ENERGIEPREISE

Erdgaspreis aktuell: Preis, Entwicklung und Prognose 2026

08.06.2026

Aktueller Erdgaspreis auf Basis des ICE TTF Front-Month-Futures (4. Juni: 48,76 €/MWh). Trendanalyse zur am 1. Juni erneut gescheiterten Iran-US-Verhandlung, zum EU-Speicher-Stand von rund 40 Prozent, zum Preisboden von 45 bis 48 €/MWh durch die Hormuz-Blockade und den QatarEnergy-Wiederaufbau sowie zum gefährdeten 80-Prozent-Speicherziel zum 1. November. Szenarien und Einkaufsempfehlungen für industrielle Beschaffung in DACH.

AUF EINEN BLICK

  • TTF Front-Month per 4. Juni bei 48,76 €/MWh. Der Rücksetzer unter 47 €/MWh Ende Mai war kurzlebig, weil die Iran-US-Gespräche am 1. Juni erneut scheiterten.
  • EU-Gasspeicher bei rund 40 Prozent, 15 Punkte unter dem saisonalen Schnitt. Das 80-Prozent-Ziel zum 1. November wird bei aktuellem Tempo verfehlt.
  • Der Preisboden liegt durch die Hormuz-Blockade und den QatarEnergy-Wiederaufbau bei 45 bis 48 €/MWh, nicht bei 35 bis 40 €/MWh wie vor der Blockade.
  • Wer Winterbedarf 2026/27 noch nicht gesichert hat, sollte die erste Tranche jetzt schließen.

Was treibt den Preis gerade?

Die Iran-US-Verhandlungen sind am 1. Juni erneut gescheitert. Teheran fordert einen vollständigen israelischen Rückzug als Vorbedingung, Washington spricht von laufenden Gesprächen. Der TTF Front-Month steht per 4. Juni bei 48,76 €/MWh. Der Rücksetzer unter 47 €/MWh Ende Mai war damit nur kurzlebig.

Durch die fortdauernde Blockade der Straße von Hormuz und den jahrelangen Wiederaufbau der QatarEnergy-Verflüssigung liegt der Preisboden bei 45 bis 48 €/MWh, nicht bei 35 bis 40 €/MWh wie vor der Blockade. Wer auf ein Vor-Konflikt-Niveau wartet, kalkuliert gegen eine Struktur, die sich verschoben hat.

Dazu kommt die Speicherlücke. Die EU-Gasspeicher stehen per 4. Juni bei rund 40 Prozent, 15 Punkte unter dem saisonalen Durchschnitt. Selbst nach der Absenkung des Speicherziels auf 80 Prozent wird Europa das Ziel zum 1. November bei derzeitigem Tempo verfehlen.

Ab September müssen Versorger auf dem Spotmarkt nachkaufen. Das zieht die TTF-Forwards für Q4 an, und Gasverträge, die heute noch auf aktuellem Niveau fixierbar sind, werden teurer. Die Injektionsrate bis Anfang Juli ist deshalb die entscheidende Größe: Bleibt Europa unter 50 Prozent Füllung, verschiebt sich das Preisniveau für jede offene Gas- und Stromausschreibung im zweiten Halbjahr dauerhaft nach oben.

Der VAE-Austritt aus OPEC+ wirkt auf den Gasmarkt nur mittelbar über die Öl-Kopplung und die allgemeine Energiepreislage, nicht auf den TTF-Tagespreis.

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Was heißt das konkret für den Einkauf in DACH?

Wer Winterbedarf 2026/27 noch nicht gesichert hat, sollte die erste Tranche jetzt schließen statt auf fallende Preise zu warten. Hormuz ist seit vier Monaten geschlossen, und die diplomatischen Signale sind widersprüchlich. Bei dieser Ausgangslage ist eine Staffelung in mehreren Tranchen sinnvoller als eine Wette auf eine Öffnung.

Indexieren Sie Gasverträge auf das TTF-Monatsmittel mit klar definiertem Bezugsmonat, nicht auf einen Stichtag und nicht auf eine undefinierte Marktnotierung. Eine einzige Order auf einen festen Tag finanziert die Volatilität ohne Korrektiv.

Prüfen Sie, ob die Preisklausel in beide Richtungen gleich wirkt. Ob nach Monatsdurchschnitt oder Stichtag abgerechnet wird, bestimmt Ihren Spielraum bei fallenden Preisen.

Bei einer diplomatischen Lösung entsteht ein kurzes Fixierungsfenster auf 15 bis 25 Prozent niedrigerem Niveau. Wer dann nicht vorbereitet ist, verpasst es. Umgekehrt wird bei Eskalation jede nicht fixierte Tranche sofort teurer.

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Basisszenario

42 bis 55 €/MWh TTF Front-Month

Für die nächsten 4 bis 6 Wochen erwarten wir 42 bis 55 €/MWh. (1) Die Hormuz-Blockade hält den Preisboden bei 45 bis 48 €/MWh statt bei 35 bis 40. (2) Die EU-Speicher liegen bei rund 40 Prozent, 15 Punkte unter dem saisonalen Schnitt. (3) Der lange QatarEnergy-Wiederaufbau bleibt strukturell wirksam. (4) Der VAE-OPEC-Austritt wirkt mittelfristig, nicht auf den Tagespreis.

Risikoszenario

55 bis 75 €/MWh TTF Front-Month

Bei erneuter Hormuz-Eskalation oder einem endgültigen Scheitern der US-Iran-Gespräche sehen wir 55 bis 75 €/MWh. Treiber: (1) Wegfall des Risikoabschlags, (2) heißer asiatischer Sommer zieht LNG ab, (3) norwegische Wartung, (4) Ausfälle bei der US-Verflüssigung. Wahrscheinlichkeit 25 bis 30 Prozent über die nächsten 8 Wochen.

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Häufig gestellte Fragen

Warum sind die EU-Speicherfüllstände für den Gaspreis relevant?
+

Weil die EU gesetzlich vorschreibt, dass Gasspeicher vor dem Winter auf mindestens 90 % gefüllt sein müssen. Die Wiederbefüllung startet 2026 bei nur rund 29 % — deutlich unter dem Vorjahresstand. Das bedeutet, dass Europa im Sommer mehr Gas einkaufen muss, was den TTF-Preis zusätzlich stützt, besonders wenn gleichzeitig katarische LNG-Mengen fehlen.

Wann ist ein gasbedingter Preisaufschlag eines Lieferanten plausibel?
+

Dann, wenn der Lieferant in einem gasintensiven Prozess arbeitet und seine Beschaffungslogik tatsächlich von den aktuellen Großhandelspreisen betroffen ist. Die Bundesnetzagentur weist selbst darauf hin, dass Unternehmen mit Terminmarktabsicherung die aktuellen Preiseffekte nicht sofort spüren. Genau diese Trennung — kurzfristig vs. langfristig eingedeckt — ist der zentrale Prüfpunkt in Verhandlungen.

Ist die aktuelle Gasversorgung in Deutschland gefährdet?
+

Nein, die Bundesnetzagentur bewertet die Versorgungslage als stabil und das Risiko einer angespannten Versorgungslage als gering. Deutschland importiert LNG aktuell hauptsächlich aus den USA und verfügt über zusätzliche Importwege über Norwegen, die Niederlande, Frankreich und Belgien. Die Auswirkungen sind derzeit vor allem preislicher, nicht physischer Natur.

Wie wirkt sich die Hormuz-Blockade konkret auf deutsche Gaspreise aus?
+

Deutschland bezieht sein Gas nicht direkt durch die Straße von Hormus, ist aber über den globalen LNG-Markt indirekt betroffen. Katar liefert rund 20 % des globalen LNG-Handels. Wenn diese Mengen ausfallen, steigt der Wettbewerb um verbleibende LNG-Ladungen weltweit — und damit der TTF-Preis, zu dem auch deutsche Importeure einkaufen.

Warum zeigt die Seite den TTF-Benchmark und nicht den deutschen Endkundenpreis?
+

Weil der TTF der zentrale Großhandelsbenchmark für Erdgas in Europa ist. Endkundenpreise enthalten Netzentgelte, Steuern und Lieferantenmarge — sie sind für die Beurteilung von Beschaffungskosten und Preisgleitklauseln im industriellen Einkauf weniger aussagekräftig als der TTF.

ICE TTF FRONT MONTH
48,76
€/MWh
1M
+10,3 %
3M
+35,0 %
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+41,1 %
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