ENERGIEPREISE

Erdgaspreis aktuell: Preis, Entwicklung und Prognose 2026

06.07.2026

Aktueller Erdgaspreis auf Basis des ICE TTF Front-Month-Futures (45,25 €/MWh per 3. Juli, Drei-Wochen-Hoch). Trendanalyse zu Irans Absage direkter Gespräche am 30. Juni und der Hitzewelle quer durch Europa, zur EU-Speicherlücke (48,6 Prozent per 30. Juni, 16,4 Punkte unter dem Saisonschnitt), zur Minenräumung in der Straße von Hormuz (80 Minen, geschätzt zwei Monate) und zum schrittweisen QatarEnergy-Hochlauf. Szenarien und Einkaufsempfehlungen für industrielle Beschaffung in DACH.

AUF EINEN BLICK

  • TTF Front-Month per 3. Juli bei 45,25 €/MWh, ein Drei-Wochen-Hoch: Iran lehnte am 30. Juni direkte Gespräche ab, und die Hitzewelle hebt den Gasbedarf.
  • Hormuz öffnet sich nur langsam: Bedrohungsstufe auf SUBSTANTIAL gesenkt, aber 80 Minen liegen in der Meerenge (geschätzt zwei Monate Räumung), über 350 Schiffe warten.
  • EU-Speicher bei 48,6 Prozent (30. Juni, AGSI+): Die Injektionsrate reicht rechnerisch für das 80-Prozent-Ziel, aber die Füllung liegt 16,4 Punkte unter dem Saisonschnitt, so niedrig wie seit 2022 nicht.
  • Winterbedarf 2026/27 weiter in Tranchen sichern; das Fixierungsfenster öffnet sich erst mit sichtbarem Fortschritt bei Minenräumung und LNG-Raten.

Was treibt den Preis gerade?

Die Hormuz-Diplomatie stockt. Iran hat am 30. Juni direkte Gespräche mit US-Unterhändlern in Doha abgelehnt und besteht auf indirekten Verhandlungen über Vermittler. Der TTF Front-Month sprang daraufhin zurück über 45 €/MWh und notiert per 3. Juli bei 45,25 €/MWh, ein Drei-Wochen-Hoch. Verstärkt wird die Bewegung durch eine Hitzewelle quer durch Europa, die den Gasbedarf für Klimatisierung und Stromerzeugung hebt.

Physisch öffnet sich die Meerenge nur langsam. Das Rahmenabkommen von Mitte Juni ist in Kraft, das Joint Maritime Information Center hat die Bedrohungsstufe von SEVERE auf SUBSTANTIAL gesenkt. Aber 80 Marineminen liegen noch in der Straße von Hormuz, die Räumung dauert geschätzt zwei Monate, und über 350 Schiffe warten auf Durchfahrt. Die LNG-Lieferungen laufen erst nach und nach wieder an; der QatarEnergy-Hochlauf bleibt schrittweise. Europa bezieht 12 bis 14 Prozent seines LNG aus Katar.

Die Speicherseite bessert sich, bleibt aber die Achillesferse. Die EU-Gasspeicher liegen bei 48,6 Prozent (Stand 30. Juni, AGSI+), nach 46 Prozent zwei Wochen zuvor. Die Injektionsrate von knapp 3.900 GWh pro Tag reicht rechnerisch für das auf 80 Prozent abgesenkte Ziel zum 1. November, aber die Füllung liegt 16,4 Prozentpunkte unter dem Saisonschnitt von 65 Prozent, die niedrigste saisonale Füllung seit 2022. Die Sommerkäufe stützen den Preis nach unten ab.

Worauf wir achten: den Fortschritt der indirekten Gespräche in Doha, das Tempo der Minenräumung und die Injektionsrate im Juli. Erst wenn die LNG-Raten sichtbar steigen, fällt der TTF nachhaltig zurück unter 40 €/MWh.

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Was heißt das konkret für den Einkauf in DACH?

Behandeln Sie den TTF-Rücksprung als Erinnerung, nicht als Trendwechsel: Die Risikoprämie kommt zurück, sobald die Diplomatie stockt. Staffeln Sie den Winterbedarf 2026/27 weiter in Tranchen: eine erste ist idealerweise gesichert, die zweite folgt bei einem nachhaltigen TTF unter 40 €/MWh, die dritte bleibt flexibel für den Eskalationsfall.

Indexieren Sie Gasverträge auf das TTF-Monatsmittel mit definiertem Bezugsmonat und prüfen Sie die Symmetrie der Klausel. Bei Sprüngen wie dem vom 1. Juli entscheidet die Mechanik, wer die Bewegung trägt.

Beobachten Sie Minenräumung und LNG-Raten als Vorlaufindikatoren. Sobald die indirekten Gespräche Ergebnisse zeigen und die Lieferungen stabil fließen, öffnet sich das Fixierungsfenster für die zweite Tranche; wer vorher fixiert, zahlt die aktuelle Risikoprämie fest ein.

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Basisszenario

38 bis 48 €/MWh TTF Front-Month

In dieser Spanne über die nächsten vier bis sechs Wochen. (1) Die indirekten Verhandlungen tragen das Rahmenabkommen im Kern weiter, (2) die LNG-Lieferungen laufen mit der Minenräumung schrittweise an, (3) die Speicherkäufe für das 80-Prozent-Ziel stützen den Boden, (4) die Hitzewelle hält den Bedarf vorerst hoch. Zeigen die Gespräche Ergebnisse, fällt der TTF zurück unter 40 €/MWh.

Risikoszenario

48 bis 60 €/MWh TTF Front-Month

Die Vermittlung in Doha scheitert, die Minenräumung stockt, oder ein heißer Sommer in Asien zieht LNG-Ladungen ab. Wahrscheinlichkeit 30 bis 35 Prozent über die nächsten acht Wochen.

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Häufig gestellte Fragen

Warum sind die EU-Speicherfüllstände für den Gaspreis relevant?
+

Weil die EU vorschreibt, dass die Gasspeicher vor dem Winter gut gefüllt sein müssen. Für 2026 wurde das verbindliche Ziel von 90 auf 80 Prozent zum 1. November abgesenkt. Die Speicher liegen aktuell bei 48,6 Prozent (Stand 30. Juni), deutlich unter dem saisonalen Schnitt von 65 Prozent; die Injektionsrate von knapp 3.900 GWh pro Tag reicht rechnerisch für das Ziel. Das bedeutet: Europa muss im Sommer viel Gas einkaufen, was den TTF-Preis stützt, besonders solange die katarischen LNG-Mengen erst schrittweise zurückkehren.

Wann ist ein gasbedingter Preisaufschlag eines Lieferanten plausibel?
+

Dann, wenn der Lieferant in einem gasintensiven Prozess arbeitet und seine Beschaffungslogik tatsächlich von den aktuellen Großhandelspreisen betroffen ist. Die Bundesnetzagentur weist selbst darauf hin, dass Unternehmen mit Terminmarktabsicherung die aktuellen Preiseffekte nicht sofort spüren. Genau diese Trennung — kurzfristig vs. langfristig eingedeckt — ist der zentrale Prüfpunkt in Verhandlungen.

Ist die aktuelle Gasversorgung in Deutschland gefährdet?
+

Nein, die Bundesnetzagentur bewertet die Versorgungslage als stabil und das Risiko einer angespannten Versorgungslage als gering. Deutschland importiert LNG aktuell hauptsächlich aus den USA und verfügt über zusätzliche Importwege über Norwegen, die Niederlande, Frankreich und Belgien. Die Auswirkungen sind derzeit vor allem preislicher, nicht physischer Natur.

Wie wirkt sich die Hormuz-Blockade konkret auf deutsche Gaspreise aus?
+

Deutschland bezieht sein Gas nicht direkt durch die Straße von Hormuz, ist aber über den globalen LNG-Markt indirekt betroffen. Katar liefert 12 bis 14 Prozent des europäischen LNG durch die Meerenge. Das Rahmenabkommen von Mitte Juni ist in Kraft und die Bedrohungsstufe wurde auf SUBSTANTIAL gesenkt, aber 80 Marineminen liegen noch in der Meerenge, und Iran verhandelt seit dem 30. Juni nur indirekt über Vermittler. Solange die LNG-Lieferungen erst schrittweise anlaufen, schwankt der TTF mit jedem diplomatischen Signal, wie der Rücksprung über 45 €/MWh Anfang Juli zeigt.

Warum zeigt die Seite den TTF-Benchmark und nicht den deutschen Endkundenpreis?
+

Weil der TTF der zentrale Großhandelsbenchmark für Erdgas in Europa ist. Endkundenpreise enthalten Netzentgelte, Steuern und Lieferantenmarge — sie sind für die Beurteilung von Beschaffungskosten und Preisgleitklauseln im industriellen Einkauf weniger aussagekräftig als der TTF.

ICE TTF FRONT MONTH
45,25
€/MWh
1M
−6,5 %
3M
+20,0 %
12M
+30,0 %
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