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Webinaraufnahme: Markteinschätzung mit Hydro. Was die Nahost-Krise für den Aluminiumpreis bedeutet
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Aluminium gehört derzeit zu den volatilsten Themen im Einkauf. Die Eskalation im Nahen Osten trifft einen Markt, der ohnehin seit Monaten unter Druck steht, und macht Versorgungssicherheit zur offenen Frage. Wer heute kalkuliert, Mengen sichert oder Verträge verhandelt, braucht eine belastbare Einschätzung dazu, was die Lage am Aluminiummarkt tatsächlich bedeutet und welche Handlungsspielräume bleiben.
Lana Hebisch (Sales Director DACH bei Hydro) und Brian Neumann (strategischer Einkäufer bei Hymer Leichtmetallbau) ordnen im Gespräch mit Laura Weiher (Customer Value Managerin bei Tacto) die aktuelle Marktlage ein. Hydro liefert die Perspektive eines vollintegrierten Aluminiumproduzenten auf Angebot, Preisbildung und Versorgungsrisiken, Hymer zeigt aus erster Hand, wie ein industrieller Verarbeiter mit über 2.000 Tonnen Aluminiumbedarf pro Jahr in dieser Lage konkret arbeitet.
Versorgungssicherheit im Angebotsschock
Lana Hebisch ordnet die Lage global ein: Von rund 75 Millionen Tonnen Primäraluminium entfallen etwa 60 Prozent auf China, das überwiegend im eigenen Land verbleibt. Der Weltmarkt außerhalb Chinas umfasst damit nur rund 30 Millionen Tonnen, und auf die Nahost-Region entfallen davon etwa 7 Millionen Tonnen, also rund ein Viertel. Die Straße von Hormus wirkt gleich doppelt, weil produziertes Material nicht herauskommt und gleichzeitig die nötige Tonerde durch denselben Kanal zu den Schmelzhütten gelangen muss. Bereits jetzt seien rund 2,5 Millionen Tonnen Kapazität stillgelegt, davon etwa eine Million Tonnen Bolzenproduktion, die für die Extrusion unverzichtbar ist. Selbst bei einer sofortigen Öffnung der Straße brauche allein der Abtransport des vorproduzierten Materials drei bis sechs Monate, das Wiederhochfahren abgeschalteter Hütten sechs bis zwölf Monate. Als einziger vollintegrierter Aluminiumkonzern außerhalb Chinas sei Hydro selbst nur marginal betroffen.
Bolzenprämie und der Weg zu stabilen Preisen
Bei den Preisen verweist Lana Hebisch auf zwei getrennte Effekte. Der LME-Preis steigt bereits seit dem Frühjahr des Vorjahres, getrieben durch höhere Energie-, Transport- und Personalkosten in Europa und zuletzt durch die Nahost-Verknappung, eine Rückkehr auf das Niveau von 2023 oder 2024 hält sie für unwahrscheinlich. Besonders deutlich entwickelt sich die Bolzenprämie, die sich innerhalb der vergangenen vier Monate nahezu verdoppelt hat und sich auch bei einer Entspannung kaum schnell zurückbilden dürfte. Hinzu kommen strukturelle Themen: Aluminiumschrott ist in Europa knapp, da das Metall 30 bis 35 Jahre im Umlauf bleibt und viele Prozessschrotte zur Sortierung nach Südostasien abfließen, und die EU hat Aluminium als kritischen Rohstoff eingestuft. Ihre Empfehlung an den Einkauf lautet, einen Teil des Bedarfs rechtzeitig über Metallverträge abzusichern, um Verfügbarkeit und Kalkulationssicherheit zu schaffen.
Partnerschaften in volatilen Zeiten
Brian Neumann übersetzt die Marktlage in die Praxis eines Verarbeiters. Hymer Leichtmetallbau erwirtschaftet mit rund 350 Mitarbeitenden etwa 62 Millionen Euro Umsatz, größte Materialgruppe ist Aluminium mit über 2.000 Tonnen pro Jahr. Sein wichtigster Grundsatz lautet, nicht in Panik zu verfallen und keine vorschnellen Entscheidungen zu treffen, sondern Szenarien genau zu analysieren und Bedarfe vorausschauend zu sichern. Nach der Schließung der Straße von Hormus habe Hymer umgehend alle Lieferanten kontaktiert, Bedarfsprognosen mit ihnen geteilt und mit konsequentem Dual Sourcing die Versorgung in nahezu allen Fällen im Griff behalten.
Bei der Verhandlung setzt Brian Neumann auf Spielräume jenseits des fixierten LME-Preises, etwa Bonusvereinbarungen oder temporäre Zahlungsziele, und hält Preiserhöhungen bewusst separiert, damit sie sich bei sinkenden Kosten später zurücknehmen lassen. Sämtliche Preiserhöhungen und die Lieferantenkommunikation dokumentiert Hymer in Tacto und wertet sie per KI aus, statt Informationen in Excel-Tabellen zu verstreuen. Für den Marktüberblick nutzt er zudem die Rohstoffdaten auf der Tacto-Website und das kostenlose Risikoradar unter risk.tacto.ai, das in Sekunden einen unternehmensspezifischen Bericht zu den relevantesten Beschaffungsrisiken erstellt.
Fazit
Die Einschätzungen von Hydro und Hymer verdeutlichen, dass die Nahost-Krise einen ohnehin angespannten Aluminiummarkt trifft und auch bei rascher Entspannung über Monate nachwirken wird. Entscheidend ist weniger die kurzfristige Reaktion auf jede Preisspitze als die strukturierte Vorbereitung: rechtzeitige Bedarfssicherung, belastbare und transparente Partnerschaften, Dual Sourcing und eine saubere Datenbasis, die fundierte Verhandlungen erst möglich macht.
Barbara Niemann (Leitung Einkauf bei Zerhusen Kartonagen) und Lucas Trümpler (Kundenentwicklung bei Tacto) berichten, wie Zerhusen von manueller Zertifikatsverwaltung und Excel-Listen zu einem strukturierten Supplier Relationship Management gewechselt hat. Im Webinar zeigen sie, wie das Unternehmen über 3.200 Stunden jährlich aus administrativen Compliance-Aufgaben umschichtet und sich heute systematisch auf PPWR, CBAM und EUDR vorbereitet.


