabsicherung die aktuellen Preiseffekte nicht sofort spüren. Genau diese Trennung — kurzfristig vs. langfristig eingedeckt — ist der zentrale Prüfpunkt in Verhandlungen.
Nein, die Bundesnetzagentur bewertet die Versorgungslage als stabil und das Risiko einer angespannten Versorgungslage als gering. Deutschland importiert LNG aktuell hauptsächlich aus den USA und verfügt über zusätzliche Importwege über Norwegen, die Niederlande, Frankreich und Belgien. Die Auswirkungen sind derzeit vor allem preislicher, nicht physischer Natur.
Deutschland bezieht sein Gas nicht direkt durch die Straße von Hormus, ist aber über den globalen LNG-Markt indirekt betroffen. Katar liefert rund 20 % des globalen LNG-Handels. Wenn diese Mengen ausfallen, steigt der Wettbewerb um verbleibende LNG-Ladungen weltweit — und damit der TTF-Preis, zu dem auch deutsche Importeure einkaufen.
Weil der TTF der zentrale Großhandelsbenchmark für Erdgas in Europa ist. Endkundenpreise enthalten Netzentgelte, Steuern und Lieferantenmarge — sie sind für die Beurteilung von Beschaffungskosten und Preisgleitklauseln im industriellen Einkauf weniger aussagekräftig als der TTF.

