ENERGIEPREISE

Erdgaspreis aktuell: Preis, Entwicklung und Prognose 2026

12.10.2026

Aktueller Erdgaspreis auf Basis des ICE TTF Front-Month (81,43 €/MWh per 9. Oktober, November-Kontrakt, plus 13 Prozent seit dem 25. September). Trendanalyse zu Tankerangriffen auf Rekordniveau bei Hormus, zur verlängerten Force Majeure Katars, zur Anweisung an SEFE, zusätzlich Gas einzuspeichern, und zum Speicherstand in Deutschland und der EU. Einkaufsempfehlungen für die DACH-Beschaffung.

AUF EINEN BLICK

  • Der TTF Front-Month steigt vom 25. September bis 9. Oktober um 13 Prozent auf 81,43 €/MWh, den höchsten Schluss seit dem 14. September. Treiber sind Tankerangriffe auf Rekordniveau bei Hormus und eine verlängerte Force Majeure Katars.
  • Die Hoffnung auf LNG aus Katar hat sich nicht erfüllt: Katar hat die Force Majeure verlängert (Bloomberg, 28. September), und nach ICIS-Daten verschiffte das Land in den ersten sechs Kriegsmonaten 18 Ladungen, nach 509 im Vorjahreszeitraum.
  • Die Bundesregierung wies SEFE am 30. September an, bis 15. Dezember zusätzlich 8 TWh einzuspeichern. Die deutschen Speicher lagen am 9. Oktober bei 59,4 Prozent; die Bundesnetzagentur sieht die Versorgung gewährleistet, erwartet aber einen niedrigen Füllstand am Winterende.
  • Der November-Kontrakt läuft Ende Oktober aus. Mit dem Wechsel auf Dezember kommt Winterbedarf in den Front-Month: Fixieren Sie Teilmengen vor dem Wechsel, nicht danach.

Was treibt den Preis gerade?

Die Entspannung von Ende September war kurz. Damals hatten erste LNG-Tanker aus Katar die Straße von Hormus passiert, und der TTF war bis zum 25. September auf 72,07 €/MWh gefallen. Seitdem hat sich die Lage am Golf verschärft: Vom 28. September bis 5. Oktober zählten Sicherheitsdienste mindestens zwölf Angriffe auf Öl-, LNG- und Flüssiggastanker, so viele wie nie seit Kriegsbeginn, und der Verkehr durch die Meerenge fiel am 6. Oktober auf den tiefsten Stand seit Ende Juli (Reuters, Kpler). Der TTF Front-Month schloss am 9. Oktober bei 81,43 €/MWh, plus 13 Prozent seit dem 25. September und nur 1,4 Prozent unter dem Hoch vom 14. September.

Katar fällt als Lieferant weiter weitgehend aus. Das Land verlängerte am 28. September die Force Majeure auf LNG-Lieferungen (Bloomberg). Nach ICIS-Daten verschiffte Katar in den ersten sechs Kriegsmonaten 18 LNG-Ladungen, nach 509 im Vorjahreszeitraum. QatarEnergy erwartet, dass die erste Einheit der Erweiterung North Field East im November startbereit ist und im ersten Quartal 2027 LNG liefert (Reuters, 7. Oktober). Eine Öffnung der Meerenge ist möglich, aber nicht beschlossen: Iran prüft eine US-Antwort auf einen Vorschlag, die Meerenge binnen sieben Tagen zu öffnen, und US-Präsident Trump schloss Angriffe vor den Wahlen am 3. November aus; die Blockade iranischer Häfen bleibt (Reuters, 8. und 9. Oktober).

In Deutschland greift der Staat ein. Die Bundesregierung wies den staatseigenen Importeur SEFE am 30. September an, bis 15. Dezember zusätzlich 8 TWh einzuspeichern (Reuters, Bloomberg). Die deutschen Speicher lagen am 9. Oktober bei 59,4 Prozent und damit nach Angaben der Bundesnetzagentur deutlich unter den Vergleichszeiträumen der Vorjahre. Die Behörde hält das Erreichen der Füllstandsvorgaben im November für die Versorgungssicherheit nicht für zwingend, erwartet aber einen vergleichsweise niedrigen Füllstand am Ende des Winters; das Versorgungsrisiko bewertet sie als gering.

Europaweit ist die Lage ähnlich. Der Verband der Fernleitungsnetzbetreiber ENTSOG beziffert die EU-Speicher am 1. Oktober auf 72 Prozent und warnt in seinem Winterausblick vom 8. Oktober, dass sie bis Ende des Winters deutlich unter 30 Prozent fallen könnten, wenn LNG knapp bleibt. ENTSOG empfiehlt, auch zu Beginn des Winters weiter einzuspeichern. Worauf wir achten: ob Iran den Sieben-Tage-Vorschlag annimmt, das Tempo der Einspeicherung in Deutschland und den Wechsel auf den Dezember-Kontrakt Ende Oktober.

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Was heißt das konkret für den Einkauf in DACH?

Fixieren Sie Teilmengen vor dem Kontraktwechsel. Der November-Kontrakt läuft Ende Oktober aus, danach ist der Dezember-Kontrakt mit vollem Winterbedarf der Front-Month. Wer offene Mengen für das erste Quartal 2027 hat, sichert jetzt einen Teil ab und staffelt den Rest über mehrere Termine. Eine einzelne große Fixierung auf 81 €/MWh ist bei der Bandbreite zwischen einer möglichen Öffnung von Hormus und einem frühen Kälteeinbruch ein unnötiges Risiko.

Prüfen Sie gasbedingte Aufschläge gegen die Absicherung des Lieferanten. Wer langfristig am Terminmarkt eingedeckt ist, spürt den Anstieg der letzten zwei Wochen nicht sofort. Ein Aufschlag ist plausibel, wenn der Lieferant gasintensiv produziert und kurzfristig einkauft; verlangen Sie den Nachweis, welcher Anteil seines Bedarfs offen ist.

Klären Sie die Reaktion gasintensiver Lieferanten auf eine angespannte Lage im Spätwinter. Die Bundesnetzagentur sieht die Versorgung gewährleistet, erwartet aber einen niedrigen Speicherstand am Ende des Winters, und ENTSOG hält einen Rückgang der EU-Speicher deutlich unter 30 Prozent für möglich. Fragen Sie Lieferanten mit hohem Gasanteil, wie sie auf einen Aufruf zur Verbrauchsreduktion reagieren würden und welche Mengen dann gesichert sind.

Koppeln Sie Preisgleitklauseln an den TTF-Monatsmittelwert und an klare Ereignisse. Tagesbewegungen von mehreren Prozent sind derzeit normal. Ein Monatsmittel glättet sie, und eine umgesetzte Öffnung von Hormus oder regelmäßige LNG-Abfahrten aus Katar sind bessere Anlässe für eine Überprüfung als ein einzelner Tageskurs.

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Basisszenario

72 bis 88 €/MWh TTF Front-Month

In dieser Spanne über die nächsten sechs bis acht Wochen. (1) Tankerangriffe auf Rekordniveau und die verlängerte Force Majeure Katars halten die Risikoprämie im Preis, (2) Speicher von 59,4 Prozent in Deutschland und rund 72 Prozent in der EU zwingen zum Einspeichern bis in den Dezember, (3) der Wechsel auf den Dezember-Kontrakt bringt Winterbedarf in den Front-Month, (4) die Gespräche über eine Öffnung von Hormus begrenzen nach oben.

Risikoszenario

88 bis 105 €/MWh TTF Front-Month

Ein früher Kälteeinbruch trifft auf Speicher deutlich unter Vorjahr, ein Angriff trifft LNG-Infrastruktur oder LNG-Tanker vor Katar, oder die asiatische Nachfrage zieht zusätzliche Ladungen aus den USA ab. Wahrscheinlichkeit rund 30 Prozent über die nächsten acht Wochen. Erst regelmäßige Abfahrten aus Katar nach einer umgesetzten Öffnung der Meerenge würden umgekehrt den Weg unter 70 €/MWh öffnen.

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Häufig gestellte Fragen

Warum sind die EU-Speicherfüllstände für den Gaspreis relevant?
+

Weil die EU vorschreibt, dass die Gasspeicher vor dem Winter gefüllt sein müssen. Das Ziel liegt weiterhin bei 90 Prozent, jedoch mit einem festen Spielraum von 10 Prozentpunkten, sodass 80 Prozent als Erfüllung zählen; erreicht werden muss es nicht an einem Stichtag, sondern irgendwann zwischen dem 1. Oktober und dem 1. Dezember, und bei schwierigen Marktbedingungen kann die Kommission weitere 5 Prozentpunkte einräumen. Das Regime läuft bis zum 31. Dezember 2027. Am 1. Oktober lagen die EU-Speicher bei 72 Prozent (ENTSOG), die deutschen am 9. Oktober bei 59,4 Prozent (Bundesnetzagentur). ENTSOG warnt, dass die EU-Speicher bis Winterende deutlich unter 30 Prozent fallen könnten, wenn LNG knapp bleibt, und empfiehlt, auch zu Beginn des Winters weiter einzuspeichern. Für den Preis heißt das: Europa muss bis in den Dezember einspeichern und konkurriert dabei mit Asien um LNG, während jeder Kälteeinbruch den Druck erhöht.

Wann ist ein gasbedingter Preisaufschlag eines Lieferanten plausibel?
+

Dann, wenn der Lieferant in einem gasintensiven Prozess arbeitet und seine Beschaffungslogik tatsächlich von den aktuellen Großhandelspreisen betroffen ist. Die Bundesnetzagentur weist selbst darauf hin, dass Unternehmen mit Terminmarktabsicherung die aktuellen Preiseffekte nicht sofort spüren. Genau diese Trennung (kurzfristig gegen langfristig eingedeckt) ist der zentrale Prüfpunkt in Verhandlungen.

Ist die aktuelle Gasversorgung in Deutschland gefährdet?
+

Physisch läuft die Versorgung weiter: Deutschland importiert LNG hauptsächlich aus den USA und verfügt über Importwege über Norwegen, die Niederlande, Frankreich und Belgien, die nicht von Hormus abhängen. Die Bundesnetzagentur bewertet das Versorgungsrisiko in ihrem Lagebericht vom 9. Oktober als gering. Angespannter ist die Vorsorgelage: Die deutschen Speicher lagen am 9. Oktober bei 59,4 Prozent und damit deutlich unter den Vergleichszeiträumen der Vorjahre. Die Behörde hält das Erreichen der Füllstandsvorgaben im November für die Versorgungssicherheit nicht für zwingend, erwartet aber einen vergleichsweise niedrigen Füllstand am Winterende. Die Bundesregierung hat SEFE angewiesen, bis 15. Dezember zusätzlich 8 TWh einzuspeichern (Reuters, 30. September). Für den Einkauf heißt das: Klären Sie bei gasintensiven Lieferanten, wie sie auf einen Aufruf zur Verbrauchsreduktion reagieren würden.

Wie wirkt sich die Hormuz-Blockade konkret auf deutsche Gaspreise aus?
+

Deutschland bezieht sein Gas nicht direkt durch die Straße von Hormus, ist aber über den globalen LNG-Markt unmittelbar betroffen. Katar liefert 12 bis 14 Prozent des europäischen LNG durch die Meerenge. Die ersten Transite Ende September haben keine Wende gebracht: Katar verlängerte am 28. September die Force Majeure (Bloomberg), nach ICIS-Daten verschiffte das Land in den ersten sechs Kriegsmonaten 18 Ladungen nach 509 im Vorjahreszeitraum, und vom 28. September bis 5. Oktober gab es mindestens zwölf Angriffe auf Tanker in der Region (Reuters). Der TTF Front-Month stieg bis zum 9. Oktober auf 81,43 €/MWh. Iran prüft eine US-Antwort auf einen Vorschlag, die Meerenge binnen sieben Tagen zu öffnen (Reuters, 8. Oktober). Solange keine regelmäßigen Abfahrten aus Katar möglich sind, bleibt die Risikoprämie im Preis.

Warum zeigt die Seite den TTF-Benchmark und nicht den deutschen Endkundenpreis?
+

Weil der TTF der zentrale Großhandelsbenchmark für Erdgas in Europa ist. Endkundenpreise enthalten Netzentgelte, Steuern und Lieferantenmarge; sie sind für die Beurteilung von Beschaffungskosten und Preisgleitklauseln im industriellen Einkauf weniger aussagekräftig als der TTF.

ICE TTF FRONT MONTH
81,43
€/MWh
1M
+2,8 %
3M
+62,5 %
12M
+151,6 %
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