ENERGIEPREISE

Erdgaspreis aktuell: Preis, Entwicklung und Prognose 2026

28.09.2026

Aktueller Erdgaspreis auf Basis des ICE TTF Front-Month (72,07 €/MWh per 25. September, minus 9,4 Prozent zur Vorwoche). Trendanalyse zur Warnung der Bundesnetzagentur, dass der Speicherstand vor dem Winter nicht mehr erreichbar ist, zu den ersten LNG-Ladungen durch Hormus seit Monaten, zum abgelehnten iranischen Öffnungsplan und zum Speicherstand in Deutschland und der EU. Einkaufsempfehlungen für die DACH-Beschaffung.

AUF EINEN BLICK

  • Die Bundesnetzagentur hält den Speicherstand von 80 Prozent vor dem Winter nicht mehr für erreichbar (Müller, 16. September). Deutschland liegt am 25. September bei 57,15 Prozent, rund 20 Punkte unter Vorjahr.
  • Der TTF fällt am 25. September auf 72,07 €/MWh, minus 9,4 Prozent zur Vorwoche, weil erstmals seit Monaten mehrere LNG-Ladungen Hormus passieren (Bloomberg). Der Rückgang ist eine Chance für die Eindeckung.
  • Trump lehnt am 26. September Irans Plan zur Öffnung der Meerenge ab (Reuters). Eine regelmäßige Versorgung aus Katar bleibt damit offen.
  • Die EU-Speicher stehen bei rund 70 Prozent, das Ziel von 80 Prozent muss bis 1. Dezember erreicht werden. Europa geht mit weniger Puffer in den Winter als im Vorjahr.

Was treibt den Preis gerade?

Die Bundesnetzagentur hält das Speicherziel vor dem Winter nicht mehr für erreichbar. Präsident Klaus Müller sagte am 16. September, der Füllstand von 80 Prozent sei wohl nicht mehr zu schaffen, und forderte die Händler auf, im September und Oktober weiter einzuspeichern. Am 23. September legte er nach: Die Behörde erwarte, dass die Gashändler ihrer Verantwortung nachkommen. Die deutschen Speicher lagen am 25. September bei 57,15 Prozent, rund 20 Prozentpunkte unter dem Vorjahr. Gesetzlich gefordert sind zum 1. November im Durchschnitt aller Speicher rund 70 Prozent (BDEW). Die EU-Speicher standen am 23. September bei rund 70 Prozent, das EU-Ziel von 80 Prozent muss zwischen dem 1. Oktober und dem 1. Dezember erreicht werden.

Der Preis ist trotzdem gefallen. Der TTF Front-Month schloss am 25. September bei 72,07 €/MWh, 9,4 Prozent unter der Vorwoche und deutlich unter dem Hoch von 82,57 €/MWh am 14. September. Der Grund liegt am Golf: Nach Bloomberg passierten in der Woche bis zum 24. September mindestens zwei beladene LNG-Tanker die Straße von Hormus, der meiste Verkehr seit mehr als zwei Monaten; vor dem Krieg waren es rund drei Ladungen pro Tag. Katars Energieminister Al-Kaabi erklärte, unbeschädigte Teile von Ras Laffan könnten innerhalb weniger Wochen nach einer Öffnung der Meerenge wieder produzieren.

Die Aussicht auf diese Öffnung hat sich am Wochenende wieder eingetrübt. Iran legte am 25. September einen Sieben-Tage-Plan zur Öffnung vor, US-Präsident Trump lehnte ihn am 26. September ab (Reuters, Al Jazeera). Zum Wochenstart stieg der TTF wieder in Richtung 73 €/MWh. Solange Katar nur einzelne Ladungen unter Geleit verschiffen kann, bleibt Europa auf LNG aus den USA und auf norwegisches Pipelinegas angewiesen.

Für die Preisbildung im Winter entscheidet jetzt das Einspeichertempo. Mit rund 57 Prozent in Deutschland und rund 70 Prozent in der EU Ende September startet Europa mit deutlich weniger Puffer in die Heizperiode als im Vorjahr. Jeder Kälteeinbruch im Oktober oder November trifft einen Markt, der noch einspeichern muss. Der Oktober-Kontrakt läuft Ende September aus, ab dann ist der November-Kontrakt Front-Month.

Worauf wir achten: das Einspeichertempo in Deutschland, weitere LNG-Transite durch Hormus und die ersten Temperaturprognosen für Oktober.

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Was heißt das konkret für den Einkauf in DACH?

Nutzen Sie den Rückgang für die Eindeckung des ersten Quartals 2027. Der TTF liegt knapp 13 Prozent unter dem Hoch vom 14. September, aber die Speicher sind niedriger gefüllt als im Vorjahr, und die Öffnung von Hormus ist nach der Ablehnung am 26. September wieder offen. Wer für den Winter noch offene Mengen hat, deckt jetzt Teilmengen ein, statt auf einen weiteren Rückgang zu setzen, der vom Wetter und von Einzelladungen abhängt.

Prüfen Sie die Gaszuschläge Ihrer Lieferanten auf die Beschaffungslogik. Ein Lieferant, der seinen Bedarf auf dem Terminmarkt abgesichert hat, spürt den Anstieg seit Juni erst mit Verzögerung. Fragen Sie nach Absicherungsquote und Laufzeit, bevor Sie einen Aufschlag akzeptieren, der mit dem Tagespreis begründet wird. Der Rückgang der letzten Woche ist zugleich ein Argument gegen neue Erhöhungen im Oktober.

Klären Sie die Versorgungssicherheit gasintensiver Lieferanten für den Winter. Die Bundesnetzagentur warnt öffentlich vor einem zu niedrigen Speicherstand. Fragen Sie Lieferanten in Chemie, Glas, Keramik oder Wärmebehandlung, wie sie auf einen Aufruf zur Verbrauchsreduktion reagieren würden und ob sie auf andere Energieträger ausweichen können. Diese Antworten gehören in die Risikobewertung vor dem Winter.

Koppeln Sie Energiezuschläge an eine veröffentlichte Referenz. Eine Gleitklausel auf den TTF-Monatsdurchschnitt mit Anpassung nach oben wie nach unten schützt Sie vor pauschalen Krisenzuschlägen und den Lieferanten vor Verlusten bei einem erneuten Anstieg. Beachten Sie den Kontraktwechsel zum Monatsende, damit die Klausel auf den richtigen Monat referenziert.

Behalten Sie die Speicherwerte wöchentlich im Blick. Die Daten der GIE AGSI sind öffentlich und zeigen früh, ob Deutschland den Rückstand zum Vorjahr verkleinert. Ein langsames Einspeichertempo im Oktober ist das deutlichste Warnsignal für den Winterpreis und sollte Ihre Eindeckungsentscheidungen stärker bestimmen als einzelne Tagesbewegungen am Terminmarkt.

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Basisszenario

65 bis 82 €/MWh TTF Front-Month

In dieser Spanne über die nächsten sechs bis acht Wochen. (1) Erste LNG-Ladungen aus Katar passieren Hormus unter Geleit und haben den Preis vom Hoch bei 82,57 €/MWh gedrückt, (2) die abgelehnte Öffnung der Meerenge hält die Risikoprämie im Preis, (3) Speicherstände von rund 57 Prozent in Deutschland und 70 Prozent in der EU zwingen zum Einspeichern bis in den November, (4) milde Temperaturen im Oktober würden den Druck mindern.

Risikoszenario

82 bis 100 €/MWh TTF Front-Month

Ein früher Kälteeinbruch trifft auf Speicher, die das Ziel verfehlen, die Angriffe am Golf erreichen weitere LNG-Infrastruktur, oder die asiatische Nachfrage zieht zusätzliche Ladungen ab. Wahrscheinlichkeit 30 bis 35 Prozent über die nächsten acht Wochen. Erst regelmäßige Katar-Abfahrten nach einer umgesetzten Öffnung der Meerenge würden umgekehrt den Weg unter 65 €/MWh öffnen.

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Häufig gestellte Fragen

Warum sind die EU-Speicherfüllstände für den Gaspreis relevant?
+

Weil die EU vorschreibt, dass die Gasspeicher vor dem Winter gefüllt sein müssen. Das Ziel liegt weiterhin bei 90 Prozent, jedoch mit einem festen Spielraum von 10 Prozentpunkten, sodass 80 Prozent als Erfüllung zählen; erreicht werden muss es nicht an einem Stichtag, sondern irgendwann zwischen dem 1. Oktober und dem 1. Dezember, und bei schwierigen Marktbedingungen kann die Kommission weitere 5 Prozentpunkte einräumen. Das Regime läuft bis zum 31. Dezember 2027. Ende September lagen die EU-Speicher bei rund 70 Prozent (23. September) und die deutschen bei 57,15 Prozent (25. September, GIE AGSI), rund 20 Prozentpunkte unter dem Vorjahr. In Deutschland sind zum 1. November im Durchschnitt aller Speicher rund 70 Prozent gefordert; Bundesnetzagentur-Präsident Müller hält den Füllstand von 80 Prozent vor dem Winter nicht mehr für erreichbar (16. September). Für den Preis heißt das: Europa muss bis in den November einspeichern und konkurriert dabei mit Asien um LNG, während jeder Kälteeinbruch den Druck erhöht.

Wann ist ein gasbedingter Preisaufschlag eines Lieferanten plausibel?
+

Dann, wenn der Lieferant in einem gasintensiven Prozess arbeitet und seine Beschaffungslogik tatsächlich von den aktuellen Großhandelspreisen betroffen ist. Die Bundesnetzagentur weist selbst darauf hin, dass Unternehmen mit Terminmarktabsicherung die aktuellen Preiseffekte nicht sofort spüren. Genau diese Trennung (kurzfristig gegen langfristig eingedeckt) ist der zentrale Prüfpunkt in Verhandlungen.

Ist die aktuelle Gasversorgung in Deutschland gefährdet?
+

Physisch läuft die Versorgung weiter: Deutschland importiert LNG hauptsächlich aus den USA und verfügt über Importwege über Norwegen, die Niederlande, Frankreich und Belgien, die nicht von Hormus abhängen. Der BDEW erklärte am 4. September 2026, es gebe weder in Deutschland noch in der EU ein Mengenproblem. Die Wirkung der Blockade ist deshalb vor allem preislich. Angespannter ist die Vorsorgelage: Die deutschen Speicher lagen am 25. September bei 57,15 Prozent, rund 20 Prozentpunkte unter dem Vorjahr, bei einer gesetzlichen Vorgabe von durchschnittlich rund 70 Prozent zum 1. November. Bundesnetzagentur-Präsident Müller hält den Füllstand von 80 Prozent vor dem Winter nicht mehr für erreichbar und fordert die Händler auf, weiter einzuspeichern (16. und 23. September). Für den Einkauf heißt das: Klären Sie bei gasintensiven Lieferanten, wie sie auf einen Aufruf zur Verbrauchsreduktion reagieren würden.

Wie wirkt sich die Hormuz-Blockade konkret auf deutsche Gaspreise aus?
+

Deutschland bezieht sein Gas nicht direkt durch die Straße von Hormus, ist aber über den globalen LNG-Markt unmittelbar betroffen. Katar liefert 12 bis 14 Prozent des europäischen LNG durch die Meerenge. Ende September kommt erstmals wieder Bewegung in den Verkehr: Nach Bloomberg passierten in der Woche bis zum 24. September mindestens zwei beladene LNG-Tanker Hormus, der meiste Verkehr seit mehr als zwei Monaten, vor dem Krieg waren es rund drei Ladungen pro Tag. Der TTF Front-Month fiel daraufhin bis zum 25. September auf 72,07 €/MWh, minus 9,4 Prozent zur Vorwoche. Eine reguläre Öffnung bleibt offen: US-Präsident Trump lehnte am 26. September einen iranischen Sieben-Tage-Plan ab (Reuters). Katar stellt in Aussicht, dass unbeschädigte Teile von Ras Laffan binnen weniger Wochen nach einer Öffnung wieder produzieren. Solange nur einzelne Ladungen unter Geleit fahren, bleibt die Risikoprämie im Preis.

Warum zeigt die Seite den TTF-Benchmark und nicht den deutschen Endkundenpreis?
+

Weil der TTF der zentrale Großhandelsbenchmark für Erdgas in Europa ist. Endkundenpreise enthalten Netzentgelte, Steuern und Lieferantenmarge; sie sind für die Beurteilung von Beschaffungskosten und Preisgleitklauseln im industriellen Einkauf weniger aussagekräftig als der TTF.

ICE TTF FRONT MONTH
72,07
€/MWh
1M
+8,2 %
3M
+78,4 %
12M
+122,0 %
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