ENERGIEPREISE

Erdgaspreis aktuell: Preis, Entwicklung und Prognose 2026

03.08.2026

Aktueller Erdgaspreis auf Basis des ICE TTF Front-Month-Futures (59,44 €/MWh per 31. Juli, plus 30 Prozent gegenüber Ende Juni). Trendanalyse zur ersten Katar-Passage durch Hormus seit dem Al-Rekayyat-Angriff (Al Areesh, 30. Juli), zum Drohnenangriff auf Gastanker in Damietta an der Suez-Route, zur EU-Speicherlücke (rund 55 Prozent Ende Juli, Injektionsrate unter Soll) und zur asiatischen Konkurrenz um freie Ladungen. Szenarien und Einkaufsempfehlungen für industrielle Beschaffung in DACH.

AUF EINEN BLICK

  • TTF Front-Month per 31. Juli bei 59,44 €/MWh, plus 30 Prozent gegenüber Ende Juni; kühleres Wetter drückte den Donnerstag (58,43 €/MWh), der Freitag schloss wieder fester.
  • Erstes Angebotssignal seit dem Al-Rekayyat-Angriff: Die Al Areesh passierte am 30. Juli als erste Katar-Ladung seit dem 5. Juli die Straße von Hormus, Ziel Pakistan; mehr als ein Dutzend Tanker warten weiter vor Ras Laffan (Bloomberg).
  • Das Risiko verbreitert sich: Ein Drohnenangriff setzte am 31. Juli zwei Gastanker in Ägyptens Mittelmeerhafen Damietta in Brand, nahe dem Suezkanal (Reuters).
  • EU-Speicher rund 55 Prozent per 28. Juli, rund 11 Punkte unter Vorjahr; die Injektionsrate bleibt unter dem Pfad für das 80-Prozent-Ziel, und Europas LNG-Importe laufen im Juli deutlich unter Vorjahr. Die offene dritte Tranche bleibt der Ernstfall des Winters.

Was treibt den Preis gerade?

Zum ersten Mal seit dem Angriff auf die Al-Rekayyat hat wieder ein katarischer LNG-Tanker die Straße von Hormus passiert. Die Al Areesh, die seit Anfang Juli beladen im Golf wartete, fuhr am 30. Juli durch die Meerenge Richtung Golf von Oman, als Ziel ist Pakistan gemeldet (Bloomberg). Es ist das erste Angebotssignal seit dem Katar-Stopp vom 7. Juli, aber noch kein Hochlauf: Mehr als ein Dutzend Tanker liegen weiter vor Ras Laffan, und die neuen US-Angriffe auf Iran halten das Risiko hoch, dass die Passage ein Einzelfall bleibt.

Der TTF Front-Month schloss am 31. Juli bei 59,44 €/MWh, plus 30 Prozent gegenüber Ende Juni. Der Wochenverlauf zeigt, woran der Markt gerade hängt: Kühleres Wetter in Nordwesteuropa nahm am Donnerstag die Kühllast heraus (minus 3,7 Prozent auf 58,43 €/MWh), am Freitag zog der Preis wieder an. Der Vergleich mit Öl ist aufschlussreich: Brent gab in derselben Woche über 11 Prozent ab, der TTF hielt sein Niveau. Der Markt behandelt diesen Krieg zunehmend als LNG-Schifffahrtsproblem.

Und das Problem verbreitert sich geografisch: Am 31. Juli setzte ein Drohnenangriff zwei Gastanker in Ägyptens Mittelmeerhafen Damietta in Brand, unmittelbar an der Suez-Route (Reuters). Mit Hormus, dem bedrohten Bab el-Mandeb und jetzt dem östlichen Mittelmeer sind alle drei Wege für Golf- und Mittelmeer-LNG Richtung Europa berührt.

Die Speicherseite bleibt der strukturelle Käufer im Markt: rund 55 Prozent Füllstand per 28. Juli, rund 11 Punkte unter dem Vorjahr, und die Injektionsrate liegt weiter unter dem Pfad, den das auf 80 Prozent abgesenkte Ziel zum 1. November verlangt. Europas LNG-Importe laufen im Juli deutlich unter Vorjahr, genau in der Phase, in der eingespeichert werden müsste; ACER mahnt höhere Importe an. Immerhin: Die Terminal-Anlieferungen zogen zuletzt an, und die norwegischen Exporte laufen stabil auf hohem Niveau.

Worauf wir achten: ob der Al Areesh weitere Abfahrten aus Ras Laffan folgen, die Lage um Damietta und den Suezkanal, die wöchentliche Injektionsrate und die asiatischen Spotpreise als Konkurrenzindikator.

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Was heißt das konkret für den Einkauf in DACH?

Die Tranchen-Logik bleibt im Ernstfall-Modus, aber sie bekommt erstmals ein Entspannungssignal. Die Al-Areesh-Passage ist noch kein Trend; definieren Sie deshalb einen konkreten Auslöser für die Fixierung der offenen dritten Tranche, etwa die nachhaltige Wiederaufnahme regelmäßiger Katar-Abfahrten oder einen TTF-Rücksetzer unter 54 €/MWh, statt zum Wochenhoch zu handeln.

Prüfen Sie die Klausel-Symmetrie weiter aus der Käuferperspektive: Bei plus 30 Prozent gegenüber Ende Juni entscheidet die Mittelungsmechanik, wie schnell der Anstieg in Ihre Kosten läuft, und dieselbe Mechanik bestimmt, wie schnell eine Entspannung ankommt.

Halten Sie Lastflexibilität aktiv: abschaltbare Lasten, Brennstoffwechsel-Optionen und Produktionsverlagerung aus Spitzenpreisfenstern bleiben in diesem Umfeld reale Alternativen zur teuren Fixierung, gerade solange der Markt zwischen Einzelsignalen pendelt.

Behandeln Sie das 80-Prozent-Speicherziel weiter als Marktsignal: Solange die Injektionsrate unter Soll liegt, ist der staatlich getriebene Einkauf im Markt und stützt jeden Rücksetzer. Neu auf die Beobachtungsliste gehört die Suez-Route: Nach Damietta kann auch Mittelmeer-LNG einen Risikoaufschlag bekommen.

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Basisszenario

54 bis 66 €/MWh TTF Front-Month

In dieser Spanne, solange die Meerenge nur tröpfchenweise passierbar ist. (1) Die Al-Areesh-Passage ist ein Signal, kein Hochlauf: über ein Dutzend Tanker warten weiter vor Ras Laffan, (2) die Speicherkäufe für das 80-Prozent-Ziel treffen auf verknapptes Angebot und stützen den Boden, (3) kühleres Wetter in Nordwesteuropa und feste Norwegen-Flüsse nehmen die Spitzen. Die asiatische Konkurrenz um freie Ladungen bleibt hoch.

Risikoszenario

66 bis 85 €/MWh TTF Front-Month

Die Katar-Abfahrten stocken nach der ersten Passage wieder, der Damietta-Angriff weitet sich zu einer Bedrohung des Suezkanals aus, die Houthis blockieren das Bab el-Mandeb, oder ein heißer August in Asien zieht weitere Ladungen ab; dann rückt auch das 80-Prozent-Speicherziel zum 1. November außer Reichweite und der Markt preist die Winterknappheit vor. Wahrscheinlichkeit 30 bis 35 Prozent über die nächsten acht Wochen.

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Häufig gestellte Fragen

Warum sind die EU-Speicherfüllstände für den Gaspreis relevant?
+

Weil die EU vorschreibt, dass die Gasspeicher vor dem Winter gut gefüllt sein müssen. Für 2026 wurde das verbindliche Ziel von 90 auf 80 Prozent zum 1. November abgesenkt. Ende Juli liegen die Speicher bei rund 55 Prozent, rund 11 Punkte unter dem Vorjahr, und die Injektionsrate liegt unter dem Pfad, den das Ziel verlangt; ACER mahnt höhere LNG-Importe an. Das bedeutet: Europa muss im Sommer viel Gas in einen verknappten Markt hinein einkaufen, was den TTF-Preis stützt. Die erste Katar-Passage seit dem 5. Juli (Al Areesh, 30. Juli) ist ein Signal, ändert die Rechnung aber noch nicht.

Wann ist ein gasbedingter Preisaufschlag eines Lieferanten plausibel?
+

Dann, wenn der Lieferant in einem gasintensiven Prozess arbeitet und seine Beschaffungslogik tatsächlich von den aktuellen Großhandelspreisen betroffen ist. Die Bundesnetzagentur weist selbst darauf hin, dass Unternehmen mit Terminmarktabsicherung die aktuellen Preiseffekte nicht sofort spüren. Genau diese Trennung — kurzfristig vs. langfristig eingedeckt — ist der zentrale Prüfpunkt in Verhandlungen.

Ist die aktuelle Gasversorgung in Deutschland gefährdet?
+

Physisch läuft die Versorgung weiter: Deutschland importiert LNG hauptsächlich aus den USA und verfügt über Importwege über Norwegen, die Niederlande, Frankreich und Belgien, die nicht von Hormus abhängen. Die Wirkung der Schließung ist deshalb vor allem preislich. Angespannter ist die Vorsorgelage: Die EU-Speicher liegen Ende Juli bei rund 55 Prozent, rund 11 Punkte unter dem Vorjahr, und ACER mahnt höhere LNG-Importe an, um das 80-Prozent-Ziel zum 1. November zu erreichen.

Wie wirkt sich die Hormuz-Blockade konkret auf deutsche Gaspreise aus?
+

Deutschland bezieht sein Gas nicht direkt durch die Straße von Hormus, ist aber über den globalen LNG-Markt unmittelbar betroffen. Katar liefert 12 bis 14 Prozent des europäischen LNG durch die Meerenge. Nach dem Angriff auf den Tanker Al-Rekayyat hatte Katar den Export-Hochlauf gestoppt; am 30. Juli passierte mit der Al Areesh erstmals seit dem 5. Juli wieder eine Katar-Ladung die Meerenge, mehr als ein Dutzend Tanker warten aber weiter vor Ras Laffan. Der TTF Front-Month notiert per 31. Juli bei 59,44 €/MWh, plus 30 Prozent gegenüber Ende Juni; solange die Meerenge nur tröpfchenweise passierbar ist, konkurriert jeder europäische Speicher-Einkauf mit Asien um weniger freie Ladungen.

Warum zeigt die Seite den TTF-Benchmark und nicht den deutschen Endkundenpreis?
+

Weil der TTF der zentrale Großhandelsbenchmark für Erdgas in Europa ist. Endkundenpreise enthalten Netzentgelte, Steuern und Lieferantenmarge — sie sind für die Beurteilung von Beschaffungskosten und Preisgleitklauseln im industriellen Einkauf weniger aussagekräftig als der TTF.

ICE TTF FRONT MONTH
59,44
€/MWh
1M
+30,0 %
3M
+32,0 %
12M
+70,0 %
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